Vortrag bei den Landfrauen Westerkappeln/Wersen
Können Bauern uns ernähren ?

Westerkappeln/Lotte -

Dass Bauernfamilien anders ticken, war den Landfrauen klar, die an dieser Stelle in Andreas Brinkers Vortrag geschmunzelt und genickt haben. Die Botschaft des Redners zum Thema „Mit dem Land wirtschaften“ klang so prägnant wie viele anderen Sätze des Landwirtes: Die Bauern müssen mit den Leuten reden.

Freitag, 13.12.2019, 15:34 Uhr aktualisiert: 13.12.2019, 15:38 Uhr
Die Integration von Dorf und Landwirtschaft ist ein wichtiges Thema für Andreas Brinker, den ehemaligen Mitarbeiter der katholischen Landvolkhochschule Oesede. Er war zu Gast bei den Landfrauen um Birgit Leyschulte (Westerkappeln, links) und Doris Schwegmann (Wersen).
Die Integration von Dorf und Landwirtschaft ist ein wichtiges Thema für Andreas Brinker, den ehemaligen Mitarbeiter der katholischen Landvolkhochschule Oesede. Er war zu Gast bei den Landfrauen um Birgit Leyschulte (Westerkappeln, links) und Doris Schwegmann (Wersen). Foto: Viktoria Savtchouk Torres

„Die Menschen verstehen nicht mehr, was da läuft“, sagte Brinker . Der Landfrauenverein Westerkappeln/Wersen verband die diesjährige Weihnachtsfeier in den Ratsstuben Wersen mit dem Wissensdurst der Landfrauen. In einer gemütlichen Runde in Ratsstuben Wersen geschah die Wissensvermittlung gleich einer Stand-up-Comedy.

So beschrieb der Diplom-Ingenieur für Landespflege und Referent der Katholischen Landvolkhochschule Oesede ein angeblich oft stattfindendes Gespräch: Auf das Geständnis, er sei ein Landwirt, laute die skeptische Antwort stets: „aha“, gefolgt von den Fragen: „Haben Sie Tiere?“ und „Wie viele?“ „100 000 Nutztiere“, sei seine Antwort. Doch schon bald verschaffe er dem von Argwohn befallenen Gesprächspartner Klarheit: „100 000 Bienen.“

Brinker sprach drei Quellen des verzerrten Bauernhofbildes in der Gesellschaft an: die stets kritischen Bilder und Schlagzeilen der Presse, gespielte TV-Sendungen und realitätsferne Kinderbücher. Dabei könnten Landwirte, die Brinker mit dem Begriff „Sprachökonomen“ belegte, ihr Geschick durchaus beeinflussen. Sie müssten auf die Menschen in der Nachbarschaft zugehen, sie zum Bauernhof einladen und mit ihnen reden. „Wenn wir unsere Lebensmittel selbst produzieren wollen, brauchen wir Bauern“, sagte Brinker.

Eine Marketing-Initiative für die Landwirte stellte Marlies Grüter vor, die für den Kreisverband Steinfurt Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft betreibt. Unter dem Slogan „Landwirt schafft Leben“ verfolgt die Initiative das Ziel, das Image der Landwirtschaft positiv zu beeinflussen sowie Kritiker und Verbraucher bewusst anzusprechen, um einen aufklärenden Dialog zu schaffen. Es sei selbstverständlich, dass ein Tischler für sich Werbung mache, so Brinker. Wenn es um die Bauern geht - immerhin zwei Prozent der Bevölkerung -, höre sich die Frage brisant an, wenn der Redner sie stellt: „Dürfen wir mit dem Land wirtschaften?“

Birgit Leyschulte, erste Vorsitzende des Vereins in Westerkappeln, freute sich über die Marketing-Kampagne. „Viele glauben, sie können mitreden“, sagte die Landwirtin, deren Familie zusammen mit der Familie Steer den Milchhof in Seeste betreibt.

Brinker drehte den Spieß um und sandte die Kritik in Richtung der Gesellschaft: „Wenn sich alle verhalten wie in Deutschland, könnte die Welt das nicht aushalten.“ Schließlich würden 30 Prozent des Essens hierzulande weggeworfen. „Wie pervers ist das, was wir da machen ?“

Außerdem gebe es ein markantes Missverhältnis zwischen denen, die behaupten, Bio-Fleisch zu kaufen, und denen die es tatsächlich tun. Die Landwirte könnten mehr Bio-Fleisch produzieren, sagte Brinker, das Problem sei, es kauften nur sehr wenige.

Auf die Frage, ob die deutschen Bauern alle Deutschen ernähren könnten, antwortete er deutlich mit Ja. Wobei die Verbraucher dann auch verzichten müssten, etwa auf tägliches Fleisch. Und Bananen und Kaffee würden die deutschen Bauern nicht anbauen, scherzte Brinker, das müssten wir weiterhin importieren.

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