Serie Existenzgründer: Anja Weitenberg entwickelt „memomix“
Spiel sorgt für Spaß an Sprache

Beckum -

„Deutsche Sprache – schwere Sprache“. Das denken im Moment wohl viele Flüchtlinge, die sich bemühen, Deutsch zu lernen. Und auch so manches Kind in der Kita tut sich schwer damit, jedem Begriff den richtigen Artikel zuzuordnen.

Samstag, 28.10.2017, 10:10 Uhr

Anja Weitenberg hat das Spiel „memomix“ entwickelt. Sie setzt dabei vor allem auf Fotos und den Aufdruck der Schriftsprache auf die fotografierten Gegenstände.
Anja Weitenberg hat das Spiel „memomix“ entwickelt. Sie setzt dabei vor allem auf Fotos und den Aufdruck der Schriftsprache auf die fotografierten Gegenstände. Foto: Beate Kopmann

Genau diese Situation erlebte Anja Weitenberg, die das Spiel „memomix“ entwickelt hat. Sie arbeitete als Fachkraft für Sprachbildung in einer Beckumer Kita. „Mir fehlte bei der Arbeit mit den Kindern einfach gutes Material“, erzählt die 47-Jährige Beckumerin, die sich im März 2016 mit dem Lernspiel selbstständig machte. „Viele Kinder hatten keine Wörter für ganz alltägliche Dinge. Auch die korrekte Zuordnung der Artikel war schwierig. So entstand meine Idee für „memomix“. Ein Lernspiel, das zur Sprachbildung und Wortschatzerweiterung beiträgt.

Ich habe das Spiel durch meinem Beruf als Erzieherin in einer Sprach-Kita entwickelt. Mir fehlte bei der Arbeit mit den Kindern gutes Material.

Anja Weitenberg

Dabei zeigt ein Kartendoppel fotografierte Gegenstände, wobei die Begriffe mit dem dazugehörigen Artikel unter dem Foto aufgedruckt sind. „Die Spieler visualisieren so Schrift und Bild.“ Und nebenbei macht das Ganze auch noch Spaß. Insbesondere, wenn das Fühlsäckchen mit im Spiel ist – eine von mehreren Varianten, bei denen die Kinder die Wörter im wahrsten Sinn des Wortes „begreifen“ können. Passend zum Apfel im Säckchen suchen sie dann die entsprechende Karte.

Die Spielkarten  haben eine Größe von sechs x sechs Zentimetern und sind in einem festen Spielkarton verpackt.

Die Spielkarten  haben eine Größe von sechs x sechs Zentimetern und sind in einem festen Spielkarton verpackt.

„Anfangs hatte ich Alltagsgegenstände und Spielbereiche aus der Kita fotografiert und mit diesen Motiven Karten bedrucken lassen“, beschreibt Weitenberg den Start des zunächst nur Kita-internes Projektes, das aus dem Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ finanziert wurde. „Aber dann sprach mich meine Mutter an, die in Beckum in der Flüchtlingsarbeit aktiv ist. Sie meinte, das Spiel sei auch für Flüchtlinge nützlich, um Deutsch zu lernen.“

Und inzwischen fragen sogar Seniorenheime nach. Denn speziell Demenzkranke haben oft noch Bilder im Kopf, aber ihnen fehlen die dazu gehörigen Begriffe. „memomix“ ist für sie eine tolle Unterstützung bei der Wortschatzfindung.

Viele Kinder hatten keine Wörter für ganz alltägliche Dinge. Auch die Zuordnung der Artikel war schwierig. So entstand meine Idee für memomix.

Anja Weitenberg

Im Moment gibt es „memomix“ mit jeweils 60 Bildkarten zu vier Themenbereichen: Alltagsgegenstände, Lebensmittel, Schreibwaren und Kleidung. Zwei weitere sind aber schon in Planung: zu den Themen Körper und Möbel. Überhaupt hat Anja Weitenberg noch viel vor. „Mein Traum ist, ein ganzes Bilderbuch zu machen.“ Die erste Idee dazu hat sie schon.

Dankbar ist die Unternehmerin, dass sie beim Start viele Unterstützer hatte. „Ich war bei der ersten Gründerschmiede dabei, zu der die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung eingeladen hatte. Das war sehr bereichernd. Es ist schön, Gleichgesinnte zu haben, mit denen man sich austauschen kann.“ Und tatkräftige Mithilfe ist natürlich auch nicht zu verachten. Anja Weitenberg schmunzelt: „Wenn ein neues Spiel gedruckt ist, müssen die Karten ja in die Kartons einsortiert werden. Das mache ich im Moment noch selbst. Aber die Familie ist dabei: Mein Mann, Eltern, Schwiegereltern, unsere Kinder – alle helfen mit.“

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