Jörg Zittlau beim Höxberg-Gespräch
Warum es keine Naschkater gibt

Beckum -

Eigentlich sind sie ja banal: die Geschichten rund ums Essen. Trotzdem hatte der Wissenschaftsjournalist Dr. Jörg Zittlau beim Höxberg-Gespräch in Beckum „volles Haus“.

Freitag, 17.02.2017, 15:02 Uhr

Dr. Jörg Zittlau sprach beim Höxberg-Gespräch über „Die großen Ernährungslügen“.
Dr. Jörg Zittlau sprach beim Höxberg-Gespräch über „Die großen Ernährungslügen“. Foto: Kopmann

Die Aula im Berufskolleg Beckum konnte die Zuhörer nicht fassen, die auf Einladung des Arbeitgeberverbandes Zement und Baustoffe gekommen waren, um sich über „Die großen Ernährungslügen“ zu informieren.

Zittlau nahm seinen Vortrag zum Anlass, um am Rande auch über gesellschaftliche Fragen zu philosophieren. So steht für ihn fest: „Frauen sind Frust-Esser und Männer Lust-Esser.“

Der Wissenschaftsjournalist brach ferner eine Lanze für die oft so geschmähten Fette, die beispielsweise die gute Wirkung haben, dass sie Gifte einlagern – oder für mehr Östrogen im Körper sorgen. Für Frauen in den Wechseljahren hatte Zittlau daher den Tipp parat: „Statt Hormonpillen zu schlucken, einfach mal fünf Kilo zunehmen.“

Schwer ins Gericht ging Zittlau mit Diäten. „Das Einzige, was bei Diäten schlank wird, ist das Portemonnaie.“ Und nicht jeder Übergewichtige müsse krank sein, so der Wissenschaftsjournalist. Er gab aber zu bedenken, dass wirklich dicke Frauen oft ein Karriereproblem haben, wenn sie hohe Führungspositionen anstreben. Ganz nach dem Motto: „Die hat ja noch nicht mal ihren Körper unter Kontrolle.“

Vorsichtig sollte man bei Nahrungsergänzungsmitteln sein. Fast immer seien die komplett überflüssig, unter anderem weil die Ernährung heute so vitaminreich sei wie nie. Zittlau behauptete in diesem Zusammenhang, dass 100 Gramm Salami mehr Vitamin C enthalten als 100 Gramm Apfel.

Langsam zu essen, zähle im Übrigen zu den Grundpfeilern einer gesunden Ernährung – auch weil es bis zu 20 Minuten braucht, bis das Sättigungssignal entsteht. Und für alle, die gerne Biosuppen kaufen, hatte Zittlau noch einen besondern Rat: „Achten Sie auf die Inhaltsstoffe.“ Oft sei Hefeextrakt aufgeführt. Das werde aber in Glutamat umgewandelt. „Und Glutamat wurde bis vor 20 Jahren noch in der Schweinemast eingesetzt. Die Schweine wurden dadurch erheblich dicker. Warum soll das bei uns anders sein?“

Unter anderem fragte Zittlau auch, woran man einen Veganer erkenne. Die Antwort lieferte der Referent selbst: „Nach einer Minute erzählt er es Ihnen.“ Denn Veganer hätten durchaus ein religiöses Sendungsbewusstsein. Was wiederum belegt, dass Essen nicht einfach Nahrungsaufnahme ist, sondern viel mit Emotionen zu tun hat. Im besten Fall einfach Lust auf Leben ist.

Wie sich diese Lust äußert, soll bei Mann und Frau allerdings sehr verschieden sein. Die meisten Männer mögen gerne Fleisch („Ohne Männer gäb‘s gar keine Imbissbuden“), Frauen lieben es dagegen süß und arbeiten sich gerne durch ganze Pralinenschachteln. Das sollen Vorurteile sein? Zittlau schüttelt den Kopf und witzelt: „Wir reden ja auch nur von Naschkatzen oder kennen Sie einen Naschkater ?“

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