Verbraucherberatung warnt vor dubiosen Schlüsseldiensten
Das Geschäft mit dem Notfall

Kreis Warendorf -

Es ist ein kalter Sonntagabend. Frau K. will noch kurz vor die Tür. Draußen bemerkt sie: Sie hat ihren Schlüssel vergessen. Aber die Haustüre ist zu. Was tun? Ein Schlüsseldienst aus Hagen rückt an, tauscht das Schloss samt dazugehöriger Ersatzzeile – die Rechnung kommt prompt: 801,35 Euro soll die Ahlenerin berappen für eine halbe Stunde Arbeit. Sofort, am besten in bar.

Sonntag, 16.03.2014, 10:03 Uhr

So wie der Frau aus Ahlen geht es vielen. Unseriöse Anbieter nutzen die Not oft mit überteuerten Preisen aus. Dagegen anzugehen fällt den meisten schwer. Für die Verbraucherzentrale ist das ein guter Anlass, dieses Thema näher zu beleuchten. Unter der Überschrift „Das Geschäft mit Ihrem Notfall“ gibt sie Tipps zum Umgang mit dubiosen Schlüsseldiensten.

Die Methoden der Schlüsseldienste beginnen schon vor dem ersten Anruf. Mit plakativer und irreführender Werbung weisen sie in den Gelben Seiten auf ihr Unternehmen hin. Sie nutzen Namen, die mit dem Buchstaben A beginnen, um weit vorne im Telefonbuch zu stehen. Oft ohne Adresse, manche mit Pseudoadressen. Vor Ort beginnt die Abzocke dann richtig. „Oft ist es so, dass nur die Tür zugefallen ist. Die ist dann aber ganz schnell wieder zu öffnen“, sagt Anne Schulze Wintzler, Leiterin der Verbraucherzentrale in Warendorf.

Diese Schlüsseldienste führen überflüssige Arbeiten durch, tauschen das gesamte Schloss aus. Oder das Schloss wird geknackt. Das sei in den meisten Fällen völlig unnötig, sagt Schulze Wintzler. „Das ist ein Schaden, der dem Verbraucher zugefügt wurde.“ Die zwielichtigen Dienstleister beharren anschließend auf sofortiger Bezahlung, entweder in bar oder per EC-Karte. „Mit PIN-Nummer, so hat man keine Chance, sich das Geld zurückzuholen“, erklärt Daniela Kreickmann von der Verbraucherzentrale. Und oft fordern diese Handwerker das Geld mit verbalem Druck ein. „Man darf sich dann auch nicht scheuen, die Polizei zu rufen“, sagt Karina Cajo vom Kommissariat Vorbeugung bei der Polizei in Warendorf.

Die Kosten belaufen sich bei ortsüblichen Preisen zwischen 40 und 100 Euro. „Unter der Woche sollte das keinesfalls über 100 Euro kosten“, erklärt Anne Schulze Wintzler. Am Wochenende könne der Preis mit Zuschlägen auch auf 180 Euro steigen. Grundsätzlich aber gelten die ortsüblichen Preise.

Um sich rechtliche Möglichkeiten offen zu halten, rät die Verbraucherzentrale, stets nur unter Vorbehalt zu zahlen. Man müsse aber streitbar sein, macht Anne Schulze Wintzler deutlich, dass schwer ist, diese Rechnungen anzufechten. Die Verbraucherzentrale bietet in solchen Fällen Hilfe an. Günstiger sei es jedoch mit einer Rechtsschutzversicherung, so Schulze Wintzler.

Um für den Fall vorbereitet zu sein, rät Karina Cajo, sich schon vorab über ansässige Schlüsseldienste zu informieren und Preise zu vergleichen. „Die meisten Tipps setzen schon vorher an“, sagt Cajo. Noch besser sei es, einen Ersatzschlüssel bei Nachbarn oder Verwandten zu deponieren. „Das ist die kostengünstigste Variante“, so Daniela Kreickmann.

Für Frau K. aus Ahlen hat sich die Sache noch nicht erledigt. Sie geht gegen den Handwerker vor. Eine Rechnung von über 800 Euro für eine halbe Stunde Arbeit waren auch ihr zu viel.

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