Ahlen
SPD in Ahlen erstmals seit fünf Jahren vor CDU

Dienstag, 11.05.2010, 13:05 Uhr

Ahlen - Wie soll es jetzt weitergehen? Diese Frage beherrschte am Tag nach dem Wahldebakel für Schwarz-Gelb in NRW die politischen Diskussionen auch in Ahlen. Eine abschließende Antwort darauf hatte noch niemand.

Berni Recker fährt heute morgen mit gespannter Erwartung nach Düsseldorf zur Sitzung des CDU-Fraktionsvorstandes. Anschließend werden zunächst die alte, danach die neue Landtagsfraktion zusammentreten. Inwieweit dabei schon personelle Weichen-stellungen erfolgen, sei offen, sagt Recker, denn vieles hänge davon ab, ob die CDU weiter an der Regierung beteiligt sein werde oder nicht. Was er natürlich hofft. „Eine Große Koalition wäre unter diesen Vorzeichen das Beste für das Land“, ist der Ahlener Abgeordnete überzeugt, der sein Direktmandat im Wahlkreis Warendorf II am Sonntag, wenn auch mit Verlusten, verteidigt hat. Er fürchte aber, so Recker, „dass Frau Kraft eine Regierungsbildung mit Hilfe der Linken versuchen wird“. Leid täte es ihm besonders für Minister wie Karl-Josef Laumann oder Armin Laschet, die beide auch in Ahlen im Wahlkampf aufgetreten sind, wenn sie ihre Posten räumen müssten. „Die haben ei­nen guten Job gemacht“, findet er.

Das sieht die Ahlener SPD-Stadtverbandsvorsitzende Gabi Duhme etwas anders. Sie glaubt, dass nicht nur bundespolitische Einflüsse wahlentscheidend waren, sondern die Düsseldorfer CDU/FDP-Koalition auch für eigene Fehler und Versäumnisse abgestraft worden ist. Zum Beispiel in der Bildungspolitik. „Längeres gemeinsames Lernen, das war im Wahlkampf ein ganz wichtiges Thema“, sagt Duhme. Ein Wahlkampf im Übrigen, der „endlich mal wieder richtig Spaß gemacht“ habe, „weil man nicht mehr ständig nur wegen Hartz IV angemeiert wurde“.

Über das „ganz ordentliche Ahlener Ergebnis“ hätten sie und ihre Genossen sich „natürlich gefreut“, so Gabi Duhme im Gespräch mit der „AZ“. Immerhin liegt die SPD in der Wersestadt zum ersten Mal seit fünf Jahren, nach mehreren in Serie verlorenen Wahlen, vor der CDU. Doch schon vor Sonntag hat Duhme festgestellt: „Die Stimmung in der Partei ist wieder besser, das Selbstwertgefühl kehrt zurück.“

Der Ausgang auf Landesebene mit der entstandenen Pattsituation hat die „Sozis“ auf ihrer Wahlparty am Sonntagabend im Stadthallen-Restaurant freilich nicht in allzu großen Jubel ausbrechen lassen, wie Gabi Duhme verrät. Bleibe der SPD doch „wieder einmal nur die Wahl zwischen Pest und Cholera“ - zwischen einer Großen Koalition und einer wie auch immer gearteten Zusammen­ar­beit mit den Linken. Letzteres würde ihr persönlich „Bauchschmerzen“ bereiten, aber die SPD als „Juniorpartner“ von Rüttgers könne sie sich genauso wenig vorstellen. „Ich möchte nicht in der Haut von Hannelore Kraft stecken“, sieht die Ahlener Parteichefin die Landesvorsitzende in einer „Zwickmühle“.

„Wirklich traurig“, so Gabi Duhme, „sind wir, dass Annette Watermann-Krass nicht wieder im Landtag ist.“ Wenn es nun im ganzen Kreis Warendorf kein SPD-Abgeordnetenbüro mehr als Anlaufstelle für die Bürger gebe, sei das ein „Verlust für alle, nicht nur für die Partei“.

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