Krankenhäuser suchen Mediziner
Rettungswagen ohne Notarzt?

Kreis Warendorf -

Zusätzliche Fahrzeuge für den Rettungsdienst, Ausweitung der Dienstzeiten bei den Rettungswachen – aber am Ende fehlt der Notarzt? Genau das könnte nach Einschätzung von Dr. Thomas Dorsel, Chefarzt im Josephs-Hospital Warendorf, künftig passieren.

Freitag, 22.06.2012, 10:06 Uhr

Zusätzliche Fahrzeuge für den Rettungsdienst, Ausweitung der Dienstzeiten bei den Rettungswachen – aber am Ende fehlt der Notarzt? Genau das könnte nach Einschätzung von Dr. Thomas Dorsel , Chefarzt im Josephs-Hospital Warendorf, künftig passieren. „Das Warendorfer Krankenhaus ist das einzige in der Region, das noch selbst die Notärzte stellt“, argumentierte Dorsel in der Gesundheitskonferenz, die im Kreishaus stattfand. Dort hatte zuvor Ordnungsamtsleiter Ralf Holtstiege vorgestellt, dass der Rettungsdienst im Kreis Warendorf deutlich ausgeweitet wird.

Dorsel sprach von Planungen am Schreibtisch und konnte sich nicht vorstellen, dass sich diese Pläne 1:1 umsetzen lassen. „Kein Arzt kann verpflichtet werden, Notarzt-Fahrten zu machen. Und die Assistenzärzte sind nicht mehr bereit, unter diesen Bedingungen zu arbeiten.“ Viele wollten entweder mehr Freizeitausgleich oder eine bessere Bezahlung.

Allein die geplante Rund-um-die-Uhr-Besetzung an der Wache in Telgte führe zu Mehrkosten von 500 000 bis 600 000 Euro, die der Kreis Warendorf dann für fünf Ärzte zahlen müsse, so Dorsel. Kreisdirektor Dr. Heinz Börger widersprach: „Das ist glücklicherweise nicht so. Die Kosten tragen die Krankenkassen“ – letztlich also die Versicherten.

Auch die Kreisverwaltung blickt mit Sorge auf die Notarztversorgung. „Noch sind wir hier in der Region relativ dran“, meint Ordnungsamtsleiter Ralf Holtstiege. „Aber es wird schwieriger.“ In anderen Teilen Deutschlands seien bereits Rettungswagen ohne Notarzt unterwegs. „Sollten wir in Zukunft gar keine Notärzte mehr finden, wäre das auch im Kreis Warendorf der Fall.“ Im Moment sei diese Situation jedoch nicht gegeben. Außerdem sei der Kreis Vorreiter in der Ausbildung der Rettungsassistenten, die danach eine besondere Notfall-Kompetenz hätten.

Dass es schwieriger werden wird, Notärzte zu finden, zeigte auch die anschließende Diskussion über die ärztliche Versorgung allgemein. Nach Zahlen, die Marco Luzius von der Kassenärztlichen Vereinigung auflistete, steht der Kreis Warendorf noch gut da. Bei den Fachärzten gibt es sogar eine Überversorgung. Anders ist es bei den Hausärzten. Hier sind etwa Ahlen und Beelen eher unterversorgt.

Weil fast ein Drittel der Ärzte im Kreis Warendorf über 60 Jahre alt ist, werde es mit der medizinischen Versorgung künftig schwieriger. Viele Ärzte gingen in die Wirtschaft, wo sie meistens mehr verdienten und bessere Arbeitsbedingungen hätten. „Die jungen Ärzte holen wir nicht durch Prämien aufs Land“, sagte Luzius. „Sie wollen nicht mehr 60 bis 70 Stunden in der Woche arbeiten und sie fordern eine gute Kinderbetreuung.“

Kritik übte die Gesundheitskonferenz daran, dass zu wenige Ärzte ausgebildet werden. Stattdessen hole man Mediziner aus dem Ausland, die kaum Deutsch sprächen. „Das ist Irrsinn“, kommentierte Dr. Klaus Welslau, ärztlicher Direktor des Marienhospitals in Oelde. Sauer auf stieß ferner, dass meist allein der Abi-Schnitt über die Zulassung zum Studium entscheide. Ein Kriterium, das wenig aussage. Welslau regte an, über eine Männerquote nachzudenken – wegen des hohen Frauenanteils bei Medizinern und weil viele Frauen am Ende nicht am Krankenbett arbeiten würden.

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