Im Winter stellt der Kleingärtner Weichen
Planung ist die halbe Ernte

Kreis Warendorf -

Ein ungewöhnliches Bild: Der Kleingärtner steht in seinem winterkahlen Garten und tut – nichts. „Der plant!“, schmunzelt Rolf Rosendahl, Vorsitzender des Bezirksverbandes Kreis Warendorf der Kleingärtner, und erläutert, was beim vorausschauenden Blick auf das Garten-Jahr alles zu bedenken ist.

Samstag, 02.02.2019, 08:02 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 16:42 Uhr
In Ihrem Garten wenden Wilma und Friedel Schaub das Vier-Beete-Prinzip unverkennbar an.
In Ihrem Garten wenden Wilma und Friedel Schaub das Vier-Beete-Prinzip unverkennbar an. Foto: Ulrike von Brevern

Bei guter Planung kann Säen, Pflegen und Ernten später wie am Schnürchen ablaufen.

Herzstück des Kleingartens ist der Gemüseanbau. Daran lassen Rosendahl und sein Stellvertreter Gregor Schweins keinen Zweifel. Sie raten, zur klassischen Einteilung in vier Flächen. So haben es auch Friedel und Wilma Schaub gemacht, die in ihrem Garten in der Ahlener Anlage Steinbrückenkamp schnell mal nach dem Rechten sehen. Wie in vielen Nachbargärten markiert ein Kreuz aus Wegeplatten auf der braunen Erde die Unterteilung. Ein zusätzliches Hochbeet wird das Paar im Sommer wieder mit frischen Kräutern versorgen.

„Die Gemüsepflanzen werden unterteilt in Stark-, Mittel- und Schwachzehrer“, erklärt Rosendahl die Grundlage des Vier-Beete-Prinzips. Der jährliche Tausch der Flächen sorgt für gutes Wachstum. Zu den Starkzehrern gehören Kohl und Porree. Dagegen sind Möhren, Zwiebeln und Kopfsalat weniger anspruchsvoll. Erbsen und Bohnen gehören zu den Schwachzehrer. Und das vierte Beet? Das ist für Gründünger reserviert, der den Boden durchatmen lässt. Rosendahl wählt dafür Phacelia, deren duftende Blüten als Bienenwiese dienen.

Bäume pflanzen, aber richtig

Solange es keinen Dauerfrost gibt, können Obstbäume gepflanzt werden. Dabei ist einiges zu beachten, erklärt Rolf Rosendahl. Die Wurzel muss bequem in das Pflanzloch passen. Den Boden darunter auflockern, damit die Pflanze leicht wurzeln kann. Die Veredelungsstelle darf nicht eingegraben werden. Passt das Loch, den Baum zunächst entfernen und unbedingt einen Pflanzpfahl versenken, an dem der Baum festgebunden wird. Der Pfahl muss auf der windzugewandten Seite des Baumes stehen, also in der Regel westlich. Den Erdaushub vor dem Zuschaufeln mit Kompost vermischen. Angießen, auch bei Regen, um den Bodenschluss herzustellen.Rosendahl rät, Bäume im Gartenfachbetrieb zu kaufen, da Baumarktware oft nicht gut „geschult“, also fachmännisch vorbereitet sei.

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Zudem muss bei der Planung auf die Verträglichkeit geachtet werden. Auberginen vertragen sich nicht mit Paprika, Erbsen nicht mit Tomaten, Kohlrabi nicht mit Kohl, geht aus einer detaillierten Liste hervor, die sich Rosendahl zusammengestellt hat. Würde immer wieder die gleiche Pflanze auf einem Beet angebaut, könnten zudem Krankheiten, wie die Kohlherni den Ertrag schnell mindern.

Kompost hat man als Kleingärtner. Wir wollen ja nicht mit Mineraldünger düngen, sondern mit Naturdünger.

Gregor Schweins

Fruchtwechsel alleine reicht nicht, um die Fruchtbarkeit zu sichern. Schweins und Rosendahl schwören auf Kompost, um den Boden zu verbessern. „Den hat man als guter Kleingärtner. Wir wollen ja nicht mit Mineraldünger düngen, sondern mit Naturdünger“, betont Schweins die Kleingartenphilosophie. Zwei Jahre und gute Pflege braucht der Kompost bis er „reif“ ist. Dann wird er ausgestreut und eingeharkt. „Auf keinen Fall eingraben, das ist der größte Fehler“, warnt Rosendahl. „Dann kommt keine Luft mehr dran und er ist nicht mehr nutzbar.“

Ehe die Vegetation wieder beginnt, misst Rosendahl den PH-Wert seines Bodens, um mit Kalkdüngung gegen saure Werte ansteuern zu können. Alle drei Jahre sei eine professionelle Nährstoffanalyse empfehlenswert.

Die kalte Jahreszeit ist auch eine gute Gelegenheit, sich gegen einen hartnäckigen Konkurrenten zu wehren, die Wühlmaus. Die ist hungrig und für Fallen anfälliger. Er habe selber beobachtet, wie Wühlmäuse sein gerade reifes Gemüse nach unten zogen, erzählt Schweins entrüstet. „aber ich möchte ja auch was ernten, wenn ich etwas in die Erde setze.“

Wilma Schaub bereitet sich ab Januar schon praktisch das neue Garten-Jahr vor. Erste Blumensamen, die sie meist im eigenen Garten gesammelt hat, sät sie dann in Töpfe und Kästen, um sie auf der Fensterbank keimen zu lassen für die kommende Saison. „Das spart richtig Geld und es macht mir Spaß“, sagt die Gärtnerin mit 40 Jahren Kleingarten-Erfahrung.

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