Junge Streithelfer an der Grundschule am Bullerdiek vermitteln bei Konflikten
Wenn es auf dem Pausenhof kracht

Westerkappeln -

Wenn zwei sich streiten, sind sie gefragt: Mit dem Unterrichtsbeginn nach den Herbstferien haben an der Grundschule am Bullerdiek die Streithelfer ihren Dienst aufgenommen. In jeweils zwei Zweierteams sind die Viertklässler in den Pausen auf dem Schulhof unterwegs, um bei Konflikten zu vermitteln.

Montag, 16.12.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 16.12.2019, 14:16 Uhr
Seit Ende der Herbstferien vermitteln 15 Streithelfer in der Grundschule am Bullerdiek zwischen Streithähnen. Über das Engagement der Viertklässler freuen sich Schulleiterin Anne Frickenstein (r.), Sonderpädagogin Cornelia Thies (v.l.) und Petra Kleen vom Förderverein Wespe, der das Projekt unterstützt.
Seit Ende der Herbstferien vermitteln 15 Streithelfer in der Grundschule am Bullerdiek zwischen Streithähnen. Über das Engagement der Viertklässler freuen sich Schulleiterin Anne Frickenstein (r.), Sonderpädagogin Cornelia Thies (v.l.) und Petra Kleen vom Förderverein Wespe, der das Projekt unterstützt. Foto: Dietlind Ellerich

Mit dem Unterrichtsbeginn nach den Herbstferien haben an der Grundschule am Bullerdiek die Streithelfer ihren Dienst aufgenommen. Jeweils zwei Zweierteams sind in den Pausen auf dem Schulhof unterwegs. Und damit sie jeder erkennt, tragen die Viertklässler gelbe Warnwesten, auf deren Rückseite ihre Jobbeschreibung steht. Die jungen Streithelfer nähmen ihre Aufgabe sehr ernst, haben Schulleiterin Anne Frickenstein und Sonderpädagogin Cornelia Thies beobachtet. „Sie sind ganz enttäuscht, wenn nichts passiert“, sagen sie schmunzelnd.

Das Projekt „Streithelfer“ ist Teil des Konzepts „Soziales Lernen“, mit dem sich die Grundschule für Prävention stark macht. Thies ist nach einer intensiven Ausbildung nach dem Bensberger Mediations-Modell Fachfrau für das Thema, und auch die Lehrer sowie das Personal der Offenen Ganztagsschule wissen nach Fortbildungen, worauf es ankommt. Mit im Boot ist die Westerkappelner Elterninitiative für Spielen und Erleben (Wespe) als Förderverein der Grundschule, der das Streithelfer-Programm über das Huckepack-Projekt unterstützt und die Warnwesten sponsert.

Die Mädchen und Jungen, aktuell sind 15 im Einsatz, seien Ansprechpartner für die „Erst-Hilfe im Streit“, erklärt Cornelia Thies, was auf die Schüler zukommt, wenn sich die Streithähne an sie wenden. „Sie lösen nicht deren Konflikte, sondern helfen dabei, dass die Streitenden Zugang zueinander finden und miteinander ins Gespräch kommen.“ Egal ob nach einer verbalen Entgleisung oder einer körperlichen Auseinandersetzung, bei der Erst-Hilfe gelte es, respektvoll miteinander umzugehen und die drei Grundregeln „Gut zuhören“, „Ausreden lassen“ und „Nicht beschimpfen“ zu beachten.

Das sei nicht einfach, weil beide Seiten das Geschehen sehr unterschiedlich wahrnähmen, ist Cornelia Thies und Anne Frickenstein bewusst. Umso wichtiger sei die Aufstellung im Dreieck mit den Streithelfern in der Mitte. Sie achten darauf, dass alle zu Wort kommen, sich am Ende entschuldigen und wieder vertragen. Das sei nicht nur für die Erst-Helfer anspruchsvoll, sondern auch für die Streitenden, die sich dem Geschehen stellen. Eine Konsequenz für das Fehlverhalten von Seiten der Lehrer sei davon unbenommen. „Das muss sein, und dafür sind wir dann zuständig“, betont die Schulleiterin.

Für die Streithelfer gibt es einmal in der Woche eine Nachbesprechung, in der sie ihre Einsätze Revue passieren lassen und ihre Sorgen und Nöte teilen. Ihr Engagement wird am Ende des Schuljahrs mit einer Urkunde und einem Zeugnisvermerk unter „Ehrenamtliches Engagement“ belohnt.

„Es gibt Dinge, die muss man ansprechen“, nehmen Thies und Frickenstein denjenigen den Wind aus den Segeln, die Geschädigte und Streithelfer für „Petzen“ halten. „Petzen“ und „Bescheid sagen“, sei ein Unterschied, ermuntern sie die Schüler, die Unterstützung der Streithelfer in Anspruch zu nehmen. Im Idealfall seien die Kinder irgendwann in der Lage, selbstständig ihre Streitigkeiten zu schlichten, hofft Anne Frickenstein.

So weit ist es noch nicht. Aktuell durchlaufen 17 Drittklässler die Ausbildung zu Streithelfern, freut sich Cornelia Thies über die Mädchen und Jungen, die Lust haben, im nächsten Schuljahr den Dienst zu übernehmen. Für das Projekt „Streithelfer in der Grundschule“ gibt es ein Qualitätssiegel, das die Grundschule am Bullerdiek beantragen möchte, sobald die Bauarbeiten auf dem Gelände abgeschlossen sind. Dann sollen auch „Friedensecken“ auf dem Schulhof und in den Fluren als Anlaufstellen für Streithähne eingerichtet werden.

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