Historiker wollen Fall öffentlich machen
Vikar nach Missbrauch in Stromberg tätig

Oelde-Stromberg -

Und wieder ein Fall von sexuellem Missbrauch durch Priester: Auch in Oelde-Stromberg war 1983 für einige Monate ein Vikar eingesetzt, dem sexuelle Übergriffe – sowohl gegenüber Frauen als auch gegenüber Jungen – vorgeworfen werden.

Mittwoch, 08.01.2020, 18:15 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 23:32 Uhr
Neue Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche – dieses Mal geht es um einen Vikar, der in Stromberg tätig war.
Neue Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche – dieses Mal geht es um einen Vikar, der in Stromberg tätig war. Foto: Borck

Nach Wadersloh und Warendorf ist dies der dritte Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Geistlichen, der im Kreis Warendorf im Einsatz war. Der Vikar, der in Stromberg tätig war, soll Anfang 1983 in Neuscharrel (Ortsteil von Friesoythe) einen damals neunjährigen Jungen missbraucht haben. Dessen Mutter hatte danach die Verantwortlichen der Kirche vor Ort informiert. Daraufhin war der Geistliche sofort in das Dinklager Benediktinerinnenkloster gebracht worden. Anklage wegen sexuellen Missbrauchs erhob niemand.

Allerdings blieb der Priester auch nicht lange im Kloster. Wegen anhaltender Alkoholprobleme ging er für fast sechs Monate in eine Suchtklinik. Darauf folgte die Tätigkeit in Stromberg. Auch dort war der Mann nur kurze Zeit im Einsatz. Es folgten mehrere Stationen – zuletzt war es ein Verwaltungsjob im Dekanat Warendorf. In der Kreisstadt ist der bereits 1985 laisierte Priester im Jahr 2016 dann auch verstorben. Die Laisierung (Entlassung eines Priesters aus dem Klerikerstand) war dem Beschuldigten ein Jahr zuvor nahegelegt worden.

Fälle werden Öffentlichkeit vorgestellt

Die Bischöfliche Pressestelle teilte auf Nachfrage mit, dass die Akte über diesen Fall des sexuellen Missbrauchs bei der Kommission der Universität Münster liege, die alle Fälle im Bistum untersucht. Das bestätigte Prof. Dr. Klaus Große Kracht. „Wir haben kompletten Aktenzugang. Da wird uns nichts vorenthalten.“

Eine Bewertung der innerkirchlichen Vorgänge – ob es zum Beispiel systematische Vertuschung im Zusammenhang mit Missbrauch durch die Kirchenleitung gab – sei derzeit zu früh, so Große Kracht. Geplant sei aber, im Frühjahr erste Fälle der Öffentlichkeit vorzustellen. Dabei soll auch dieser Fall berücksichtigt werden. Die Historiker erhoffen sich davon auch neue Hinweise.

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