Streit vor dem Verwaltungsgericht Münster
Bauer lehnt Jagd auf seinem Grundstück ab - Jäger zweifelt an Gewissensgründen

Beckum -

Ein Landwirt aus Beckum will 32 Hektar Fläche, die in drei Jagdbezirken liegen, befrieden lassen. Seine Begründung: Er lehnt die Jagd aus ethischer Überzeugung ab. Doch der Jagdpächter hat daran Zweifel. Jetzt muss ein Gericht entscheiden.

Mittwoch, 15.02.2017, 07:02 Uhr

Mehr Wildunfälle könnte es geben, wenn weniger gejagt wird. Insbesondere in Beckum ist derzeit schon die Wildschwein-Population sehr hoch.
Mehr Wildunfälle könnte es geben, wenn weniger gejagt wird. Insbesondere in Beckum ist derzeit schon die Wildschwein-Population sehr hoch. Foto: dpa

Ein Landwirt aus Beckum will 32 Hektar Fläche, die in drei Jagdbezirken liegen, befrieden lassen. Das ist seit Ende des Jahres 2013 möglich. Laut Paragraf 6a im Bundesjagdgesetz können Grundstücke, deren Eigentümer die Jagd aus ethischer Überzeugung ablehnen, aus der Bejagung genommen werden.

Ob der Bauer in Beckum wirklich aus Gewissensgründen handelt, muss das Verwaltungsgericht Münster entscheiden. Zweifel sind aufgekommen, weil die Landwirte von den Jagdpächtern in früheren Jahren Wildbret angenommen haben. Aber hier steht Aussage gegen Aussage. Der Bauer sagt, man habe aus Höflichkeit ein oder zweimal Wild angenommen. Der Pächter behauptet, dies sei bis zu zehn Mal der Fall gewesen. Das Wild sei stets mit großer Freude entgegengenommen worden – einmal soll es ein ganzes Reh gewesen sein.

Seitdem der Paragraf 6a in Kraft getreten ist, hat es zehn Klagen dieser Art im Kreis Warendorf gegeben. „In der Regel wurde den Klägern Recht gegeben, weil sie ihre Gewissenskonflikte nachweisen konnten“, sagt Ralf Holtstiege, Leiter des Kreisordnungsamtes. „Oft waren das Vegetarier oder Menschen, die schon seit vielen Jahren bei Greenpeace aktiv waren.“

In Beckum soll der Landwirt die Bejagung aber nie kritisch angesprochen haben. Dem Bauern, der selbst Milchviehhaltung und weibliche Nachzucht betreibt, müsse außerdem bewusst sein, dass die entbehrlichen Bullenkälber verkauft, gemästet und dann geschlachtet würden, wurde vor Gericht betont. Der Landwirt hält dagegen fest, dass er selbst nie ein Tier getötet und auch nie Wild gegessen habe.

Martin Sievers (Kreisjägerschaft) sieht die Neuerung im Jagdrecht grundsätzlich kritisch. „Da entsteht ein jagdlicher Flickenteppich.“ Dies erschwere Jägern ihre Arbeit. Sie versuchten, für artenreichen Wildbestand zu sorgen und Tierseuchen zu vermeiden. Gerade in Beckum gebe es aber viele Wildschweine, die sich durch Wegfall der Jagd stark vermehren könnten. Michael Petri von der Unteren Jagdbehörde wies vor Gericht darauf hin, dass etliche Landwirte zudem Angst vor der afrikanischen Schweinepest haben, die sich derzeit in Polen ausbreitet.

Außerdem betonte Petri, dass die Jagdbezirke in Beckum in unmittelbarer Nähe zur B 61 und zur B 475 liegen. Insbesondere entlang der B 475 habe es in den vergangenen Jahren viele Wildunfälle gegeben. Diese Gefahr könnte weiter steigen.

Das Urteil steht noch aus.

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