Gewerkschaft NGG: 72 Prozent in Kurzarbeit
Kleine Betriebe stark betroffen

Kreis Warendorf -

Alle Branchen sind unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen. Besonders schlimm sind laut der Gewerkschaft NGG Hotellerie und Gastronomie betroffen: fast drei Viertel aller Betriebe.

Montag, 04.05.2020, 17:24 Uhr
Kaum eine Branche ist so stark von den Corona-Einschränkungen betroffen wie die Gastronomie und Hotellerie.
Kaum eine Branche ist so stark von den Corona-Einschränkungen betroffen wie die Gastronomie und Hotellerie. Foto: NGG

Mit Kurzarbeit durch die Krise: Im Kreis hat seit Beginn der Coronavirus-Pandemie ein Drittel aller Unternehmen (33 Prozent) Kurzarbeit angemeldet. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die NGG beruft sich hierbei auf neueste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Danach haben bis Ende April 2141 der insgesamt 6512 Betriebe im Kreis Kurzarbeitergeld bei der BA beantragt. Zum Vergleich: Zu Beginn der Corona-Krise im März waren es noch 120 Firmen. Helge Adolphs , Geschäftsführer der NGG-Region Münsterland, spricht von einer „Erschütterung auf dem heimischen Arbeitsmarkt“.

„Die Branche liegt seit Wochen weitgehend brach.

Helge Adolphs

Besonders betroffen ist das Gastgewerbe. „Die Branche liegt seit Wochen weitgehend brach. Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpfen ums Überleben. Es ist gut, dass die Bundesregierung ein riesiges Rettungspaket für die Unternehmen geschnürt hat. Aber für die Beschäftigten kommt die beschlossene Erhöhung des Kurzarbeitergeldes zu spät“, so Adolphs. So steigt das Lohnausfallgeld erst nach sieben Monaten Kurzarbeit auf 80 Prozent (Eltern: 87 Prozent) des Netto-Einkommens. Für Köchinnen, Kellner und Hotelangestellte sei das eine enorme Durststrecke. „Vielen wird nur der Gang zum Sozialamt oder zum Job-Center bleiben.“ Eine Mitverantwortung für die Lage trage auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga): Anders als etwa in der Systemgastronomie weigerten sich die Arbeitgeber bis heute, das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag aufzustocken.

Umso wichtiger sei nun, eine Perspektive für die langsame Wiederbelebung des Gastgewerbes zu finden. Bei jedem Restaurant, das im Kreis Warendorf wieder öffnen wolle, müssten die Behörden kontrollieren, ob die Schutzmaßnahmen für die Gäste ausreichen, so die NGG. Um die Beschäftigten optimal vor Infektionen zu schützen, sei eine gründliche Gefährdungsbeurteilung nötig. Bis ein „Stück Normalität“ in die Branche einziehe, bleibe der Schaden für Beschäftigte und Betriebe groß. Nach Angaben der Arbeitsagentur haben bis Ende April bundesweit 751 000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet – 115 000 davon im Hotel- und Gaststättengewerbe. Das sind damit 72 Prozent aller Betriebe der Branche.

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