Ahlen
Immer montags Jojo-Effekt an den Zapfhähnen

Mittwoch, 17.03.2010, 09:03 Uhr

Ahlen - Der Fahrer des letzten Wagens hat sicherheitshalber die Warnblinkanlage eingeschaltet. Er steht am Ende der Schlange, die sich vor der „Go“-Tankstelle von Bilal Alpaslan an der Hammer Straße gebildet hat. „Das ist ja super“, sagt Alexander Piel, „Da kann ich nicht einfach vorbeifahren, das Nachtanken lohnt doppelt.“ Sagts und füllt den Tank mit Normalbenzin zum Preis von rund 1,30 Euro.

„Montag ist Tanktag, schon seit etlichen Monaten. Ich glaube seit Oktober“, erinnert sich RCG-Marktleiter Heinz Jasper am Eingang zum Gewerbegebiet Kleiwellenfeld, das auch an der Hammer Straße liegt. Mit bis zu 60 Prozent mehr Kunden ist der Montag und öfters auch der frühe Dienstagmorgen die umsatzstärkste Zeit, was die Mineralöle angeht. Doch wie kommt es eigentlich zu den enormen Schwankungen? „Wir stehen in direktem Kontakt mit dem Großhändler in Gelsenkirchen. Der reagiert ganz schnell auf die Ausschläge an den Börsen - und wir geben das dann an die Kunden weiter“, erklärt Rahmi Akubulut, Betreiber der freien Tankstelle .

Das geschieht sehr zur Freude der Kunden. Nicht wenige kommen gar mit Kanistern aus Beckum und Umgebung. „Das lohnt sich richtig. Damit tanke ich den Wagen meiner Frau auch erstmal voll“, schmunzelt Herbert Sander aus Beckum, der gleich zwei große 20-Liter-Blechkanister mit „Super“ füllt.

Für die zwischen Montag und Samstag so stark schwankenden Preise haben die Kunden bei aller Freude doch nur wenig Verständnis: „Ich glaube, die ziehen uns sonst ab. Wo gibts denn so was? Die Multis könnens ja machen“, erbost sich ein Autofahrer. „Das ist in der Tat ein Problem, die Schwankungen sind schwer zu vermitteln“, hat Marktleiter Jasper erfahren. Immer wieder erklären er und seine Kollegen an der südlichen Ausfallstraße ihren Kunden die Zusammenhänge. „Es ist ein sehr komplexes Geschäft. Immer wieder ist spielen eben Angebot und Nachfrage mit“, weiß Bilal Alpaslan. Tatsächlich, so sind sich die drei Tankstellenbetreiber einig, sind die Wochenendtouren und Urlaubsfahrten Preistreiber. Dazu kommt der direkte Weltmarkteinfluss, das Verhältnis von Dollar zu Euro und viele andere Faktoren.

„Mit ist das eigentlich egal, ich freue mich über den günstigen Sprit“, sagt der Beckumer Sander, als er die vollen Kanister in den Kofferraum wuchtet. Derweil hat Akubulut immer ein Auge auf den Monitor, der ihm die aktuellen Preisentwicklungen anzeigt. „Da, jetzt hat ein Ölproduzent die Preise angehoben“, schmunzelt der Tankstellenbetreiber, vor dessen Kasse die Schlange nicht abreißt. Da muss sogar das Telefonat mit Mutter kürzer ausfallen als sonst.

„Die Preise sind schon recht hoch, aber wir sind sicher, dass diese Montagspreise noch eine ganze Weile weiter so günstig bleiben“, prophezeit Heinz Jasper. Derweil warten die Tankstellenbetreiber ihrerseits auf den Tankwagen, der den dringend benötigten Nachschub bringt, sonst sind ihre Tanks bald wieder leer - wie die Tankstelle . . .

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