Hanna Bentfeld mischte die „Männer-CDU“ auf
Johanna, die Streitbare

Kreis Warendorf -

Kaffeekränzchen sind nicht ihr Ding. Denn Hanna Bentfeld wollte immer was bewegen. Und ging in die Politik. „Das war Mitte der 60er-Jahre, als Frauen noch eher als Anhängsel des Mannes gesehen wurden“, kommentiert die 87-Jährige mit leicht spitzer Zunge.

Samstag, 14.09.2013, 10:09 Uhr

Nach 53 Jahren wird die in Hamburg-Altona geborene Bentfeld nun ihre Wohnung in Warendorf räumen und nach Tübingen – in die Nähe ihrer Tochter – ziehen. „Ich nehme viele Erinnerungen mit und bin sehr dankbar.“ Und das, obwohl sie sich zunächst schwer tat in der Hansestadt Warendorf. „Ich habe die Elbe vermisst und das Tuten der Schiffe .“

Ende des Monats rollen die Koffer jetzt Richtung Tübingen, wo die CDU-Frau zwar ins „Betreute Wohnen“ einzieht, „aber eine eigene Wohnung“ hat. Das ist ihr wichtig, denn das Streben nach Freiheit zeichnet sie aus. Und war wohl auch der eigentliche „Motor“, weshalb sie 1972 die Frauen-Union im Kreis Warendorf gründete, deren Vorsitzende sie zehn Jahre war. „Ich kannte im Bekanntenkreis eine junge Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes keine Bankvollmacht hatte und zunächst nicht ans Geld kam. Als ich dann merkte, dass eine ähnliche Situation bei den allermeisten Frauen die Regel war, dachte ich: Hier muss was passieren.“

Sie sei „relativ schnell nach vorne geschoben worden“, meint die 87-Jährige, die von 1975 bis 1989 auch in der CDU-Fraktion im Kreistag mitarbeitete, Als einzige Frau. „Meinen Fraktionskollegen habe ich gesagt: Ich gehe erst, wenn eine andere Frau kommt.“ Das machte Bentfeld wahr, als Karin-Uta Dünwald in den Kreistag gewählt wurde.

„Die Männer haben mich manchmal „Johanna, die Streitbare “ genannt – unter vorgehaltener Hand natürlich.“ Unterstützung habe sie aber immer von ihrem Mann Wilhelm Bentfeld gehabt, der vor zwei Jahren gestorben ist. „Er war auch politisch aktiv. Wir haben viel zusammen gemacht.“

Kennengelernt hatten die beiden sich auf einer Studenten-Wallfahrt nach Rom. „Der Glaube und das Streben nach Selbstständigkeit und Freiheit sind für mich das Wichtigste im Leben.“ Weil Hanna Bentfeld eine Frau ist, die zupacken kann, hat sie sich aus dieser Einstellung heraus für andere engagiert, seien es Bedürftige oder ausländische Mitbürger. 1978 begründete sie den Deutsch-Irischen Freundeskreis. „Aus der Überzeugung heraus, dass man Europa den Menschen nicht einfach überstülpen kann, das muss von unten wachsen.“

Klingt gerade heute sehr aktuell, aber Bentfeld war immer eine „moderne Frau“. In Hamburg hatte sie während des Kriegs Musik studiert. („Die alte Petroleum-Lampe, unter der ich im Bunker meine Staatsarbeit geschrieben habe, nehme ich auf jeden Fall mit nach Tübingen.“) Später unterrichtete Bentfeld viele Jahre Klavier und Geige, zog zwei Kinder groß, fertigte Tiffany-Lampen, Tonfiguren – und rührte in allerlei Pötten. Im wahrsten Sinn des Wortes. Denn: „Ich koche sehr gerne. Bohnen mit Mettwurst zum Beispiel. Und das möchte ich so lange wie möglich beibehalten. Auch in Tübingen.“

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