Jugendamt prüft Pflegeeltern
Die neue Familie

Kreis Warendorf -

Die neunjährige Anna aus Königswinter wurde von ihrer Pflegemutter in der Badewanne ertränkt, die elfjährige Chantal aus Hamburg starb in der Obhut ihrer Pflegefamilie an einer Überdosis Methadon. Furchtbare Schicksale. Damit der Schutz von Pflegekindern so hoch wie möglich ist, prüft das Jugendamt des Kreises Warendorf interessierte Eltern gründlich, bevor sie Kinder aufnehmen dürfen.

Mittwoch, 01.02.2012, 11:02 Uhr

Jugendamt prüft Pflegeeltern : Die neue Familie
Halt bei Pflegeeltern finden – viele Kinder können nur so einen oft langen Leidensweg beenden. Foto: Pepehowe

Die neunjährige Anna aus Königswinter wurde von ihrer Pflegemutter in der Badewanne ertränkt, die elfjährige Chantal aus Hamburg starb in der Obhut ihrer Pflegefamilie an einer Überdosis Methadon. Furchtbare Schicksale. Damit der Schutz von Pflegekindern so hoch wie möglich ist, prüft das Jugendamt des Kreises Warendorf interessierte Eltern gründlich, bevor sie Kinder aufnehmen dürfen.

„Wir haben derzeit 160 Kinder in Pflegefamilien“, sagt Jugendamtsleiter Wolfgang Rüting . Etwa 20 Prozent dieser Kinder sind in sogenannter „Bereitschaftspflege“ – die in der Regel nicht länger als sechs Monate dauert.

Die Pflegeeltern werden vom Jugendamt ausgesucht. Unter Umständen kooperiere man auch mit freien Trägern. „Wir suchen passende Familien für die Kinder und nicht umgekehrt“, beschreibt Rüting den Ansatz.

Nur in äußerst seltenen Fällen habe das Jugendamt in den vergangenen Jahren eingreifen müssen und Kinder aus den Pflegefamilien herausgeholt – etwa bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch, Gewalterfahrung oder weil das Kind Ersatz für den nicht erfüllten Kinderwunsch der Pflegeeltern war und dadurch zum „Objekt“ wurde.

„Unsere Pflegeeltern sind außerordentlich engagiert“, betont Rüting. Es gebe auch einige Familien, die bereit seien, ein behindertes Kind aufzunehmen. Für die Aufnahme eines Pflegekindes erhalten die Eltern mindestens 800 Euro im Monat, bei sehr hohem Aufwand können es auch 2000 Euro sein.

„Schwierig ist es, ältere Kinder in Familien zu vermitteln. Fast alle Pflegeeltern wollen ein kleines Kind.“

Das Jugendamt bereitet interessierte Familien darauf vor, ein Kind aufzunehmen. Mindestens einmal im Jahr geht ein Mitarbeiter des Jugendamtes in die Pflegefamilie. „In manchen Fällen auch deutlich häufiger.“

Derzeit gibt der Kreis für die 160 Pflegekinder rund 1,8 Millionen Euro im Jahr aus. Das ist günstiger als die Heimunterbringung – aber für die meisten Kinder eben auch der bessere Weg.

Familien, die interessiert sind, ein Kind aufzunehmen, wenden sich an Klaus Schnieder vom Jugendamt, ' 0 25 81 / 53 52 41. 

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