Neue Wege für eine alte Kirche
Mehr als romantische Deko

Beelen -

In der kleinen ehemaligen evangelischen Heilig-Geist-Kirche in Beelen riecht es nach frischer Farbe. Das Dunkelbraun der lackierten Türen und Holzeinbauten ist einem modernen Dunkelgrau gewichen. Sonst hat sich auf den ersten Blick wenig verändert.

Mittwoch, 17.04.2019, 06:02 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 18:03 Uhr
Die Beelener Heilig-Geist-Kirche wurde vor gut drei Jahren entwidmet. Nun kommt die private Nachnutzung in Gang. Im Gottesdienstraum, den Eventmanagerin Monika Pfeiffer für ihre Konzertreihe nutzt, hat sich kaum etwas verändert. Die angrenzenden Gemeinderäume sollen als Seminarräume nutzbar sein.
Die Beelener Heilig-Geist-Kirche wurde vor gut drei Jahren entwidmet. Nun kommt die private Nachnutzung in Gang. Im Gottesdienstraum, den Eventmanagerin Monika Pfeiffer für ihre Konzertreihe nutzt, hat sich kaum etwas verändert. Die angrenzenden Gemeinderäume sollen als Seminarräume nutzbar sein. Foto: Ulrike von Brevern

Das schlichte Holzkreuz dominiert noch immer den ehemaligen Kirchenraum, überstrahlt nur von den leuchtend bunten Glasfenstern. Wer genau hinsieht, erkennt allerdings, dass der weiße Innenanstrich einem zarten Hellgrau gewichen ist. Und auch die bunten Glasfenster haben sich verändert: Durch innen angebrachte Doppelfenster zieht es nicht mehr.

Seit Anfang des Jahres ist der Warendorfer Investor Gerd Meimann Eigentümer der entwidmeten Kirche. Schon kurz zuvor hatte Event-Planerin Monika Pfeiffer, beständig auf Suche nach neuen Locations, das Objekt per Zufall beim Googeln entdeckt. Sie erinnerte sich an das bereits 2015 entwidmet Gotteshaus aus ihrer Kindheit: „Die kleine weiße Kirche, die man damals ja noch von der B64 aus sehen konnte, war für mich immer so etwas wie eine Oase.“

Monika Pfeiffers Haupt-Profession sind Hochzeiten: Sie spricht als Rednerin bei freien Trauungen und plant auf Wunsch die ganze Hochzeit – ungewöhnliche Hochzeitsorte inklusive. Doch das gehörte wider Erwarten nicht zu den ersten Dingen, die ihr zur Nutzung des Kirchenraumes einfielen. Im Gegenteil.

Monika Pfeiffer

Monika Pfeiffer Foto: Ulrike von Brevern

Sie prägte für sich den Begriff „Veranstaltungskirche“ und stellte die kleine Frühjahrskonzertreihe „mitten drin“ zusammen. Bei gerade einmal 60 bis 80 Plätze sei das wörtlich zu nehmen. „Mich fasziniert, dass es so kuschlig ist. Da sind alle ganz nah dran“.

Eine solche Konzertreihe sei ein Traum, den sie schon lange gehegt habe, erzählt sie und bedauert ein wenig, dass sie den örtlichen Kulturverein nicht zu spontaner Unterstützung bewegen konnte. Denn finanziell bewegt sie sich auf dünnem Eis. Doch ihr Konzept – „niveauvoll, mit einem „besonderen Maß von Anspruch und Klasse“ – das auch über Beelen hinausstrahlen soll, findet Anklang. Harfenklänge, Musical-Momente und Operettenmelodien bestimmen die drei sehr unterschiedlichen Abende der Reihe. Bereits das zweite Konzert war annähernd ausverkauft. „Eine Bereicherung für Beelen“, findet Hans-Jürgen Klein, als örtlicher Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde in Warendorf dem Kirchlein weiter verbunden. Investor Gerd Meimann, der das Gebäude als Seminarraum ausstatten will, freut sich ebenfalls. Von Weinprobe bis Gesangsabend reichten die Anfragen, die ihn in Folge der Konzerte für die Kirche als Veranstaltungsort erreichten.

Und was ist nun mit Trauungen? Die Kirche böte sich an als Festlocation. Dreimal am Tag schlägt die historische Glocke oben im Turm und lässt das Kirchlein weihevoll erzittern. Romantik pur.

„Ich habe ein Problem damit, die Kirche nur als Deko zu nutzen“, stellt Hochzeitsplanerin Pfeiffer fest. Sie biete tatsächlich einen tollen Rahmen, „doch ich frage dann, in welcher Form ich Gott in die Zeremonie mit einbinden darf.“ Ganz ohne werde besser anderswo gefeiert.

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