Landwirte-Protest
Demo in Berlin: Bauern überreichen „Sorgenkiste“

Kreis Warendorf/Berlin -

„Irre, was hier los ist.“ Bernd Degener, Landwirt aus Beckum, traut seinen Augen nicht. Die Straße zur Siegessäule in Berlin ist von Treckern belagert. Zehntausende Landwirte aus dem ganzen Bundesgebiet demonstrieren am Dienstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Auch aus dem Kreis Warendorf haben sich 150 Landwirte – 30 von ihnen mit ihren Schleppern – der bundesweiten Sternfahrt angeschlossen.

Dienstag, 26.11.2019, 16:11 Uhr aktualisiert: 29.11.2019, 08:21 Uhr
Die Bewegung „Land schafft Verbindung“ hat eine „Sorgenkiste“ gebaut. Alle Landwirte, die nicht mit nach Berlin reisen konnten, hatten die Möglichkeit, ihre Sorgen zu Papier zu bringen und in die Kiste werfen. Sie wurde den Ministerinnen Schulze und Klöckner überreicht. Rechts im Bild Johannes Henkelmann aus Wadersloh.
Die Bewegung „Land schafft Verbindung“ hat eine „Sorgenkiste“ gebaut. Alle Landwirte, die nicht mit nach Berlin reisen konnten, hatten die Möglichkeit, ihre Sorgen zu Papier zu bringen und in die Kiste werfen. Sie wurde den Ministerinnen Schulze und Klöckner überreicht. Rechts im Bild Johannes Henkelmann aus Wadersloh. Foto: Silke Monzlinger

Unter ihnen ist Bernd Degener . Er war um 6 Uhr morgens mit einem Sonderzug zur Kundgebung der Bewegung „Land schafft Verbindung“ angereist. Bereits im Oktober hatte die Initiative tausende Bauern für eine Protestfahrt zum Landwirtschaftsministerium nach Bonn mobilisiert. Es folgten landesweit Trecker-Konvois durch zahlreiche Städte und eine Demo in Hamburg.

Ministerin Schulze hat sich auf der Bühne kurz gefasst. Die Bauern haben sie mit eisiger Kälte empfangen. Aber keiner hat gebuht.

Bernd Degener (Landwirt aus Beckum)

Dort demonstrierten die Landwirte in erster Linie gegen die verschärfte Düngeverordnung und das Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten. Denn viele Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht und haben Sorge, aufgrund immer schärferer Naturschutzvorschriften künftig nicht mehr wirtschaftlich arbeiten zu können. Dabei demonstrieren die Landwirte keineswegs gegen Grundwasserschutz oder gegen Insektenschutz. Im Gegenteil: Seit Jahren engagieren sie sich für besseren Grundwasserschutz, den Schutz der Artenvielfalt und mehr Tierwohl. Aber sie erwarten Augenmaß. Und endlich faire Preise für ihre qualitativ sehr hochwertigen Produkte.

Die Beckumer Junglandwirte (v. l.) Michael Tigges und Andreas Willenbrink waren früh morgens mit dem Sonderzug angereist.

Die Beckumer Junglandwirte (v. l.) Michael Tigges und Andreas Willenbrink waren früh morgens mit dem Sonderzug angereist.

„Ich bin froh, dass es bislang friedlich gelaufen ist“, sagt Degener. „Ministerin Schulze hat sich auf der Bühne kurz gefasst. Die Bauern haben sie mit eisiger Kälte empfangen. Aber keiner hat gebuht.“ Derzeit spreche gerade Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner .

Bauernprotest: Traktor-Corso im Münsterland

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  • Der Protest richtet sich gegen mangelnde Wertschätzung der Bauern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Verkehrschaos durch Traktor-Demo.

    Foto: Jürgen Christ
  • Foto: Jürgen Christ
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  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
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  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Diverse
  • Foto: Hubertus Kost
  • Foto: Hubertus Kost
  • Foto: Johannes Oetz

Der Wortbeitrag der Landwirtschaftsministerin ist nach Meinung der Beckumer Junglandwirte Michael Tigges und Andreas Willenbrink viel konkreter. „Frau Klöckner hat ihre Dialogbereitschaft betont. Das wurde allerdings schon oft angekündigt. Wir wollen jetzt Taten sehen“, meint Willenbrink. Er freut sich vor allem über den großen Zusammenhalt, der unter den Landwirten spürbar sei.

Im Gespräch mit den Landwirten (v. l.): Thomas Steinhoff, Matthias Finkenbrink, Egbert Lammert, Reinhold Sendker (MdB), Bernd Degener und Thomas Schulze Frölich.

Im Gespräch mit den Landwirten (v. l.): Thomas Steinhoff, Matthias Finkenbrink, Egbert Lammert, Reinhold Sendker (MdB), Bernd Degener und Thomas Schulze Frölich.

Auch der Bundestagsabgeordnete Reinhold Sendker (CDU) traf sich am Brandenburger Tor mit heimischen Landwirten und informierte sich über die Stimmung. Diese sei zunehmend schlecht, berichteten Thomas Steinhoff, Matthias Finkenbrink, Egbert Lammert, Bernd Degener und Thomas Schulze Frölich. Der Bestand der bäuerlichen Familien schrumpfe, Lidl & Co. machten die Preise kaputt.

Reinhold Sendker (MdB, CDU) im Gespräch mit Susanne Schulze Bockeloh (WLV)

Die heißen Sommer in diesem und letzten Jahr hätten die Situation zusätzlich verschärft und Forderungen aus Brüssel nach strengeren Düngeregeln, das Insektenschutzprogramm und das Klimaschutzpaket täten ihr übriges. Hinzu kämen negative Stimmungsmache und ein Bauern-Bashing, das derzeit groß in Mode sei. Sendker betonte, die Agrarpolitik müsse sowohl den Bedürfnissen von Landwirten als auch Verbrauchern Rechnung tragen und vor allem die gute fachliche Praxis berücksichtigen.

Mit Blick auf die oft fehlende Wertschätzung gegenüber dem Berufsstand der Landwirte setzt der Bundestagsabgeordnete auf eine gesellschaftspolitische Neuausrichtung. „Wir müssen landwirtschaftliche Familienbetriebe langfristig stärken und den Landwirten die gesellschaftliche Anerkennung geben, die sie verdienen.“

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