Kreis Warendorf
Die Zeit der Leere sinnvoll ausfüllen

Sonntag, 13.09.2009, 19:09 Uhr

Kreis Warendorf - Die Bilanz ist beeindruckend: 40 hauptamtliche Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt, dazu 20 ehrenamtliche Helfer, 50 Klienten, die jährlich in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Dazu insgesamt 180 Beschäftigte, die für „Horizonte“ in irgendeiner Weise tätig sind. Diese Zahlen nannte Geschäftsführer Dr. Ralf Thorwirth am Samstag bei der Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen der Arbeitsloseninitiative am Ennigerloher Stammsitz, die sich 1984 als Arbeitsloseninitiative im Pfarrverband Ennigerloh gründete.

Rolf Niedergerke begrüßte als Vorsitzender des Vereins die zahlreichen Gäste - darunter auch den SPD-Bundestagsabgeordneten Reinhard Schulz und die beiden Landtagsabgeordneten Reinhold Sendker und Thomas Trampe-Brinkmann - und brachte die „Horizonte“-Philosophie auf den Punkt: „Unser Ziel ist es, Arbeitslosen die Zeit der Leere mit sinnvoller Tätigkeit auszufüllen.“ Bei der Gründung von ALI, die sich erst später in „Horizonte“ umbenannte, habe die Arbeitslosigkeit zwar bei zehn Prozent in Westdeutschland - innerhalb von vier Jahren war sie von 900 000 auf 2,4 Millionen gestiegen - gelegen, aber man habe sich nicht vorstellen können, was Langzeitarbeitslosigkeit eigentlich bedeutet. Wichtigste Aufgabe bleibe es, möglichst viele der Klienten wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Thorwirth erinnerte daran, dass die Arbeitsloseninitiative eine Reaktion auf die Schließung der Profilia-Werke war und begrüßte besonders Gertrud Kröger und Pfarrer Clemens Sievert, die seinerzeit die Initiative zur Gründung ergriffen. Landrat Dr. Olaf Gericke hatte Bares statt Klares zum Gratulieren mitgebracht. Der Landrat lobte die gute Zusammenarbeit mit „Horizonte“, die sich gerade bei der Codieraktion im Kreis vielfach bewährt habe. Wer wisse, dass im Jahr 2008 über 2000 Fahrräder im Kreisgebiet gestohlen worden sind, könne leicht ermessen, was es bedeute, wenn bis heute 14 000 Fahrräder codiert worden sind.

Ennigerlohs Bürgermeister Berthold Lülf beschäftigte sich in seinem Glückwunsch mit dem Begriff der Arbeit und kam zu dem Schluss, dass auch körperlich harte Arbeit nicht schände. „Horizonte“ leiste einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration der Menschen, die zum Opfer der Globalisierung und der allgemeinen Beschleunigung von Arbeitsprozessen geworden seien.

Für den katholischen Pfarrverband Ennigerloh überbrachte Pfarrer Andreas Dieckmann die Glückwünsche des Bischofs. Christa Lummerzheim wurde als Vertreterin des Betriebsrates etwas deutlicher als ihre Vorredner und geißelte die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu Hartz IV als unsozial. Wenn 800 000 Kinder und Jugendliche in Nordrhein-Westfalen von Armut betroffen seien, sei das ein gesellschaftspolitischer Skandal. „Der Staat kann sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen“, so Lummerzheim, wenn eine große Zahl von Menschen zu Almosenempfängern degradiert werde.

Danach konnten die Räumlichkeiten besichtigt werden. Mit einem Tag der offenen Tür wurde das Jubiläumsprogramm gestern fortgesetzt.

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