Jobcenter weist Vorwürfe der Caritas zurück
Wir wollen in Arbeit vermitteln und nicht in ständig neue Kurse

Kreis Warendorf -

Der Caritasverband für die Diözese Münster hat Alarm geschlagen. Die Jobcenter sollen immer mehr Geld, das für die Förderung der Langzeitarbeitslosen bestimmt ist, „umschichten“ und in die eigene Verwaltung stecken. Das Jobcenter Kreis Warendorf erhält sogar besonders schlechte Noten. Was an diesen Vorwürfen dran ist, darüber sprach Redakteurin Beate Kopmann mit der Leiterin des Jobcenters Brigitte Klausmeier.

Donnerstag, 15.12.2016, 11:12 Uhr

Brigitte Klausmeier: Wir kürzen nicht bei den Langzeitarbeitslosen.
Brigitte Klausmeier: Wir kürzen nicht bei den Langzeitarbeitslosen. Foto: Kopmann

Das ist ein schwerer Vorwurf, den der Caritasverband erhebt: Die Jobcenter greifen immer tiefer in den Topf, aus dem eigentlich Langzeitarbeitslose gefördert werden sollen, um ihre eigenen Stellen zu finanzieren. Ist das so?

Klausmeier: Es ist richtig, dass wir Mittel umgeschichtet haben. Der Bund hatte seine Mittel für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gekürzt. In der Zeit von 2010 bis 2015 hatten wir für unser Jobcenter einen Rückgang von 5,6 Millionen Euro. Das war ein prozentualer Anteil von 42 Prozent.

Und dann hat das Jobcenter bei den Langzeitarbeitslosen gekürzt und mit den restlichen Fördermitteln eigene Stellen finanziert?

Klausmeier: Nein, das stimmt so nicht. Die Mittel, die wir umgeschichtet haben, kommen trotzdem bei den Langzeitarbeitslosen an. Aber wir machen viel mit eigenen Leuten und nicht mit freien Trägern. Unsere eigenen Maßnahmen werden aber nicht gezählt, wenn es um die so genannte Aktivierungsquote geht. Dabei schneidet das Jobcenter Kreis Warendorf schlecht ab. Wir liegen bei 5,7 Prozent, die Kollegen in Coesfeld erreichen dagegen eine Quote von 14,2 Prozent.

Was machen die besser?

Klausmeier: Das kann ich nicht sagen. Aber die Aktivierungsquote ist ja nur ein Aspekt. Dabei geht es ausschließlich darum, die Langzeitarbeitslosen in Qualifizierungsmaßnahmen zu bringen, die etwa die Deula oder die Kreishandwerkerschaft anbieten. Viel interessanter finde ich die Vermittlungsquote – also die Frage, wie viele Langzeitarbeitslose wir wieder in Arbeit gebracht haben? Und da stehen wir gut da. Wir liegen auf Platz 15 von insgesamt 53 in Nordrhein-Westfalen. Letztendlich wollen wir ja in Arbeit vermitteln und nicht nur in ständig neue Qualifizierungskurse. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind. Uns ist eine intensive persönliche Betreuung der Langzeitarbeitslosen wichtig. Oft bringt das mehr als Qualifizierungsmaßnahmen, die wir ja – obgleich reduziert – trotzdem weiterhin anbieten.

Können Sie ein Beispiel für persönliche Betreuung nennen?

Klausmeier: Wir bieten das Projekt „Plan B“ an. Dabei erhalten die Langzeitarbeitslosen eine äußerst intensive Unterstützung bei der Stellensuche. Dieses Projekt läuft sehr erfolgreich.

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