Bauamt wird digitalisiert
Mit Papier ist bald Schluss

Kreis Warendorf -

Immer wieder kritisieren Bauherren, Architekten oder Gutachter, dass es bei den Bauanträgen zu lange dauert. Was die meiste Zeit im Bauamt verschlingt ist die bisher analoge Arbeitsorganisation.

Samstag, 04.01.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 14:41 Uhr
Sigurd Peitz (l., Bauamtsleiter des Kreises) freut sich mit Stephan Niebrügge, dem stellvertretenden IT-Leiter, dass künftig auch alle Baupläne digital im Rechner sind und einfach abgerufen werden können. Dazu werden sie gescannt.
Sigurd Peitz (l., Bauamtsleiter des Kreises) freut sich mit Stephan Niebrügge, dem stellvertretenden IT-Leiter, dass künftig auch alle Baupläne digital im Rechner sind und einfach abgerufen werden können. Dazu werden sie gescannt. Foto: Peter Sauer

Etliche Akten und Baupläne werden immer noch hin und hergetragen. Das soll sich bis Ende 2021 ändern. Bis dahin will die Kreisverwaltung das Projekt „Digitales Bauamt“ realisieren, als eine von sechs Modellkommunen des Landes NRW.

Mehr als 3000 Verfahren beschäftigen die insgesamt 45 Mitarbeiter des Kreisbauamtes, das für neun Städte und Gemeinden im Kreis zuständig ist. Davon sind allein 1200 Baugenehmigungsverfahren, beim Rest geht es um Bauüberwachung,Vorprüfung und Beratung. „Entscheidend ist stets die Frage, was können wir machen, um schneller zu werden“, sagt Kreisbauamtsleiter Sigurd Peitz im Gespräch mit dieser Zeitung. „Verlässlichkeit und Verbindlichkeit – daran arbeiten wir.“

Die Ziele sind klar gesteckt: bei Wohnprojekten sollen in 30 Arbeitstagen 70 Prozent aller Bauanträge bearbeitet sein, beim Gewerbe in 40 Tagen die 70 Prozent und bei Landwirtschaft und Sonderbauten sollen die 70 Prozent aller Bauanträge in 50 Tagen erledigt sein.

Nutzer des digitalen Bauamtes werden neben den Gutachtern vor allem Architekten sein. Aktuelle Baupläne können dann per Knopfdruck eingesehen werden, und in einem weiteren Schritt bearbeitet und kommentiert werden.

„Die Bauherren können sich jederzeit informieren, wie der aktuelle Stand ihres Bauvorhabens ist“, betont Bauamtsleiter Sigurd Peitz den direkten Vorteil für die Bürger. Auch Banken können sich schnell einen guten Einblick verschaffen. In der analogen Welt dauert das Hin- und Her der Dokumente per Post beziehungsweise der Besuche rund zwei Wochen. „Diese Zeit spart man künftig auf jeden Fall ein“, sagt Bauamtsleiter Sigurd Peitz. Und man ist sehr flexibel. „Ortsunabhängig kann man dann von überall Pläne und Unterlagen einsehen und bearbeiten“, erläutert Peitz, „das erleichtert auf beiden Seiten des Bauantrags die Arbeitsprozesse“. Außerdem wird ein erheblicher Papierberg abgebaut, mitsamt den Lagerräumen der analogen Bauanträge.

Sigurd Peitz steht im regen Austausch mit dem Kreis Gütersloh. „Die arbeiten bereits seit zehn Jahren digital – und dass sehr erfolgreich.“

Die Umstellung auf das rein digitale Arbeiten stellt für das Kreisbauamt einen Kraftakt da: von der Konzeption, Schulung der Mitarbeiter, technischen Umsetzung bis hin zur Information der Bürger. „Da müssen viele kleine Rädchen ineinander greifen“, sagt Sigurd Peitz., Viel zu tun haben der stellvertretende IT-Leiter Stephan Niebrügge und seine Kollegen: „Mit der Software sind wir schon sehr weit.“ Nun wartet der Kreis noch auf eine Service-Plattform des Landes (ab 2021), die der Kreis gut mitnutzen kann. Das Bauportal (Nutzung für jeden Bürger per Log In durch den digitalen Personalausweis) soll bereits vor Ostern 2020 in Betrieb gehen – so der bisherige Sachstand.

In einem ersten Schritt soll es beim Kreis möglich sein, den Bauantrag komplett digital einzureichen zu können. „Die Bürger beziehungsweise die Architekten müssen dazu nicht mehr mit den Plänen ins Bauamt kommen und sparen ihrerseits Wege und Zeit“, freut sich Peitz.

Für die Liegenschaftskarte werden die Kosten geringer. Statt der üblichen 30 Euro muss bei der Online-Bestellung beziehungsweise Online-Ausleihe nur noch 15 Euro bezahlt werden. „Sobald bezahlt wurde, ist der Link zum Downloaden da“, erläutert Peitz.

Auch die Mitarbeiter des Bauamtes müssen künftig nicht mehr die unförmigen Baupläne aus den Schränken holen und in langen Rollen transportieren, sondern haben nur noch handgroße Ipads, mit denen sie auf der Baustelle ganz praktisch und multiperspektivisch Einsicht in alle Pläne und Dokumente haben und diese vor Ort abgleichen beziehungsweise optimieren können. Auch das spart Zeit und Arbeit.

Künftig gibt es online auch einen Zuständigkeitsfinder, der große Erleichterung verspricht. (Wer ist in meinem Wohnort für was zuständig? Welche Anträge müssen gestellt werden? Der stellvertretende IT-Leiter des Kreises, Stephan Niebrügge, freut sich: „Demnächst gibt es auch Schrägluftbilder, die gehen in Richtung 3D.“

Für die Digitalisierung der Altbestände und der neuen Pläne gibt es ab Januar 2020 einen neuen Raum, die Scanstelle. Die Daten lagern sicher auf leistungsstarken virtuellen Servern. „Sehr gut ist es auch, dass wirklich alle Mitarbeiter hinter dem digitalen Bauamt stehen, sich schulen lassen und sich freuen, dass es bald digital losgeht“, sagt Sigurd Peitz.

Das Bauamt des Kreises bemüht sich gerade etwas Zeit aufzuholen. Die ging verloren, weil das Kreisbauamt wegen eines Personalengpasses sechs Monate lang die Bauaufsicht der Stadt Warendorf übernommen hatte und zudem die neue Landesbauordnung kam.

„Durch Effizienz im vierten Quartal 2019 sind wir aber zuversichtlich wieder unser hohen Zeitstandards erfüllen zu können“, zeigt sich Kreisbauamtsleiter Sigurd Peitz optimistisch. „Die Erhöhung der Servicequalität für Bürger und Unternehmen durch das digitale Bauamt liegt uns sehr am Herzen.“

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