Armut macht krank: Caritas will gegensteuern
Raus aus dem Teufelskreis

Warendorf -

Echte Hilfe ist konkret. Das zeigt das Beispiel „Zahnlücke“. Nicht wenige Menschen, die lange arbeitslos sind oder nur ein geringes Einkommen haben, leiden unter schlechten Zähnen. Der Verein Horizonte (von einer katholischen Pfarrei in Ennigerloh gegründet) ist hier aktiv geworden.

Samstag, 28.04.2012, 09:04 Uhr

Armut macht krank: Caritas will gegensteuern : Raus aus dem Teufelskreis
Reinhold Löbbert (SKM), Ralf Thorwirth (Horizonte), Anna Menke, Josef Hörnemann (beide Kreiscaritasverband), Gertrud Schoppengerd (Kardinal-von-Galen-Seniorenheim in Oelde), Herbert Kraft (Kreiscaritasverband), Gisela Burghardt (Wärmestube Warendorf) und Elisabeth Wieland (Caritas Ahlen). Foto: Kopmann

„Wir sprechen die Langzeitarbeitslosen an, die bei uns tätig sind, und wir begleiten sie bei Bedarf auch zum Zahnarzt“, erzählt Horizonte-Geschäftsführer Ralf Thorwirth . Auch andere katholische Träger haben die Erfahrung gemacht, dass arme Menschen einem besonders hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. Die Caritas hat daher in diesem Jahr die Kampagne gestartet „ Armut macht krank“.

Josef Hörnemann , Sozialmanager beim Kreiscaritasverband, weist darauf hin, dass viele Bedürftige sich wegen ihrer schlechten Situation vor dem Arzt schämen würden. Anderen fehle das Geld für Medikamente, von denen viele nicht mehr verschreibungsspflichtig sind und die daher aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Aber das Geld reicht dafür oft nicht. „Auch deswegen fordern wir die Abschaffung der Praxigebühr.“

Mehr als 20 Mitglieder hat der Koordinierungsausschuss der Caritasverbände im Kreis Warendorf – dazu zählen die Wärmestube in Warendorf, ein katholisches Seniorenheim in Oelde oder auch der SKM. Sie alle wollen durch gelebte Solidarität helfen, den Teufelskreis aus Armut und Krankheit zu durchbrechen. In der Regel ist das nur durch hohes ehrenamtliches Engagement möglich. So sorgen beispielsweise in der Wärmestube in Warendorf rund 25 Frauen dafür, dass Bedürftige hier jeden Tag frühstücken können, und an sechs von sieben Tagen gibt es auch ein warmes Mittagessen. Oft wird auch Hilfe zur Selbsthilfe angeboten, wie Elisabeht Wieland von der Caritas in Ahlen deutlich macht: „Wir bieten im Warenkorb Kochkurse an, damit unsere Kunden lernen, wie sie die Lebensmittel verarbeiten können.“ Gleichzeitig werden auch Stromspar-Checks durchgeführt.

Freiwillige Helfer gibt es. „Im letzten Jahr hat uns eine siebte Klasse der Bischöflichen Realschule in Warendorf dabei unterstützt, eine Scheune so aufzubereiten, dass unsere Gäste dort einen Untersitz haben“, freut sich Gisela Burghardt. Eines von vielen Beispielen, die hoffentlich Schule machen. Das wünschen sich die Caritas-Vertreter, die weitere Helfer gebrauchen können.

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