Vortragsabend bei der CDU-Mittelstandsvereinigung
Ruf nach dritter grüner Revolution

Kreis Warendorf -

„Wir brauchen eine dritte grüne Revolution“, sagte Dr. Renate Sommer am Donnerstagabend vor der CDU-Mittelstandsvereinigung. Sie referierte über die Konkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen.

Samstag, 02.02.2013, 06:02 Uhr

Ein Plädoyer für gentechnisch veränderte Pflanzen hielt Dr. Renate Sommer vor der CDU-Mittelstandsvereinigung. Die Agrarwissenschaftlerin fordert eine Kehrtwende, um eine Welthungerkrise abzuwenden.
Ein Plädoyer für gentechnisch veränderte Pflanzen hielt Dr. Renate Sommer vor der CDU-Mittelstandsvereinigung. Die Agrarwissenschaftlerin fordert eine Kehrtwende, um eine Welthungerkrise abzuwenden. Foto: Hartleb

Als charmante Botschafterin des deutschen Bieres war Dr. Renate Sommer am Donnerstagabend in der Pott ´s Brauerei dem Hausherrn Rainer Pott besonders willkommen. Aber den Vorzügen des deutschen Bieres galt die Aufmerksamkeit der CDU-Europaabgeordnetem weniger bei ihrem Vortrag auf Einladung der CDU-Mittelstandsvereinigung und des Kreisvorsitzenden Henning Siebert. Ihr ging es vielmehr um das derzeit brisantere Thema „Teller oder Tank“ und die Konkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen.

Anhand von Zahlenkolonnen belegte die promovierte Agrarwissenschaftlerin, dass die Weltwirtschaft bis 2050 unweigerlich auf eine Welternährungskrise zusteuere, wenn sich nichts ändere. Eine Kehrtwende sei dringend notwendig. „Was wir brauchen, ist eine dritte grüne Revolution“, sagte Sommer, die im Europäischen Parlament dem Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit angehört.

Weil sich die landwirtschaftlichen Erträge weltweit pro Hektar nicht mehr wesentlich steigern ließen und die Verkarstung landwirtschaftlicher Flächen durch die Klimaveränderung zunehme, sieht Sommer als Ausweg nur die Zulassung von Gentechnik , um die Pflanzen gegen Schädlings- und Pilzbefall resistenter zu machen. Sie habe als Ingenieurin völliges Vertrauen in diese Technik; im Übrigen seien die Zulassungskriterien für neue Nahrungsmittelprodukte sehr streng. „Aber ich sehe derzeit keine Chance für die Gentechnik“, fügte die Europaparlamentariern hinzu. Der Grund: Die Bevölkerung sei durch eine ideologisch geführte Debatte völlig verängstigt worden.

Verschärft werde der Konflikt um Nahrungsmittel durch die weltweite Verknappung von Rohstoffen, so dass Landwirte zunehmend gewinnträchtigere Energiepflanzen anbauten. Sommer forderte mehr Gelder für die Forschung, um die Reste landwirtschaftlicher Produkte noch stärker als bisher für die Energiegewinnung nutzen zu können.

Als eine der Ursachen für den Hunger in der Welt machte Sommer die neue Form des Kolonialismus aus, wie ihn zum Beispiel die Chinesen pflegten, wenn sie in Afrika große landwirtschaftliche Flächen pachteten und damit den einheimischen Bauern die Lebensgrundlage entzögen.

Auch die auf Subvention ausgerichtete EU-Agrarpolitik und die Weltbank hätten die Nahrungsmittelkrise mitverursacht durch die politisch durchgesetzte Forderung nach Öffnung der Märkte in Afrika, Asien und Südamerika bei gleichzeitiger Schutzzollpolitik für die eigenen Produkte.

Sommer forderte zudem ein Ende der Finanzspekulation mit Nahrungsmitteln, wie sie auch von der Deutschen Bank weiter betrieben werde.

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