Neuer Ausbildungsgang im Kreis Warendorf
Erziehen in der Praxis lernen

Kreis Warendorf -

In wenigen Wochen wird Lidia Dick ihr Abschlusszeugnis als Erzieherin in Händen halten. Hinter ihr liegen dann drei Jahre der bezahlten Praxisorientierten Ausbildung (PIA). Die hat die 30-Jährige zwar im Jugendzentrum in Sassenberg absolviert, zur Schule gehen musste sie dafür allerdings in Münster, zum Anne-Frank-Berufskolleg, denn bislang war der schulische Teil der PIA im Kreis Warendorf nicht im Programm.

Freitag, 14.06.2019, 06:23 Uhr aktualisiert: 14.06.2019, 17:04 Uhr
Lidia Dick, hier im Jugendzentrum G-Style im Sassenberger Ortsteil Füchtorf, hat ihre Ausbildung zur Erzieherin bereits praxisintegriert absolviert, allerdings mit Schulstandort Münster.
Lidia Dick, hier im Jugendzentrum G-Style im Sassenberger Ortsteil Füchtorf, hat ihre Ausbildung zur Erzieherin bereits praxisintegriert absolviert, allerdings mit Schulstandort Münster. Foto: Jugendzentrum Inside

Ab kommendem Schuljahr ändert sich das. Sowohl das Paul-Spiegel-Berufskolleg in Warendorf als auch das Berufskolleg Beckum erweitern ihr Angebot um den praxisintegrierten Ausbildungsgang zum Erzieher. „Zum Glück!“ freut sich Dicks Chef, Jugendpfleger Dirk Ackermann, der mit seinen insgesamt drei „PIAs“ in unterschiedlichen Ausbildungsjahrgängen höchst zufrieden ist.

Das Paul-Spiegel-Berufskolleg wird im kommenden Schuljahr zweigleisig starten, erklärt die verantwortliche Abteilungsleiterin der Fachschule für Sozialwesen, Bianca Schütte : eine Eingangsklasse PIA, eine nach herkömmlichen Modell. Das sieht zwei Jahre Unterricht und anschließend ein Anerkennungspraktikum vor. Bei PIA laufen Schule und Praxiseinsatz dagegen parallel. Die Auszubildenden sind während der gesamten drei Jahre beim Träger ihrer Ausbildungseinrichtung angestellt und werden damit auch bezahlt. En Konzept, das Ackermann lobt, weil die Erzieherausbildung damit endlich finanziell anderen Ausbildungen angeglichen werde.

Zweieinhalb bis drei Tage Schule, den Rest der Zeit in der Einrichtung wird die Verteilung am Warendorfer Berufskolleg lauten. Theorie und Praxis sind damit sehr gut verzahnt“, erklärt Schütte. Dabei bleibt die Verantwortung bei der Fachschule. PIA ist damit ein Studium und keine duale Ausbildung.

Die Verzahnung von Theorie und Praxis sieht auch Lidia Dick rückwirkend als ganz großen Pluspunkt ihrer Ausbildung. „Wir konnten die Theorie direkt in die Praxis umsetzen. Und wenn es nicht klappte, konnten die Lehrer reagieren und Tipps geben.“ Andersherum habe auch der Unterricht in der Schule von den Praxisbeispielen gelebt.

Für die Pädagogen des Paul-Spiegel-Berufskollegs bedeutet PIA zunächst viel Arbeit. „Wir müssen den Unterricht neu denken und den Stoff ganz anders verteilen“, erläutert Schütte. „Das ist aufwendig zu organisieren.“ Thematisch sind beide Ausbildungen gleich, betont sie. Dennoch hat Dick, ähnlich wie Jugendpfleger Ackermann, PIA als „anspruchsvoll“ erlebt. Gelegentlich bleibe das Privatleben auf der Strecke wenn schulische Aufgaben und die Anforderungen der Praxis unter einen Hut gebracht werden müssen, lautet Dicks Erfahrung. Sehr viel Eigeninitiative sei bei dieser Form der Ausbildung gefragt.

Dafür hat PIA durch die finanziellen Vergütung noch einen weiteren Vorteil. Sie wird attraktiv auch für Menschen, die ,wie Lidia Dick von sich sagt, „mitten im Leben stehen“. Sie hatte nach ihrer Sozialhelferausbildung bereits als Honorarkraft gearbeitet. „Die Älteste in meiner Klasse ist 54 Jahre“, berichtet sie. Die verschiedenen Altersklassen ergänzten sich und bereicherten den Unterricht. Auch Schütte, beobachtet großes Interessen jenseits der klassischen Zielgruppe, etwa bei Rückkehrern aus der Elternzeit oder Berufswechslern, die in der Ausbildung eine neue Chance suchen. Doch die Bewerber weiter einschlägige Erfahrung, betont sie. Eine entsprechende Berufsausbildung, ein passendes Freiwilliges Soziales Jahr oder 900 Praktikumsstunden gehören zu den Voraussetzungen.

Besonders hilfreich, hoffen die Verantwortlichen, wird sich das PIA-Konzept im Kampf gegen den Fachkräftemangel im Kita-Bereich erweisen. Die Chancen stehen gut, denn anders als Dick sind die meisten PIA-Studenten derzeit mit einem Schwerpunkt im Kita-Bereich verankert.

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