Heinrich Laumann baute die VEKA AG auf
Gewiefter Stratege

Sendenhorst -

Er hat zwei linke Hände, aber einen klaren Kopf. „Deswegen habe ich immer tüchtige Leute für das Unternehmen gesucht und ihnen Verantwortung übertragen.“ So beschreibt Heinrich Laumann das Geheimnis seines Erfolgs.

Donnerstag, 26.07.2012, 10:07 Uhr

Heinrich Laumann baute die VEKA AG auf : Gewiefter Stratege
Heinrich Laumann hat die VEKA AG in Sendenhorst aufgebaut. Der heute 83-Jährige fing mit acht Mitarbeitern an. Heute beschäftigt der Weltmarktführer 3800 Menschen. Foto: Kopmann

Er hat zwei linke Hände, aber einen klaren Kopf. „Deswegen habe ich immer tüchtige Leute für das Unternehmen gesucht und ihnen Verantwortung übertragen.“ So beschreibt Heinrich Laumann das Geheimnis seines Erfolgs. Der heute 83-Jährige übernahm 1969 die Sendenhorster Firma Vekaplast .

Acht Mitarbeiter hatte der Betrieb damals. Heute sind es weltweit 3800 – davon 1400 am Standort in Sendenhorst . Das Unternehmen stellt Profile für Fenster, Türen und Rollläden her und läuft heute unter dem Namen VEKA AG. „Wir sind inzwischen Weltmarktführer und exportieren in 50 Länder“, erzählt Laumann.

Eigentlich ist der Seniorchef gar nicht mehr an Bord. Aber so ganz kann er es eben nicht lassen. „Ich habe hier weiter mein Büro und meistens komme ich auch für zwei Stunden am Tag vorbei.“ Ins Handwerk pfuschen will er seinen Nachfolgern aber nicht – zumal alles in der Familie bleibt. Denn Vorstandsvorsitzender Andreas Hartleif ist Laumanns Schwiegersohn. Personalchefin ist Hartleifs Frau Elke, eine Tochter des Firmengründers.

„60 bis 70 Wochenstunden waren die Regel“, erinnert sich der 83-Jährige an den Aufbau des Unternehmens. „Auch meine Frau Rita hat viel mitgearbeitet, denn sie hat in den ersten Jahren oft bis spät in die Nacht an der Buchführung mitgearbeitet.“ Aber es habe eben Spaß gemacht. Außerdem konnte Laumann endlich fürs eigene Unternehmen schuften. „Ich hatte in Altenberge für den Holzgroßhandel Grotemeyer gearbeitet. Als rechte Hand des Chefs brachte Laumann auch diesen Betrieb von zwei auf 65 Mitarbeiter. Zunehmend sei es aber zu Spannungen gekommen. Auch habe sein damaliger Chef sich nicht darauf einlassen wollen, in die Produktion von Kunststoff-Fenstern einzusteigen. „Mir war aber damals schon klar, dass dies die Zukunft sein würde.“

Als der Inhaber der Sendenhorster Firma Vekaplast den Betrieb 1969 verkaufen wollte, witterte Laumann seine Chance: „Jetzt oder nie.“ Zunächst zum Entsetzen seiner Frau. Schließlich hatten Rita und Heinrich Laumann in Altenberge gerade ein Haus gebaut, das selbstverständlich nicht abbezahlt war. Und dann waren da noch drei kleine Kinder. – Ein Sprung ins kalte Wasser.

Heinrich Laumann war sich seiner Sache aber sicher: „Ich kannte den Markt und hatte viele Kontakte.“ Deswegen sei er ein gut kalkuliertes Risiko eingegangen. Und der Mann, der sich weder als Handwerker noch als Techniker eignete, hat zwei besondere Fähigkeiten: Er kann rechnen und Menschen motivieren. „Unser Unternehmen hat sich so erfolgreich am Markt behauptet, weil wir immer Mitarbeiter hatten, die unsere Firma wie ihren eigenen Betrieb gesehen haben. Und das habe ich auch immer honoriert.“

Heinrich Laumann wusste aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn gute Leistung nicht anerkannt wird. In den Schoß gefallen ist dem Bauernsohn (das zweitälteste von acht Kindern) nichts. Er hat gekämpft. Seine Eltern hatten nicht das Geld, um ihn aufs Gymnasium zu schicken. Am Ende erreichte Laumann, dass er auf die Städtische Handelsschule in Münster kam. Eine Laufbahn, die ihn bestens auf die Karriere als Kaufmann vorbereitete.

In dieser Rolle erwies sich Laumann als gewiefter Stratege und Taktiker – aber er hat auf der Erfolgsspur nicht plötzlich zum Höhenflug angesetzt. Dazu war der inzwischen weltweit agierende der Unternehmer zu sehr geerdet. Im wahrsten Sinn des Wortes: Denn Laumanns Vater war ein kleiner Landwirt. In diese Fußstapfen wollte der Filius allerdings nie treten. „Aber bei Einstellungsgesprächen habe ich Söhne von Bauern später oft bevorzugt. „Die wissen, was Arbeit heißt.“

Genau das kann Laumann auch für sich in Anspruch nehmen. Nicht ganz ohne Schattenseiten. „Die Arbeit in der Familie hat meine Frau lange Zeit alleine schultern müssen.“ Dass der Zusammenhalt trotzdem groß ist, freut den Mann, der drei Kinder und acht Enkel hat. Mit ihnen verbringt er seine Zeit, wenn er nicht gerade Golf spielt, Rad fährt oder in seiner alten Firma sitzt. Zwar hat der Seniorchef das Steuer aus der Hand gegeben, aber er will immer noch wissen, wohin die Reise denn geht.

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