Kreis Warendorf
Wettbewerb darf nicht verzerrt werden

Kreis Warendorf. Das Ärgste für den Zementstandort Deutschland durch eine noch strengere EU-Klimaschutzpolitik ist zunächst einmal abgewendet. Dank einer konzertierten Aktion von Politik, Gewerkschaften und Industrie...

Samstag, 24.01.2009, 15:01 Uhr

Kreis Warendorf . Das Ärgste für den Zementstandort Deutschland durch eine noch strengere EU-Klimaschutzpolitik ist zunächst einmal abgewendet. Dank einer konzertierten Aktion von Politik, Gewerkschaften und Industrie, wie Andreas Kern gestern bei einer Veranstaltung in der Zementstadt Ennigerloh dankbar feststellte.

Das Vorstandsmitglied der „HeidelbergCement“ Gruppe, die in Ennigerloh zwei Werke betreibt, referierte auf Einladung des heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Reinhard Schultz über die Zukunftsfähigkeit der deutschen Zementindustrie. Nach dem Arbeitsplatzabbau zähle die Branche mit 7 500 Direktbeschäftigten eher zu den kleinen. Als Faustregel gelte aber, dass ein Zementarbeitsplatz vier weitere Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie sichere. Im Übrigen sei Beton nach Wasser das gefragteste Gebrauchsgut weltweit.

Die Zementindustrie in Deutschland unterwerfe sich den strengen CO2-Emissionsauflagen, so Kern, der dies auch für sinnvoll hält. Aber die dürften nicht zu Wettbewerbsverzerrungen führen, denn in China und Indien würden diese hohen europäischen Umweltstandards nicht gelten. Für die Hälfte aller CO2-Emissionen, die durch die Zementindustrie weltweit verursacht werden, seien die Chinesen verantwortlich. Die Europäer hätten mit fünf Prozent einen vergleichsweise geringen Anteil an den Emissionen.

Einer weiteren Reduzierung der CO2-Emissionen seien ohnehin enge Grenzen gesetzt, weil 60 Prozent bei der Entsäuerung des Kalks entstehen. Mit 30 Prozent sei die benötige Energiezufuhr an den Emissionen beteiligt, so Kern, der auch Vorsitzender des Vereins Deutscher Zementindustrie ist. Auf diesem Gebiet unternehme die Zementindustrie viele Anstrengungen, den Schadstoffausstoß zu begrenzen und die Energie möglichst selbst zu erzeugen, um sich aus der Abhängigkeit der Stromriesen zu befreien.

In seiner Einführung zum Thema hatte Schultz darauf hingewiesen, dass Pläne der „Cemex“, am Standort in Beckum ein Industriekraftwerk zu errichten, an dem Widerspruch der Bürger gescheitert seien. „Es ist offen, ob künftig Zementwerke überhaupt noch ohne eigene Kraftwerke konkurrenzfähig sind“, so Schultz. Wer auf Industriearbeitsplätze nicht ganz verzichten wolle, müsse auch Zugeständnisse machen. Mit dem vor Weihnachten in Brüssel erreichten Kompromiss über die Zertifikatszuteilung könne die Zementindustrie leben, fasste Kern seine Ausführungen zusammen, wobei die Auflage, die CO2-Emissionen um weitere 21 Prozent zu reduzieren, erhebliche Anstrengungen erfordere.

Ulrich Freese, stellvertretender Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE), lobte den schon in den 90er Jahren im Rahmen eines Sozialpaktes vollzogenen Schulterschluss mit der Industrie.

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