gfw stellt neues Projekt „Arbeitswelt 3.0“ vor
Wertewandel als Vision

Kreis Warendorf -

Wie können Unternehmen dem drohenden Fachkräftemangel rechtzeitig entgegen wirken? Die gfw hat sich dieser Problematik mit ihrem neuen Programm „Arbeitswelt 3.0“ angenommen. Am Donnerstag fand die Auftaktveranstaltung statt.

Samstag, 16.02.2013, 08:02 Uhr

Als einer der führenden Personalmanager Deutschlands warnte Dr. Gunther Olesch eindringlich davor, den Fachkräftemangel auf die leichte Schulter zu nehmen. Unterstützung erhielt er bei der gfw-Veranstaltung von Landrat Dr. Olaf Gericke.
Als einer der führenden Personalmanager Deutschlands warnte Dr. Gunther Olesch eindringlich davor, den Fachkräftemangel auf die leichte Schulter zu nehmen. Unterstützung erhielt er bei der gfw-Veranstaltung von Landrat Dr. Olaf Gericke. Foto: Penno

Der Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel. Die Beschäftigungslage ist gut, Fach- und Führungskräfte können sich inzwischen aussuchen, bei welchem Unternehmen sie sich bewerben. Für manchen Arbeitgeber wird es in der Zukunft schwierig sein, das Personal zu halten. Unter dem Titel „ Arbeitswelt 3.0“ befasst sich die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (gfw) mit dieser Problematik in einem mehrteiligen Workshop. Die Auftaktveranstaltung fand am Donnerstag im Sparkassen-Forum statt. Dazu hatte die gfw mit Prof. Dr. Gunther Olesch einen Hochkaräter in Sachen Personalmanagement gewonnen.

Olesch ist einer der führenden Personalmanager Deutschlands und hat in dieser Funktion einen nicht unwesentlichen Anteil daran, dass das Unternehmen Phoenix Contact GmbH & Co.KG im ostwestfälischen Blomberg als Markt- und Innovationsführer in der Elektrotechnik 2008 und 2011 zum besten Arbeitgeber Deutschlands gewählt wurde. Anhand dieses Beispiels stellte Olesch Maßnahmen und Ideen vor, wie die Attraktivität eines Arbeitgebers gesteigert und Unternehmenskultur und die Zufriedenheit der Mitarbeitet verbessert werden können.

„Employer Branding“ laute der Fachbegriff, den sich Arbeitgeber zu eigen machen sollten. Das bedeute, als Arbeitgeber einen guten Ruf zu haben. „Die deutsche Sprache reicht dafür nicht mehr aus“, meinte Landrat Dr. Olaf Gericke augenzwinkernd. Er ist sich aber der Problematik bewusst. Im Jahr 2011 lebten 278 000 Menschen im Kreis Warendorf, 2030 werden es 230 000 sein. Dem Münsterland gehe es vergleichsweise gut, so Gericke, „das aber darf kein Trostpflaster sein. Wir müssen sehen: Wo kommen die Mitarbeitet her.“

Die Zahl derer, die in Pension gehen, werde sich bis 2020 verdreifachen, ergänzte Olesch. Die Demografie sei eine große Herausforderung, der Wettbewerb der Unternehmen untereinander werde sich verändern: „Es wird ein Kampf um die guten Mitarbeiter“, sagt er voraus. Eine gute Marke allein werde dann nicht mehr ausreichen. Die Unternehmen müssten ein anderes soziales Umfeld bieten. Wertewandel nennt das Olesch – und verweist wieder auf Phoenix: Hier heben die Mitarbeiter in jährlichen Umfragen die gute Unternehmensstruktur, die flexiblen Arbeitszeiten und das Gesundheitsmanagement hervor. Alles zusammen führe zu einem gesunden Betriebsklima und fördere die Leistung des Einzelnen.

„Man muss eine Vision haben“, sagt Gunther Olesch. Um eine Marke langfristig zu verbessern, „braucht man aber einen langen Atem.“ Das hat auch das Sassenberger Unternehmen Technotrans erkannt. „Vor zwei Jahren sind wir bei diesem Thema aufgewacht“, sagt Personalleiter Timo Sterzl. Seitdem spricht er in Bewerbergesprächen gezielt an, welche Karrierechancen Mitarbeiter haben, verbunden mit dem Aufstieg in andere Gehaltsstrukturen.

Beispiele, die die Teilnehmer überzeugten: „Das hat uns die Augen geöffnet“, meinte Gerd Unlaut von SPX Flow Technology in Warendorf. „Ich denke über Anregungen nach, die Begeisterung bei unseren Ingenieuren ebenfalls zu wecken.“

Gunther Olesch hofft, das Eis in der Region gebrochen zu haben. „Ich halte es für notwendig, jetzt anzufangen. Wir werden einen Wettbewerb bekommen, den wir uns kaum ausmalen können.“

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