Wolfgang Bosbach beim Höxberg-Gespräch
Politik braucht mehr Humor

Beckum -

Wolfgang Bosbach gibt gleich zu Beginn eine Wahlempfehlung – quasi parteiübergreifend: „Wählen Sie nie Politiker, die nicht herzlich lachen können. Wenn die an die Macht kommen, haben wir als Bürger nichts mehr zu lachen“, betont der langjährige Bundestagsabgeordnete (CDU), der Redner beim Höxberg-Gespräch in Beckum war.

Freitag, 18.01.2019, 16:15 Uhr aktualisiert: 21.01.2019, 16:24 Uhr
Wolfgang Bosbach plädiert beim Höxberg-Gespräch für mehr Gelassenheit – auch im Verhältnis zu den USA: „Ich gehöre nicht zu den Deutschen, die jeden Morgen in Ohnmacht fallen, wenn Trump wieder etwas getwittert hat.“
Wolfgang Bosbach plädiert beim Höxberg-Gespräch für mehr Gelassenheit – auch im Verhältnis zu den USA: „Ich gehöre nicht zu den Deutschen, die jeden Morgen in Ohnmacht fallen, wenn Trump wieder etwas getwittert hat.“ Foto: Beate Kopmann

Mit Blick auf sein eigenes Leben ergänzt Bosbach : „47 Jahre Politik ohne Humor – das halten Sie gar nicht aus.“

Zum Thema „Europa im Stresstest, Globalisierung und Digitalisierung – worauf es jetzt ankommt“ listete der CDU-Mann aber auch Schwachpunkte auf – etwa, dass Deutschland bei der Informationstechnologie zunehmend an Boden verliere. „In einer digitalisierten Welt schlägt nicht der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.“ Und Deutschland sei viel zu langsam. „Im Oman kann ich sowohl in der Wüste als auch im Hochgebirge überall mein Handy nutzen. Aber auf dem Weg von Köln nach Bergisch Gladbach habe ich vier Mal keinen Empfang.“

Im Oman kann ich mein Handy überall nutzen. Aber auf dem Weg von Köln nach Bergisch Gladbach habe ich vier Mal keinen Empfang.

Wolfgang Bosbach

Zwar sei Deutschland in den klassischen Industrien noch führend, aber der Wohlstand sei nur zu halten, wenn künftig mehr in Bildung investiert werde – und wenn es gelinge, der Entsolidarisierung in Europa entgegenzuwirken, die sich beispielsweise in der Flüchtlingspolitik zeige. „Meine Heimatstadt Bergisch Gladbach mit 110 000 Einwohnern hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als ganz Portugal“, sagt Bosbach.

Für die Zukunft gelte: „Entweder wir sind uns in Europa einig oder wird werden dramatisch an Bedeutung verlieren.“

Als historische Zäsur beschrieb der Politiker den Brexit. „In den mehr als 60 Jahren der EU hat es noch nie einen Austritt gegeben.“ Mit Nachdruck warnte Bosbach davor, den Briten zu weit entgegen zu kommen. „Es muss einen Unterschied machen, ob ein Land Mitglied ist oder nicht.“ Auch dürfe die Diskussion nicht auf den Freihandel verkürzt werden. „Im Kern geht es um Frieden und Freiheit in Europa.“

Meine Heimatstadt Bergisch Gladbach mit 110 000 Einwohnern hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als ganz Portugal.

Wolfgang Bosbach

Im Übrigen brauche Europa weiterhin eine gute Beziehung zu Amerika – egal, wer Präsident sei. „Ich gehöre nicht zu den Deutschen, die jeden Morgen in Ohnmacht fallen, wenn Trump wieder etwas getwittert hat.“

Generell ermunterte Bosbach zu mehr Gelassenheit. „Nicht jedes Problem ist gleich eine Katastrophe“, sagte der CDU-Mann in der Aula des Berufskollegs, die die vielen Zuhörer nicht fassen konnte. Viele mussten ins Foyer ausweichen oder Stehplätze einnehmen. Die Gäste, die einer Einladung des Arbeitgeberverbandes Zement und Baustoffe gefolgt waren, hörten Bosbach gerne zu. Klar, der Mann ist ein guter Redner, der schon mit zehn Jahren seine erste Büttenrede gehalten haben soll. Aber Gehör verschafft sich der Politiker wohl weniger durch Rhetorik als dadurch, dass er seine Positionen klar benennt – und Zuversicht vermittelt. „Es ist immer noch ein Glück in Deutschland geboren zu sein“, betont Bosbach. Und den Grund dafür sieht er keineswegs in der Vergangenheit. Denn: „Wir haben eine tolle junge Generation.“

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