Bernhard Daldrup (SPD) kandidiert für den Bundestag
Neue Rüstungsspirale verhindern

Kreis Warendorf -

Bernhard Daldrup aus Sendenhorst kandidiert bei der Bundestagswahl am 24. September für die SPD. Der 61-jährige Bundestagsabgeordnete ist seit 2003 Landesgeschäftsführer der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik, verheiratet und hat zwei Kinder. Über seine politischen Ambitionen bei der Bundestagswahl sprach Redakteurin Beate Kopmann mit dem Direktkandidaten.

Freitag, 25.08.2017, 08:08 Uhr

Bernhard Daldrup: „Wir haben viel für soziale Gerechtigkeit getan – zum Beispiel den Mindestlohn eingeführt. Für drei Millionen Menschen war das die größte Lohnerhöhung ihres Lebens.“
Bernhard Daldrup: „Wir haben viel für soziale Gerechtigkeit getan – zum Beispiel den Mindestlohn eingeführt. Für drei Millionen Menschen war das die größte Lohnerhöhung ihres Lebens.“ Foto: Beate Kopmann

Zunächst ein Blick auf die Umfragen: Auf den Schulz-Hype Anfang des Jahres folgte der Absturz. Der Kanzler-Kandidat scheint weit abgeschlagen zu sein. Wie erklären Sie diesen Wandel in so kurzer Zeit?

Daldrup : Den Hype gab es, weil viele gemerkt haben, dass sich in der Politik wieder etwas tut. Schließlich liegt die große Koalition dank Angela Merkel wie Mehltau über dem Land. Die Menschen sind damals in großer Zahl in die Parteien eingetreten – vor allem in die SPD . Wir haben 20 000 neue Mitglieder. Der schnelle Wandel zeigt aber auch, dass die Wählergunst genauso schnell zurückkommen kann wie sie gesunken ist.

Die SPD fordert soziale Gerechtigkeit ein. Nun ist die Partei aber schon lange in der Regierungsverantwortung. Sind diese Ziele alle an der CDU gescheitert?

Daldrup: Nein, denn wir haben ja viel für soziale Gerechtigkeit getan – zum Beispiel den Mindestlohn eingeführt. Für drei Millionen Menschen war das die größte Lohnerhöhung ihres Lebens. Ferner haben wir Missbrauch durch Werkverträge und Leiharbeit deutlich eingedämmt. Natürlich bleibt trotzdem noch viel zu tun, aber in einer Koalition muss man eben auch Kompromisse schließen.

Ex-Kanzler Schröder will in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft. Diese Nachricht ist keine gute Wahlkampfhilfe für Martin Schulz. Wie beurteilen Sie die Entscheidung von Schröder?

Daldrup: Ich kommentiere das nicht. Es ist eine Entscheidung von Schröder, die ich mir nicht gewünscht habe. Aber weder ich noch sonst jemand in der SPD hat darauf Einfluss.

Sie sind neben Ihrem Bundestagsmandat auch Landesgeschäftsführer der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK). Ein zeitaufwendiger Job. Wie lässt sich beides verbinden?

Daldrup: Ich bin mit einer halben Stelle als SGK-Landesgeschäftsführer tätig. Das hat zwei Gründe. Zum einen war ich mir 2013 nicht wirklich sicher, ob der Einzug in den Bundestag klappt. Zum anderen bietet diese Funktion politisch sinnvolle Synergien. Die gibt es insbesondere, weil ich kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion bin.

Gab es in der Wahlperiode Entscheidungen, bei denen Sie nicht mit Ihrer Fraktion gestimmt haben?

Daldrup: Nein, ich habe aus Solidarität immer mit meiner Fraktion gestimmt. Aber bei vier Punkten habe ich mich damit sehr schwer getan und deswegen eine persönliche Erklärung im Bundestag abgegeben. Das waren die Abstimmungen über 1. die Ablehnung von schärferen Regeln für den Unkrautvernichter Glyphosat, 2. der Verzicht auf ein vollständiges Fracking-Verbot; 3. die Beschleunigung der Asylverfahren und 4. die Abschaffung der Brennelementesteuer.

Nennen Sie drei politische Ziele, die Ihnen besonders wichtig sind.

Daldrup: Erstens möchte ich, dass Angela Merkel als Kanzlerin abgelöst wird – auch, weil ich keine neue Rüstungsspirale will. Das Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben, halte ich für falsch. Zweitens soll soziale Gerechtigkeit erreicht werden durch Bildung, gute Arbeit und gerechte Steuern. Und drittens müssen wir die Frage beantworten, wie Lebensqualität in einer digitalisierten Weltgeschaffen werden kann. Im Moment reden wir ja nur darüber, ob wir genug Straßen und Kabel haben.

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