Museum „Religio“ greift neue Glaubensformen auf
Das Fenster zur Ewigkeit

Telgte -

Die geplante Eröffnung des Museums „Religio“ am 28. April wird sich verzögern. Der Fußboden ist anders ausgefallen als erwartet und muss nachgebessert werden. Gut ausgefeilt ist dagegen das neue Konzept für „Religio“, das die Nachfolge des Heimathauses Münsterland antritt. „Aber es wird ein ganz anderes Museum sein“, betont Museumsleiter Dr. Thomas Ostendorf

Freitag, 02.03.2012, 11:03 Uhr

Museum „Religio“ greift neue Glaubensformen auf : Das Fenster zur Ewigkeit
Museumsleiter Dr. Thomas Ostendorf stellt die neuen Pläne für das Museum „Religio“ vor. Es will die religiöse Kultur in Westfalen dokumentieren. Schwerpunkt wird dabei das Christentum bleiben. Foto: Kopmann

Die geplante Eröffnung des Museums „Religio“ am 28. April wird sich verzögern. Der Fußboden ist anders ausgefallen als erwartet und muss nachgebessert werden. Gut ausgefeilt ist dagegen das neue Konzept für „Religio“, das die Nachfolge des Heimathauses Münsterland antritt. „Aber es wird ein ganz anderes Museum sein“, betont Museumsleiter Dr. Thomas Ostendorf im Gespräch mit Redakteurin Beate Kopmann .

Das alte Heimathaus heißt jetzt „Religio“. Das Museum erhält nicht nur ein neues Outfit, sondern vor allem ein neues Konzept. Wie sieht das aus?

Ostendorf: Das alte Heimathaus, das auch Handwerkskunst vom Blaudruck bis zur Uhrmacherei zeigte, gehört der Vergangenheit an. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die religiöse Kultur in Westfalen.

Die Kirchgänger werden aber weniger, woher wollen Sie die Besucher holen?

Ostendorf: Die Kirchen sind zwar leer, aber das Interesse der Menschen an Religion ist eher gewachsen. Die Kernfrage lautet: Was passiert nach dem Tod?

Diese Frage können Sie nicht beantworten.

Ostendorf: Stimmt, aber von Ahnenkult bis Auferstehungsglaube oder Wiedergeburt zeigen wir, dass Menschen immer wieder von dieser Frage umgetrieben werden. Unser Museum reißt also ein Fenster zur Ewigkeit auf.

Stellen Sie nur den christlichen Glauben vor oder auch andere Religionen?

Ostendorf: Das Christentum wird schon ein Schwerpunkt sein, weil es die Region über Jahrhunderte geprägt hat. Aber wir nehmen beispielsweise auch den Islam auf und haben Kontakt mit den hier lebenden Muslimen gesucht. Ferner werden wir die „Patchwork-Religion“ thematisieren. Sie ist heute sehr verbreitet. Viele Menschen basteln sich ihre Ewigkeit eben selbst.

Was ist mit dem Bereich Aberglaube?

Ostendorf: Das Thema werden wir im Rahmen einer Sonderausstellung dokumentieren – vom Horoskop bis zum Wünschelrutengänger ist alles dabei. Aber auch in der Dauerausstellung beschäftigen wir uns mit „religiösen Ablegern“, etwa mit Fußball-Fans. Als Beispiel nenne ich den 1. FC Köln, der nicht ohne seinen Geißbock spielt.

Das scheint den Kölnern nicht viel zu helfen.

Ostendorf: Ja, mit Wundern ist das eine schwierige Geschichte. Sie ereignen sich, wenn ich sie erwarte . . . Auch deswegen beschäftigt sich die neue Ausstellung mit dem Thema Wallfahrt. Warum laufen die Menschen beispielsweise nach Telgte und nicht nach Bad Iburg? Weil sie glauben, dass sie hier besser mit dem Jenseits kommunizieren können.

Das wertvollste Exponat der Ausstellung ist das Telgter Hungertuch aus dem Jahr 1623. Um es besser zu präsentieren, wurde extra angebaut.

Ostendorf: Ja, das Hungertuch, das schon wegen seiner Größe imposant ist (7,40 mal 4,40 Meter) wird ganz anders zur Geltung kommen. Es ist das einzige Ausstellungsstück in einem Raum. Wir haben daneben andere Sonderthemen, etwa das Leben von Kardinal von Galen. Durch alles zieht sich aber wie ein roter Faden das Thema religiöse Kultur – etwa bei Lebensübergängen oder Jahresfesten wie Weihnachten. Auch die Krippenausstellung wird es weiter geben. Und wir gehen der Frage nach Gut und Böse nach. „Religio“ stellt den „Baum der Erkenntnis“ auf.

Darf man von diesem Baum essen?

Ostendorf: Ja, unser Baum trägt Früchte. Sehr gute sogar. Überhaupt soll die Museumspädagogik neues Gewicht erhalten. Wir werden Themenführungen anbieten und uns total auf die Besucher einstellen – egal ob das jetzt Schulklassen sind oder Kolpingvereine.

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