Erfinderischer Friseurmeister auf „Tournee“
„Trude“ soll Hoffnung machen

KREIS WARENDORF -

Corona muss einen Betriebsinhaber nicht wirtschaftlich lähmen. Friseur Frank Brormann beispielsweise gab Gas. Buchstäblich. In seinem Bus namens „Trude.“

Donnerstag, 24.09.2020, 17:00 Uhr
Frank Brormann (weißes Hemd, vorderste Reihe) vor Teilnehmern eines seiner Seminare und seinem Friseur-Tourbus. Den hat er „Trude“ getauft, nach seiner verstorbenen Mutter.
Frank Brormann (weißes Hemd, vorderste Reihe) vor Teilnehmern eines seiner Seminare und seinem Friseur-Tourbus. Den hat er „Trude“ getauft, nach seiner verstorbenen Mutter. Foto: Danial Shekar

Mit einem alten amerikanischen Bus ist Frank Brormann , eigentlich Inhaber eines Oelder Friseursalons, derzeit auf Tour durch Deutschland. Die Aktion ist der Pandemie geschuldet. Trotz Corona ginge viel, man müsse es nur machen, betont er. Als die Friseurmesse abgesagt worden sei, da habe er viel Geld verloren. „Da hieß es für mich: aufgeben oder weitermachen“, erinnert sich der Erfinder des „Calligraphy Cuts“. Er hat sich für Letzteres entschieden. „Ich möchte den Kollegen Hoffnung machen“, sagt Frank Brormann.

Anfang Juli kaufte er den amerikanischen Bus und baute diesen mit der Familie und Freunden in fünf Wochen um. Gleich als Brormann den Schulbus zum ersten Mal sah, wusste er: Der ist es. Es war ein Detail, das ihn dazu bewog, genau diesen zu erwerben. „Auf dem Bus prangte die Seriennummer 7707. Drei mal sieben macht 21, und das ist exakt der Winkel, mit dem wir die Haare calligraphieren.“

„First Place, das ist Familie. Deshalb habe ich den Bus ,Trude’ getauft. Nach meiner verstorbenen Mutter Gertrude“, erklärt Brormann. An die erste Probefahrt des 7,60 Meter langen, 3,50 Meter hohen und 2,40 Meter breiten Busses erinnert er sich noch sehr gut. „Ich konnte nur 60 Stundenkilometer auf der Autobahn fahren. Der Grund war ein Isolierkabel, das unter dem Gaspedal lag. Am Ende lief er dann 120“, ist der Münsteraner froh, dass der Grund nur diese Kleinigkeit war.

Ich konnte nur 60 Stundenkilometer auf der Autobahn fahren.

Frank Brormann

Seit Ende August ist Brormann mit seinem Vehikel unterwegs. Coronabedingt zieht er mit seinem Team durch Deutschland, hält Seminare, gibt Präsentationen und besucht Partnersalons. Dabei hat er festgestellt: „Friseure sind trainiert auf die Corona-Maßnahmen.“

Fünf Städte standen auf dem Programm. In Hamburg, Köln, München und Frankfurt war er bereits. Die letzte Station ist Berlin, wo der Unternehmer am kommenden Wochenende spricht. In dem Rahmen gibt es zudem ein Empathie-Seminar mit Dr. Bernd Ahrens und dessen Team. „Friseure kümmern sich um Menschen und denken, sie seien empathisch. Sie machen aber viel falsch dabei. Ich verbringe gemeinsame Lebenszeit mit den Menschen, die zu mir kommen, und möchte ihnen vermitteln: ,Du bist wichtig‘. Empathie ist auch Verständnis, und es geht darum, Lösungen zu finden“, sagt Brormann.

Seine Seminare sind ziemlich gefragt. Alle waren ausverkauft. Es gab sogar Wartelisten. „Das, was ich mache, ist ein Start-up. Ich möchte nicht der Retter in der Not sein, aber das traut sich sonst niemand“, so der mehrfach ausgezeichnete Friseurmeister.

Nächstes Jahr wieder auf Tour

Kurz vor der letzten Station zieht der Inhaber des Oelder Friseursalons „360 Grad Haare“ ein durchweg positives Fazit hinsichtlich des „Calligraphy-Cut“-Roadtrips. Auch wenn es kräftezehrend gewesen sei, ihm mache das, was er erlebt hat, Hoffnung. Eines hat er allerdings festgestellt. Die Freundlichkeit bleibt manchmal auf der Strecke. Nicht nur in den Salons. „Da müssen die Dienstleister aufpassen. Die Pandemie wird uns noch lange begleiten“, warnt der Erfinder.

Am Dienstag kehrt er zurück in sein Zuhause. „Ich werde die ,Trude’ vermissen. Sie ist für mich wie ein geschützter Raum“, gibt der Unternehmer zu. Technisch wird sie jetzt gepflegt und optimiert. Damit die „Dame“ im kommenden Jahr erneut auf Tour gehen kann.

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