Opfer monatelang terrorisiert
Tatwaffe Handy und Facebook

Warendorf -

Nicole H. war monatelang durch beleidigende Handyanrufe und Facebook-Nachrichten terrorisiert worden. Weil sich vieles nicht nachweisen ließ, wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Dienstag, 15.12.2015, 09:12 Uhr

Für eine Verurteilung fehlten der Justiz harte Fakten.
Für eine Verurteilung fehlten der Justiz harte Fakten. Foto: dpa/Matthias Hiekel

Es war ein in doppelter Hinsicht pädagogisch wertvoller Fall, dem sich Schüler der Bischöflichen Realschule im Amtsgericht Warendorf gegenübersahen. Nachdem sie im Sowi-Unterricht das Thema Rechtsprechung besprochen hatten, wollten sie eine Strafsache auf der Zuschauerbank verfolgen. Sie stießen zufällig auf einen Fall, bei dem falsche Facebook-Profile, WhatsApp, SIM-Karten sowie arglos geteilte Passwörter eine ausschlaggebende Rolle spielten.

„Das ist ein Drama, das hier passiert ist“, ließ die Richterin keinen Zweifel an der Bedeutung des Falles für das Opfer aus Lengerich. Nicole H. war monatelang durch beleidigende Handyanrufe und Facebook-Nachrichten terrorisiert worden. Im Mittelpunkt der Belästigungen stand ein „Fake-Profil“ auf Facebook, das die Angeklagte S. eingerichtet hatte. Durch eine Fangschaltung konnten Anrufe auf von ihr erworbene SIM-Karten zurückgeführt werden.

Das gehörte zu den „harten Fakten“, die es in diesem Fall gab. Ungeklärt dagegen blieb etwa die Person einer Mandy K., die auch unter anderen Namen im Fall eine Rolle spielte. Die Polizei konnte sie nicht ermitteln, obwohl sowohl ein Facebook-Profil als auch eine Handynummer auf sie zurückzuführen waren und sie den Beteiligten auf die eine oder andere Art bekannt war. Zudem bestritt S. die Handyanrufe getätigt zu haben, sie wisse nicht, wer die SIM-Karten genutzt habe.

Das falsche Facebook-Profil habe sie, so sagte S. aus, auf Anregung ihres damaligen Lebensgefährten B. angelegt, um Nicole H. „zu ärgern“. Heute habe sie nicht einmal mehr Zugang zu dem Profil. Die Beelener Rentnerin hatte B. auf Vermittlung von besagter Mandy K. im Internet kennengelernt. Nach längerem Facebook-Kontakt waren beide ein Paar geworden, ehe B. zwei Jahre später eine Beziehung mit Nicole H. aufnahm.

Die Rolle, die B. spielte, blieb verworren. Schon vor Vernehmung von B. äußerte die Richterin Bedenken, ob es ihr gelingen würde, in dem Wust ungeklärter Identitäten die Wahrheit ans Licht zu bringen. Gerade mit Blick auf das jugendliche Publikum betonte sie, schon das falsche Facebook-Profil sei ein „absolutes No-Go“. Sie mahnte, der Fall zeige, wer Passwörter von einem Facebook-Account habe, könne damit alles machen.

Anders als in den nachmittäglichen Gerichtsshows konnten die Schüler im realen Leben am Ende keine Auflösung mit nach Hause nehmen. Die Fakten reichten zur Klärung nicht aus. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße an das Opfer eingestellt.

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