Tischner: Lehrstellen in Kleinbetrieben gehen dauerhaft verloren
Mindest-Ausbildungsvergütung ist der falsche Weg

Kreis Warendorf -

Die Mindest-Ausbildungsvergütung soll die Abbrecherquote in der Ausbildung senken: „Das Ziel ist löblich, der mit diesem Gesetz eingeschlagene Weg führt aber nicht dorthin“, meint Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf.

Sonntag, 27.10.2019, 11:01 Uhr aktualisiert: 27.10.2019, 12:00 Uhr
Frank Tischner ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.
Frank Tischner ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Der Bundestag hat die Einführung eines Azubi-Mindestlohns im nächsten Jahr beschlossen. Auszubildende im ersten Lehrjahr sollen mindestens 515 Euro im Monat bekommen. Der Betrag wird in den folgenden Jahren schrittweise erhöht auf bis zu 620 Euro monatlich. Auch im zweiten und dritten Ausbildungsjahr gibt es mehr. Ab 2024 soll der Azubi-Mindestlohn automatisch mit der Entwicklung der Lehrlingsgehälter steigen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will mit dem Gesetz die Zahl der Ausbildungsbrecher verringern.

„Das Ziel ist löblich, der mit diesem Gesetz eingeschlagene Weg führt aber nicht dorthin“, meint Frank Tischner , Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf, in deren Einzugsbereich sich 4500 junge Leute in Ausbildung befinden. Für die meisten Ausbildungsberufe im Handwerk wird jetzt schon mit der tariflichen Ausbildungsvergütung teilweise deutlich über den im nächsten Jahr geltenden Azubi-Mindestlohn gezahlt. „Selbst im Friseurhandwerk, das für die Befürworter einer Mindestlohn-Lösung immer für eine Horror-Meldung gut ist, liegt die Vergütung in NRW mit 540 Euro im ersten Ausbildungsjahr über der Mindest-Ausbildungsvergütung. Im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen ist dies vielleicht wenig, aber die Zahl der Ausbildungsabbrüche bei den Friseuren ist nicht höher als in anderen Branchen“, so Tischner. Für ihn ist es ein deutliches Zeichen dafür, dass die Höhe der Ausbildungsvergütung nicht ausschlaggebend ist für einen Ausbildungsabbruch. Tischner ist überzeugt: „Mit den Steigerungen des Mindest-Azubi-Lohns gehen Ausbildungsplätze in Klein- und Kleinstbetrieben dauerhaft verloren.“

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