Verwaiste Eltern
Leben nach dem Wendepunkt

Kreis Warendorf -

Viele haben eigene Rituale entwickelt, um mit dem Verlust fertig zu werden. Bei den Teckentrups zum Beispiel ist jedes Jahr am 9. April Party. Ihr gerade erwachsener Sohn hatte an diesem Tag Geburtstag, doch der ist bereits seit vielen Jahren tot.

Freitag, 25.05.2018, 09:42 Uhr

Haben sich lange Jahre gegenseitig gestützt: (v. l.) Adelheid Meins, Larissa Rathem, die erst seit kurzem bei der LVHS für die Gruppe zuständig ist, Klaus-Dieter Hainke, Werner Teckentrup, Theo Meins, Ingrid Teckentrup und Betty Hainke.
Haben sich lange Jahre gegenseitig gestützt: (v. l.) Adelheid Meins, Larissa Rathem, die erst seit kurzem bei der LVHS für die Gruppe zuständig ist, Klaus-Dieter Hainke, Werner Teckentrup, Theo Meins, Ingrid Teckentrup und Betty Hainke. Foto: Ulrike von Brevern

Seit zwei Jahrzehnten gehört das Ehepaar zur Selbsthilfegruppe verwaister Eltern, die versuchen, den Schmerz über den Verlust ihres Kindes gemeinsam in erträgliche Bahnen zu lenken. Zurzeit werden die Gruppentreffen allerdings seltener.

„Es gibt ein Leben davor und ein Leben danach“, beschreibt Betty Hainke den Wendepunkt, den der Tod ihrer Tochter auch heute noch für sie bedeutet. Doch für die drei Paare, die am Tisch in der gemütlichen Wohnküche in Beelen zusammensitzen, ist dieser Wendepunkt schon etwas her. „Wir sind jetzt beim Dessert des Lebens“, sagt Ingrid Teckentrup lächelnd und trotzig zugleich. Als Großmutter erlebt sie „eine andere Lebensfreude“.

Es gibt ein Leben davor und ein Leben danach.

Betty Hainke

Bei den verwaisten Eltern steht ein Generationenwechsel an. Wie der aussehen wird, ist den drei Paaren noch nicht ganz klar. „Nach einigen Jahren haben wir die Gruppe nicht mehr so dringend gebraucht“, erklärt Werner Teckentrup, „aber die Gruppe hat uns gebraucht“. So haben sie weiter gemacht. Jetzt möchten sie sich zwar weiter treffen, sich aber nicht mehr verpflichtet fühlen.

In der Gruppe unterstützen sich Eltern gegenseitig, deren Kinder bereits jugendlich oder erwachsen waren, als sie starben. Das ist ihnen ganz wichtig, denn aus Erfahrung wissen sie, dass sich verwaiste Eltern sehr kleiner Kinder bei ihnen nicht wohl fühlen. Der Verlust ist ein anderer.

Melanie Hainke ist schon viele Jahre tot, doch ihr Bild ist immer präsent. Ihre Eltern gestalten jedes Jahr zum World-Candle-Light -Day eine Kerze für sie.

Melanie Hainke ist schon viele Jahre tot, doch ihr Bild ist immer präsent. Ihre Eltern gestalten jedes Jahr zum World-Candle-Light -Day eine Kerze für sie. Foto: Ulrike von Brevern

Bis zu 15 Paare sind derzeit dabei. Keine Beziehung ist am Tod des Kindes zerbrochen. „Vielleicht liegt das daran, dass es die Gruppe gibt“, meint Klaus-Dieter Hainke nachdenklich.

Er erinnert sich, wie schwer ihm selbst der Weg in die Selbsthilfegruppe gefallen ist. „Männer tun sowas nicht“, gehörte zu seinem abwehrenden Grundgefühl. Schnell hat er dann aber gemerkt, wie gut ihm die Gespräche taten: „Zuhause kann man so nicht immer darüber reden.“

Und die Familie hat ähnlich wie die Meins an der anderen Seite des Tisches von Ideen profitiert, wie Andenken gestaltet werden kann. Betty Hainke erinnert an das inzwischen verbreitete Ritual, an Heiligabend gemeinsam das Grab weihnachtlich zu schmücken. „Dann ist der Tag nicht so tot, so leer“, sagt sie.

Jedes Jahr im Juni treffen sich die verwaisten Eltern zum „Baumtreffen“ im Vier-Jahreszeiten-Park in Oelde. Auch Nicht-Gruppenmitglieder sind dann willkommen. Der Baum zum Andenken an die gestorbenen Kinder, den sie zur Landesgartenschau gepflanzt hatten, ist inzwischen einer Skulptur aus Metall mit Bildern der Kinder gewichen.

Ein weiterer traditioneller Termin ist der World-Candle-Light-Day im Dezember. An diesem Tag wird überall auf der Welt eine Kerze angezündet für das verstorbene Kind – ein Lichtschein, der um die Erde geht.

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