Angehörige setzen auf Selbsthilfe
Unsichtbare Säulen des Pflegesystems

Warendorf -

70 Prozent der rund 8500 Pflegebedürftigen im Kreis Warendorf werden zu Hause gepflegt. Diese Zahl nannte Lena Bringenberg, Kreisgeschäftsführerin des Paritätischen, zum Auftakt eines Netzwerktreffens, das dessen neues Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe (KoPS) organisiert hatte.

Donnerstag, 09.11.2017, 07:11 Uhr

Gemeinsam für pflegende Angehörige:  Jürgen Ribbert-Elias, Daniela Rehnen (KoPS), Warendorfs stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser, Brigitte Klausmeier, Lena Bringenberg, Sabine Tenambergen, Susanne Hallermann und Anne Middendorf (Kreissozialamt).
Gemeinsam für pflegende Angehörige:  Jürgen Ribbert-Elias, Daniela Rehnen (KoPS), Warendorfs stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser, Brigitte Klausmeier, Lena Bringenberg, Sabine Tenambergen, Susanne Hallermann und Anne Middendorf (Kreissozialamt). Foto: Ulrike von Brevern

Im Interesse pflegender Angehöriger wollte das in Warendorf ansässige Büro Profis und Ehrenamtliche rund ums Thema Pflege miteinander in Kontakt bringen.

Die Pflege durch Angehörige entlaste die sozialen Sicherungssysteme unterstrich Kreissozialdezernentin Brigitte Klausmeier. Als wichtigen Baustein im Konzept „ambulant vor stationär“ sicherte sie dem Kontaktbüro ihre Unterstützung zu.

Gastreferent Jürgen Ribbert-Elias , der den Anstrengungen des Kreises beim Thema Pflege Anerkennung zollte, forderte die Beteiligung der Betroffenen bei der kommunalen Planung. Es müsse ein differenziertes Unterstützungsangebot für Pflegende geben, das aus einem Mix professioneller und ehrenamtlicher Dienste sowie der Selbsthilfe bestehe, führte der Münsteraner Forscher und Leiter des Bereichs Qualitätsmanagement im St.-Franziskus-Hospital Ahlen weiter aus.

Die Wertschöpfung pflegender Angehöriger überschreite die Einnahmen der Pflegeversicherungen bei weitem. Im Zentrum der Unterstützung solle eine gut vernetzte und qualitativ hochwertige Beratung stehen. Die Pflegeselbsthilfe stabilisiere das System. Dabei sei die Betroffenen-Kompetenz mit professioneller als gleichrangig zu werten

Der Fachmann machte gleichzeitig darauf aufmerksam, dass die Zahl männlicher pflegender Angehörigen auf mittlerweile 35 Prozent gestiegen sei. Geschlechter-spezifische Unterschiede in der Pflege sollten im Selbsthilfeangebot berücksichtigt werden.

Bei Angehörigen stehe der Wunsch nach Selbsthilfe an dritter Stelle, direkt nach besserer Finanzierung und professioneller Pflegeunterstützung, referierte Sabine Tenambergen als Verantwortliche des KoPS. Das auf drei Jahre genehmigte und wissenschaftlich begleitete Projekt wolle praktische Wege für Pflegeselbsthilfegruppe ausloten. Im Rahmen des Projekts werden eigenständige wie begleitete Gruppen finanziell und fachlich unterstützt. KoPS will auch eigene Gruppen anstoßen, zum Beispiel mit parallelem Betreuungsangebot für Gepflegte. Transparenz herzustellen über die Angebote für pflegende Angehörige im Kreis gehöre ebenfalls zu den Aufgaben.

Als politische Interessenvertretung und Selbsthilfegruppe stellte Susanne Hallermann aus Telgte den Landesverein „Wir pflegen NRW“ vor. Austausch sei für pflegende Angehörige unerlässlich, betonte sie und verwies gleichzeitig auf das bestehende Armutsrisiko durch die Pflegetätigkeit. In Zusammenarbeit mit dem Bundesgesundheitsministerium und einer Krankenkasse habe der Verein soeben ein Modellprojekt zur Online-Selbsthilfe für Angehörige gestartet.

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