Jobcenter sieht Teilhabechancengesetz als Erfolgsmodell
„Gebraucht werden verleiht Flügel“

Kreis Warendorf -

In einer ersten Pilotmaßnahme der DEULA und des Vereins Impulse e.V. in Warendorf haben bis jetzt 42 Menschen, die zum großen Teil länger als fünf Jahre arbeitslos waren, einen Riesenschritt in Richtung des Arbeitsmarktes gemacht – mit überraschenden Erkenntnissen für alle Beteiligten. Möglich gemacht hat dies unter anderem das „Teilhabechancengesetz“ des Bundesarbeitsministerium.

Donnerstag, 10.10.2019, 05:00 Uhr
Martin Hanewinkel (Jobcenter, Sachgebietsleiter), Simone Grasemann (Jobcenter, Koordinatorin der Maßnahme), Andrea Elisa Roscher (Deula Geschäftsleitung), Julia Neuhaus (Deula Bildungsberatung), Peter Berding (Impulse e.V., Geschäftsführer) und André Fuckner (Impulse e.V., Projektkoordinator) (v.l.) freuen sich über den Erfolg des Pilotprojektes,
Martin Hanewinkel (Jobcenter, Sachgebietsleiter), Simone Grasemann (Jobcenter, Koordinatorin der Maßnahme), Andrea Elisa Roscher (Deula Geschäftsleitung), Julia Neuhaus (Deula Bildungsberatung), Peter Berding (Impulse e.V., Geschäftsführer) und André Fuckner (Impulse e.V., Projektkoordinator) (v.l.) freuen sich über den Erfolg des Pilotprojektes, Foto: Deula

4553 Arbeitslose bezogen im Kreis Warendorf im August Leistungen nach dem SGB II. Aber ein Großteil von ihnen will arbeiten. Einzig und allein ein paar Handicaps verhinderten dies. Denn sie sind in ihrem Leistungsvermögen so eingeschränkt, dass sie dem Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt nicht standhalten können. Deshalb hat das Bundesarbeitsministerium Anfang 2019 das „Teilhabechancengesetz“ in Kraft treten lassen. Durch Zuschüsse an Arbeitgeber und ein Coaching während der Beschäftigungen sollen Langzeitarbeitslose in Unternehmen integriert werden.

In einer ersten Pilotmaßnahme der Deula und des Vereins Impulse haben bis jetzt 42 Menschen, die zum großen Teil länger als fünf Jahre arbeitslos waren, einen Riesenschritt in Richtung des Arbeitsmarktes gemacht – mit überraschenden Erkenntnissen für alle Beteiligten, heißt es in einer Mitteilung.

„Zum ersten Mal seit ewig langer Zeit habe ich mal das Gefühl, gebraucht zu werden!“ Roland ist 61 Jahre alt. Über 30 Jahre hat er als Programmierer gearbeitet. Als er 56 war, hat ihn sein Arbeitgeber durch ein „jüngeres Modell“ ersetzt. Die Zeit der Arbeitslosigkeit, der Bewerbungstrainings, der Praktika und der Zurückweisungen hat ihn misstrauisch und verschlossen gemacht. Bis zum Mai 2019. Da hat er, ohne große Hoffnungen, eine Maßnahme an der Deula in Warendorf begonnen. Heute ergreift Roland die Initiative. Er hat seinen Kampfgeist und sein Selbstbewusstsein wiedergewonnen und sucht aktiv eine Arbeit. Einen Job, der das rückgängig macht, was ihn am meisten belastet – ein Hartz IV-Empfänger zu sein.

André Fuckner ist Projektkoordinator beim Verein Impulse und hat die Verwandlung über die neun Wochen des Projektes erlebt: „Roland steht exemplarisch für alle Menschen, die mit uns dieses Projekt durchlaufen. Jeder von ihnen hat eine Vorgeschichte und keiner von ihnen hat sich die Langzeitarbeitslosigkeit als Lebensmodell ausgesucht.“

In enger Kooperation mit dem Jobcenter des Kreises Warendorf arbeiten Jobcoaches und Betriebsakquisiteure vom Verein Impulse sowie Ausbilder der Deula mit den Teilnehmern dieses Pilotprojektes. Die attestieren dem Projekt, anders zu sein als alles, was sie zuvor an Maßnahmen durchlaufen haben: Zwei Wochen „Aktivierungsphase“, danach vier Wochen praktische Arbeit, um herauszufinden, in welchem Arbeitsbereich sich die Teilnehmer einsetzen wollen. Und schließlich das dreiwöchige Modul „Vermittlung in Arbeit“, bei dem Praktika und Unterstützung bei den Bewerbungen den Schritt in die echte Arbeitswelt erleichtern sollen.

Die Vermittlungsquote sei zurzeit schon zufriedenstellend, nicht zuletzt, weil das Jobcenter über fünf Jahre die Lohnkosten der Teilnehmer unterstützt. Aber das sei gut investiertes Geld, betont Martin Hanewinkel, Sachgebietsleiter im Jobcenter. „Die Beschäftigten gewinnen eine neue Lebensqualität, erfahren Teilhabe am Arbeitsleben und erzielen ein eigenes Einkommen. Und die Unternehmen gewinnen motivierte Mitarbeiter.“

Für die Mitarbeiter von Deula und Impulse ist das Pilotprojekt eine Herausforderung, „weil die Probleme vieler unserer Teilnehmer völlig individuell angegangen werden müssen“, erklärt deren Geschäftsführer Björn Plaas. „Hier werden wir mit Einzelschicksalen konfrontiert, die wir erstmal lösen müssen – oft in der Eins-zu-Eins-Betreuung. Aber wir brauchen diese Menschen am Arbeitsmarkt, und dieses Gefühl des Gebraucht werdens verleiht den Teilnehmern Flügel!“

So wie bei Dimitri, der nach einem schweren Autounfall lange arbeitsunfähig war und sich nach der Genesung nichts mehr zugetraut hat. Das hat sich geändert. Er arbeitet inzwischen als Hausmeister-Gehilfe. Ursprünglich brauchte Dimitri seinen ganzen Mut für die Bewerbung auf eine Halbtagsstelle, aber schon im Vorstellungsgespräch wurde vereinbart, dass er auch Vollzeit arbeiten soll. Für Dimitri die richtige Entscheidung, denn „es gibt so viel zu tun und die Arbeit macht mich glücklich!“

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