Verlobter vor Gericht
Frau lag mindestens fünf Tage tot in der Wanne

Neubeckum / Münster. -

Die Frau war extrem dick. Als sie in der Badewanne stürzte und nicht mehr alleine heraus kam, holte ihr Verlobter keine Hilfe. Deswegen steht er jetzt vor Gericht. Eine Gutachterin bestätigt jetzt Aussagen des Angeklagten.

Mittwoch, 10.01.2018, 17:01 Uhr

 
  Foto: dpa

Am dritten Verhandlungstag vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster versuchten am Mittwoch (10. Januar) drei Zeugen und zwei Sachverständige die Umstände eines Dramas in Neubeckum im vergangenen Juni aufzuhellen.

Angeklagt ist ein 59-jähriger Rostocker, der mit seiner Verlobten in Neubeckum lebte. Aufgrund persönlicher Umstände war die Frau „hochgradig adipös“, wie die medizinische Gutachterin verdeutlichte: „Sie hat bei einer Körpergröße von 1,60 Meter 148 Kilogramm gewogen.“

Zwei Mal in der Badewanne gestürzt

Die Frau hatte die Wohnung fast nie verlassen, da sie wegen Bewegungsmangel kaum laufen konnte. Mindestens zwei Mal ist sie in der Badewanne gestürzt. Nach dem zweiten Sturz konnte sie weder aus eigener Kraft noch mit der Unterstützung ihres Lebensgefährten die Wanne verlassen.

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Nach Aussage des Partners wollte sie keine Hilfe und auch nicht ins Krankenhaus, was eine Verlesung aus ihren Tagebuchaufzeichnungen aus dem Vormonat des Unfalls bestätigt wurde.

Bei Festnahme 2,6 Promille im Blut

Der Angeklagte, der bei der Festnehme 2,6 Promille im Blut hatte, verpflegte die eingeklemmte Frau. Anders als zunächst behauptet, reichte er nicht nur Getränke, sondern auch feste Nahrung. Die Gutachterin bestätigte, dass die an den Folgen einer Lungenentzündung Verstorbene rund 1,5 Stunden vor dem Tod noch Nudeln gegessen hatte.

Unklar blieb, warum der Angeklagte tagelang keine Hilfe holte. Auch dann nicht, als seine Lebensgefährtin schon verstorben war. Die Gutachterin kam zu dem Ergebnis, dass die Frau nicht drei, sondern mindestens fünf bis sieben Tage tot in der Wanne lag. So könnte auch ein angebliches Selfie auf dem Handy der Verstorbenen erst nach dem Ableben entstanden sein. Sein Verteidiger Oliver Lankes aus Ennigerloh sah seine Verteidigung durch die Aussagen bestätigt.

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