Waldbauern vor neuen Herausforderungen
Abschied vom „Staats“-Förster?

Kreis Warendorf -

Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer haben den Waldbauern in diesem Jahr mächtig zugesetzt. Aber dass zum Jahresende die staatliche Beförsterung ausläuft - und bislang nicht klar ist, wie es weitergehen soll, ist eine viel größere Herausforderung.

Freitag, 09.11.2018, 06:10 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 06:01 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 09.11.2018, 06:10 Uhr
Franz Freiherr von Twickel ist Vorsitzender der Waldbauern im Kreis Warendorf. Er freut sich, dass zum Jahresende die Staatliche Beförsterung eingestellt werden muss. Das schreibt ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vor. Wie es danach im Wald weitergehen soll, sei aber immer noch nicht geklärt. kritisiert von Twickel.
Franz Freiherr von Twickel ist Vorsitzender der Waldbauern im Kreis Warendorf. Er freut sich, dass zum Jahresende die Staatliche Beförsterung eingestellt werden muss. Das schreibt ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vor. Wie es danach im Wald weitergehen soll, sei aber immer noch nicht geklärt. kritisiert von Twickel. Foto: Beate Kopmann

Erst kam der Sturm, dann die Trockenheit und der Borkenkäfer. Das Jahr 2018 war ein schweres Jahr für die 800 Waldbauern im Kreis Warendorf. Und zum Jahresende kommt nun eine weitere Herausforderung auf sie zu: Die Zuständigkeit des staatlichen Forstamtes soll wegfallen. Wie geht es danach weiter mit dem Wald? Über diese Frage sprach Redakteurin Beate Kopmann mit Franz Freiherr von Twickel, Vorsitzender der Waldbauern im Kreis Warendorf.

Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer haben für große Schäden im Wald gesorgt. Können Sie die Schadenshöhe für die Waldbauern im Kreis beziffern?

von Twickel: Nein, entsprechende Zahlen liegen nicht vor. Aber bei kleineren Betrieben könnte das bis zum Totalschaden gehen. Fest steht, dass die Preise für Holz zusammengebrochen sind, beim Fichtenholz wurden sie fast halbiert. Abgefedert wurde die Krise, weil die Baukonjunktur so boomt. Ein beachtlicher Teil des Sturmholzes konnte als Baumaterial genutzt werden.

Dann ist die Krise für die heimischen Waldbauern nicht so schlimm?

von Twickel: Das kommt darauf an. Wer vor allem Laubholz hat, ist möglicherweise gar nicht geschädigt. Beim Nadelholz sieht es ganz anders aus. Im Kreis Warendorf lebt die Masse der Waldbauern allerdings nicht vom Wald. Aber den Betrieben, bei denen der Waldbau im Vordergrund steht, tut der Schaden natürlich weh.

Wie hoch ist der Anteil von Nadelholz im Kreis Warendorf?

von Twickel: Schätzungsweise bei 30 Prozent, vielleicht etwas mehr. Die Forstwirtschaft unterstützt heute vor allem die Aufforstung von Laubholz. Man geht davon aus, dass es sich bei veränderten klimatischen Bedingungen besser anpassen kann. Wir haben da einen gesellschaftlichen Zielkonflikt. Denn die Nadelbäume wachsen schneller und binden durch Verwendung im Bauholz das klimaschädliche Kohlendioxid viel länger als Laubholz. Für den Klimaschutz ist das eigentlich besser. Aber die wirkliche Herausforderung für die Waldbauern liegt – allen Schäden zum Trotz – gar nicht in den Besonderheiten der Natur, mit der wir in diesem Jahr zu kämpfen hatten.

Sondern?

von Twickel: Schlimmer ist, dass die Waldbauern nicht wissen, wie es weiter geht. Die staatlichen Forstämter sind in der jetzigen Form nur noch bis Ende 2019/2020 für Beförsterung und Holzvermarktung zuständig. Bislang kümmerten sich die Revierförster auch um den Privatwald. Das Bundeskartellamt und verschiedene Rechtsprechungen haben nun dafür gesorgt, dass in weiten Bereichen die jetzige Form der staatlichen Betreuung beendet werden muss.

Warum wird die staatliche Beförsterung kritisiert?

von Twickel: Es geht nicht um Kritik. Die Förster leisten den Waldbauern gute Dienste. Aber die privaten Forstanbieter waren vom fairen Wettbewerb ausgeschlossen, denn der Landesbetrieb Wald und Holz hat nur sehr geringe Gebühren in Rechnung gestellt. Den Löwenanteil hat der Steuerzahler aufgebracht. Künftig kann neben dem Landesbetrieb Wald und Holz, der seine Dienstleistung dann zu Vollkosten anbieten muss, die Beförsterung und Holzvermarktung auch durch freie Forstwirte erfolgen. Damit könnte ein erheblicher Zielkonflikt im staatlichen Forstamt ein Stück weit gelöst werden. Denn bislang sind dort sowohl Kontrolle als auch Beratung angesiedelt. Das passt nicht zusammen.

Was passiert mit dem staatlichen Forstamt? Werden dort Arbeitsplätze abgebaut?

von Twickel: Zu Veränderungen wird es auf jeden Fall kommen. Im Moment weiß nur keiner, wie die aussehen werden. Die Forstbetriebsgemeinschaften – also der Zusammenschluss der Waldbauern, der sich um die praktischen Aufgaben von der Pflanzung bis zur Holzvermarktung kümmert – müssen jetzt Lösungen und Konzepte anbieten. Gute Konzepte. Sonst werden vielleicht einige kleine Waldbauern sagen: Na, wenn das alles so kompliziert ist, dann lasse ich es eben. Das wäre eine schlechte Perspektive für den Wald.

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