Serie Pflege: Tagespflege braucht Herz und Kopf
Karriere geht auch in der Pflege

Kreis Warendorf -

Die Tagespflege verlangt von den Mitarbeitern ganz besondere Qualitäten. Hier werden Gäste den ganzen Tag über unterhalten. Für Tagespflege-Leiterin Jessica Linnemann selber bedeutet die Arbeit einen Schritt auf ihrer Karriereleiter in der Pflege.

Donnerstag, 03.01.2019, 18:04 Uhr
Trotz ihrer Führungsaufgaben darf für Jessica Linnemann (r.) der gute Kontakt zu ihren Tagespflegegästen nicht fehlen.
Trotz ihrer Führungsaufgaben darf für Jessica Linnemann (r.) der gute Kontakt zu ihren Tagespflegegästen nicht fehlen. Foto: Ulrike von Brevern

Jessica Linnemann ist ehrgeizig. Das gibt sie selbstbewusst zu. Im Alter von gerade 28 Jahren leitet die zierliche Pflegemanagerin gleich zwei Tagespflege-Häuser parallel. Das eine, die Tagespflege St. Elisabeth in Sendenhorst, ist seit April mit 24 Plätzen sogar die größte derartige Einrichtung im Kreis. Ihren warmen Umgang mit den betagten Gästen hat die gelernte Altenpflegerin darüber allerdings nicht verloren.

„Gäste“, dieses Bezeichnung für die Nutzer der Tagespflege ist Linnemann wichtig. „Das klingt einladender“, sagt sie nach kurzem Überlegen. Im Unterschied zum Seniorenheim nebenan sieht sie in ihrem Haus weniger die Pflege im gängigen Wortsinn im Fokus. „Bei uns geht es um die Gemeinschaft der Gäste und darum, Fähigkeiten zu erhalten“, umschreibt sie ihre Tätigkeit.

Linnemann ist ihren Berufsweg schrittweise angegangen. Die Fachausbildung zur Altenpflegerin begann sie erst, nachdem sie in einer einjährigen Altenpflegehelferausbildung den Beruf kennengelernt hatte. Anschließend studierte sie berufsbegleitend an einer Hamburger Uni im Fernstudium Pflegemanagement. Voraussetzung für das Studium war die Ausbildung nicht. „Aber ohne wäre ja Quatsch gewesen!“, sagt sie resolut. Auch jetzt reserviert sie rund ein Fünftel ihrer Arbeitszeit, um ganz praktisch im Team mitzuarbeiten. Den Bezug zu ihren Gästen will sie behalten.

Die Arbeit in der Tagespflege unterscheide sich rein äußerlich durch geregeltere Arbeitszeiten, den freien Sonntag und körperlich weniger belastende Tätigkeiten von anderen Altenpflegeaufgaben, weiß die junge Frau aus Erfahrung. Dafür gebe es ganz eigene Herausforderungen. „Wir müssen unsere Gäste acht Stunden lang beschäftigen und bei Laune halten“, lacht Linnemann. Darum braucht sie Mitarbeiter, die Lust haben, den Tag gemeinsam mit den Senioren zu gestalten, die begeistern können und Anreize geben. „Bei uns sind mehr die Kopfarbeit und der psychologische Anspruch gefragt.“

Veränderungen in der Pflegefinanzierung haben zu einem Boom in der Tagespflege geführt. Die Plätze werden jeweils für einzelne Tage in der Woche gebucht. So entstehen wechselnde Gruppen: mal mit mehr dementiell Erkrankten, mal gibt es sogar Selbstzahler ganz ohne Pflegestufe. Die Tagespflege sei wertvoll, weil sie die Menschen aus der Isolation holen könne, erläutert Linnemann und freut sich über die gute Einbindung der zweiten von ihr betreute Einrichtung in das soziale Umfeld: „Wir haben viele Albersloher, die hier ein bisschen das Dorfleben leben“, sagt sie über die Tagespflege St. Josef in Albersloh.

Gäste wie Paula Kröner oder Hildegard Steinbach geben ihrer jungen Einrichtungsleiterin Recht. „Es macht Spaß, die macht das richtig gut“, erhält sie von der 95-Jährige darüber hinaus ein dickes persönliches Lob. Für immer bleiben wird die Pflegemanagerin dennoch nicht. Wohin sie ihre Karriere führt, weiß Jessica Linnemann noch nicht, sicher ist sie allerdings: „Es ist noch nicht das Ende hier.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6295456?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F
Ex-Pastor Michel Malcin startet per Doppeldecker ins neue Leben
Willkommen in den 60ern:Michel Malcin auf dem Oberdeck seines rollenden Cafés. Der 39-Jährige hat einen alten Bus zur neuen beruflichen Heimat gemacht.
Nachrichten-Ticker