Patrick Hövels aus Lotte mischt im Europäischen Jugendparlament mit
Abiturient macht Europapolitik

Lotte -

Politikverdrossenheit kennt Patrick Hövels aus Lotte-Büren nicht. Er gehört zu den Jugendlichen, die bereits im European Youth Parliament (EYP) Resolutionen vorgetragen haben.

Dienstag, 31.12.2019, 13:37 Uhr aktualisiert: 31.12.2019, 14:00 Uhr
Konzentriert bereitet sich Patrick Hövels aufs Abi vor. Da verbeißt sich auch Familienhund Tony das Bellen.
Konzentriert bereitet sich Patrick Hövels aufs Abi vor. Da verbeißt sich auch Familienhund Tony das Bellen. Foto: Ursula Holtgrewe

Ein Auslöser für das Politikinteresse des 18-jährigen Büreners war die Bundestagswahl 2013. „Ich weiß noch, dass damals die FDP rausgeflogen ist“, erinnert er sich. Auch hätten seine Eltern ihn schon als jungen Jugendlichen über wichtige politische Ereignisse informiert und er habe gemeinsam mit ihnen Nachrichten geschaut.

„Richtig angefangen mich aktiv einzubringen hat es, als unsere Schulleiterin am Graf-Adolf-Gymnasium, Evelyn Futterknecht, einen Gast nach Tecklenburg eingeladen hatte, der uns Schüler über das Projekt informiert hat.“

Sechs Mitschüler hatten gleichfalls Interesse. Sie bewarben sich für ein Treffen in Berlin in 2018 – auf Englisch, versteht sich. Schulen dürften zum Europäischen Jugendparlament (EJP), das als gemeinnütziger Verein seit 1990 hierzulande das EYP vertritt, eine Gruppe bis zu sieben Personen delegieren, erklärt Hövels und weiter zur Finanzierung: Die Anmeldegebühr habe das GAG übernommen, die Reisekosten die Eltern, Projektförderung habe es von der Schwarzkopf-Stiftung gegeben.

„In Berlin war das deutsche EJP-Auswahltreffen mit zirka 100 Delegierten, darunter einige internationale Besucher. Es waren Schüler, Studenten, Azubis und FSJler bis zu 25 Jahren dabei“, erklärt Patrick Hövels . Die Schülergruppen seien für die Ausschussarbeit jeweils neu zusammengewürfelt worden. Realistisch bei den Sitzungssimulationen sei, dass dem internationalen Ausschuss eine Parlamentarische Vollversammlung nach EU-Vorbild folge, deren diskutierte Vorschläge und Abstimmung über die Resolution an EU-Politiker weitergeleitet werde.

„Ich war in einer Delegiertengruppe, die sich mit dem Thema befasste, wie die EU reagieren muss nach dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Wir haben eine Resolution dazu geschrieben, die CO-Speichersysteme berücksichtigt hat. Auch sollte die EU die Länder unterstützen, nicht auf Kohlekraft zu setzen, sondern alternative Energien auszubauen“, fasst der Bürener zusammen.

Diese Haltung vertritt er auch privat: „Umweltschutz war schon immer mein Thema, und für Klimaschutz habe ich mich schon vor Greta interessiert, weil die Statistiken seit langem beweisen, dass wir etwas tun müssen. Wir müssen bis 2050 klimaneutral in Deutschland leben. Das können wir hinkriegen. Ich möchte, dass die Politik alles dransetzt.“

Die EJP-Jury war in Berlin bei allen Arbeitsschritten anwesend, begutachtete die Resolution, deren Verteidigung, Gegenrede und so weiter. „Die Juroren bewerten auch, wie sich jeder einbringt“, erklärt Hövels. Das Ergebnis: Seine Delegation nahm an einem fünftägigen internationalen EYP-Treffen im tschechischen Karlsbad teil. Der Bürener Klimaschützer war mit dem Bus zweimal 13 Stunden unterwegs.

Die Resolution seiner Gruppe in dem historischen Kurort entstand zum Thema medizinische Hilfe der EU in Afrika. „Sinnvolle Hilfe ist die zur Selbsthilfe, war unserer Statement. Staaten müssen sich sozialverantwortlich verhalten. Es ging um Ausbildung von Krankenschwestern im ländlichen Bereich. Wir dürfen keinesfalls ein Modell überstülpen, sondern müssen ein passendes mit dem Land erarbeiten“, betont Patrick Hövels.

In diesem Jahr qualifizierte sich Hövels in Kiel für ein Treffen im estländischen Tallin, wo er auf andere internationale Delegierte traf. Hin und zurück reiste der Bürener jeweils 32 Stunden, wieder mit dem Bus. „Ich wollte nicht fliegen wegen der CO2-Bilanz. Beeindruckt hat mich, dass ich in Estland auch auf dem Land einen super Handyempfang hatte. Es war die internationalste Sitzung überhaupt. In jedem Café und überall kam man mit Englisch weiter“, schwärmt der Gymnasiast nachhaltig.

Europäisches Jugendparlament

Das EJP vertritt als gemeinnütziger Verein seit 1990 hierzulande das EYP, ein Netzwerk aus 40 nationalen Organisationen, die Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren die Chance bietet, sich europapolitisch zu bilden und vielfältige Kontakte zu knüpfen. Junge Menschen mit unterschiedlichen sozialen, kulturellen, religiösen und politischen Hintergründen sind aufgerufen, beispielsweise in Resolutionen neue Ideen für Europa zu entwickeln. In Parlaments-Simulationen mit wechselnden internationalen Veranstaltungsorten können Teilnehmer der Jugendparlamente Europapolitik selbst erleben und erfahren. Seit 1990 wählt das EJP 30 Schuldelegationen und 30 Einzelbewerber aus, die Deutschland bei den nächsten internationalen Sitzungen des EYP vertreten werden. Eine vierköpfige Jury wählt die besten drei Delegationen und Einzelkandidaten aus zur Nationalen Auswahlsitzung. Jährlich nehmen rund 300 Jugendliche aus Deutschland teil. Es ist möglich, mithilfe eines Reisestipendiums an einer Sitzung teilzunehmen. In Deutschland gibt es zahlreiche EJP-Förderer und -Unterstützer in Politik und Wirtschaft. Mehr Details gibt es auf www.eyp.de.

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Für ihn und alle anderen Teilnehmer war es bei den Treffen sehr wohl eine Bestätigung, wenn sie sich qualifizieren konnten, aber: „Alle betonten, dass es das Wichtigste ist, Freundschaften zu knüpfen und im Kontakt zu bleiben. Es ist doch interessant, sich mit Serben auszutauschen und zu erfahren, wie es dort wirklich aussieht.“ Andererseits sei es bemerkenswert festzustellen, dass längst nicht alle europäischen Jugendlichen eine kritische Haltung zu Donald Trump oder Boris Johnson haben, sondern teilweise mit ihnen sympathisieren, resümiert der Bürener.

Direkt nach dem Abitur möchte der junge Bürener durch Europa touren, danach eventuell ein Freiwilliges Soziales Jahr anschließen. „Ich möchte später beruflich etwas positiv verändern. Es gibt so viele Möglichkeiten in der Politik, im Handwerk, in der Forschung und in anderen Bereichen“, beschreibt er Pläne für die spätere Zukunft.

Zuvor wird er alles daransetzen, ein ordentliches Abitur am GAG abzulegen. Daher hat er ohne lange zu überlegen eine internationale EYP-Sitzung in Mailand abgesagt: „Diese internationalen Treffen sind Flaggschiffsitzungen. Aber Mailand liegt genau zwischen zwei Abitur-Prüfungen im nächsten Jahr und das Abi geht vor.“ Nicht von ungefähr, denn er berichtet: „Ich bin in den zurückliegenden zwei Jahren viel gereist und habe einiges an Unterricht verpasst. Aber wenn man diszipliniert nacharbeitet, geht das schon.“

In den Lernpausen liest Patrick Hövels gern, daddelt auch mal Videospiele und bessert sein Taschengeld als Kellner auf. Außerdem spielt er beim Wassersportverein Osnabrück Kanu-Polo und tobt gern mit Familienhund Tony.

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