Karl Lauterbach in Sendenhorst
Bei medizinischer Versorgung neue Wege beschreiten

Kreis Warendorf -

Die Botschaften, die Prof. Karl Lauterbach mit nach Sendenhorst gebracht hatte, waren nicht dazu angetan, große Freude bei den mehr als 100 Zuhörern auszulösen. Trotz großer Ärztedichte fehlten hierzulande jedes Jahr 5000 Studenten, die sich für ein Medizinstudium entscheiden. Und von den verbleibenden halte nur jeder zehnte den Hausarztberuf für attraktiv; 30 Prozent der praktizierenden Hausärzte seien über 60 Jahre alt.

Freitag, 25.01.2019, 14:46 Uhr aktualisiert: 29.01.2019, 13:14 Uhr
Diskutierten mögliche Verbesserungen des Gesundheitssystems (v. l.): Bernhard Daldrup, Werner Strotmeier und Prof. Dr. Karl Lauterbach
Diskutierten mögliche Verbesserungen des Gesundheitssystems (v. l.): Bernhard Daldrup, Werner Strotmeier und Prof. Dr. Karl Lauterbach Foto: Reinhard Baldauf

„Unser System steht vor großen Herausforderungen“, folgerte der renommierte SPD-Gesundheitsexperte, der auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung im Hotelrestaurant Waldmutter sprach. Die weiteren Herausforderungen: Der eklatante Mangel in der Pflege und die besorgniserregende demografische Entwicklung in der Generation der Babyboomer (1955 bis 1969), die ein kritisches Alter im Hinblick auf Demenz erreichten, während sich andererseits noch die Eltern der selben Generation im Pflegealter befänden.

Wir benötigen eine stärkere Patientenorientierung.

Prof. Karl Lauterbach

Dem Pflegenotstand hat die Regierungskoalition in Berlin den Kampf angesagt: mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, 13 000 neuen Stellen in Pflegeeinrichtungen und einem Flächentarifvertrag für Pflegekräfte, der dafür sorgen werde, dass der Beruf auf lange Sicht attraktiver werde. Auch beim Termin-Servicegesetz, gegen das auch Ärzte Sturm laufen, werde, die Koalition nicht locker lassen. „Wir benötigen eine stärkere Patientenorientierung“, betonte Lauterbach , der an alle am Gesundheitswesen Beteiligten appellierte, ihren Sicherstellungsauftrag ernst zu nehmen. In der Pflicht sieht Lauterbach auch die Kommunen, die selbst als Bauherr oder Investoren bei multiprofessioniellen Gesundheitszentren auftreten können, für deren Errichtung sich Prof. Kerstin Hämel von der Uni Bielefeld stark machte. Weil viele Menschen heute chronisch erkrankt seien, erscheine das Zusammenwirken unter einem Dach von Ärzten und Therapeuten sehr sinnvoll. Angesprochen fühlen sollten sich vor allem Allgemeinmediziner und weniger Fachärzte, mit denen nach Möglichkeit eine enge Zusammenarbeit bestehen sollte. In Finnland und den USA habe man mit solchen Zentren gute Erfahrungen gesammelt.

Zuvor hatte Lauterbach darauf hingewiesen, dass die seit Jahren diskutierte elektronische Patientenakte auch in Deutschland kurz vor ihrer Einführung stehe, die sich bei dieser Art der medizinischen Versorgung als äußerst hilfreich erweise.

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