Ahlen
Kerkmann-Platz ein Symbol für Ahlens wirtschaftlichen Aufstieg

Montag, 16.08.2010, 18:53 Uhr

Ahlen - „Viele junge Leute“, weiß Udo Wagener, „können heute mit dem Namen Kerkmann gar nichts mehr anfangen.“ Dabei waren die beiden Industriellen maßgeblich daran beteiligt, dass sich Ahlen innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne zu einem Zentrum der deutschen Emaille-Industrie entwickelte. Töpfe, Pfannen und weitere Produkte aus der Wersestadt wurden damals zu echten Exportschlagern. In Zeiten, in denen Jugendliche eher mit dem Begriff „E-Mail“ etwas anfangen können als mit der Bedeutung jener vielfältig einsetzbaren Schmelzmasse namens Email, ist Aufklärung umso wichtiger.

Ein Fall für den Heimatförderkreis. Seit seiner Gründung hat sich der Verein die Dokumentation der Entwicklungsgeschichte Ahlens auf die Fahne geschrieben. Vorsitzender Heinrich Kemper und seine Mitstreiter regten daher die Erstellung eines Informationsschildes auf dem Gebrüder-Kerkmann-Platz an, das Aufschluss über die Namensgeber gibt. Jetzt wurde es angebracht.

„Solche Hinweisschilder informieren in erster Linie auswärtige Besucher, aber auch viele Menschen, die in dieser Stadt wohnen“, sagt Heinrich Kemper. An vielen Punkten hat der Heimatförderkreis bereits Schilder und Infotafeln anbringen lassen, hauptsächlich im historischen Stadtkern. Der Gebrüder-Kerkmann-Platz sei jedoch von besonderer Bedeutung, bescheibt Udo Wagener. Dieser Bereich stehe symbolisch für den Umbruch Ahlens von der beschaulichen Ackerbürgerstadt zur späteren Industriestadt im Grünen, also für den damals enorm schnellen Aufstieg in der heimischen Wirtschaft.

Tatsächlich befand sich der jetzige Platz einst außerhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigungen, erklärt Denkmalfachfrau Nicole Wittkemper. „Hier gab es viele freie, große Grundstücke, auf denen sich die Industrie ansiedeln konnte.“ Die „Kerkmann-Werke“ gehörten zu den ersten Betrieben, die sich unmittelbar an der Bahnlinie, im Schatten des früheren Osttores niederließen. „Aus dieser Zeit existieren heute nur noch zwei Gebäude direkt an der Bahnunterführung“, sagt Wittkemper. Darin befanden sich ursprünglich eine Wohnung und die Verwaltung der Fabrik. In der besten Zeit um 1909 waren laut Wittkemper 530 Arbeiter in der Emailproduktion beschäftigt. Etwas weiter stadtauswärts ließ die Familie Kerkmann außerdem eine repräsentative Villa errichten, die später zum Altenheim der Stadt Ahlen umgebaut wurde.

Ein Platz entstand an Stelle dieser ehemaligen Wirtschaftsblütezelle erst vor wenigen Jahren. Wo heute der „Marktkauf“ steht, befand sich bis 1998 mit dem Einrichtungshaus „Wohnkugel“, der Spedition Neuhaus und „Opel Köttendrop“ eine dichte Bebauung bis zur Straße.

Das Hinweisschild wird übrigens in Kürze noch einmal abmontiert, um dann mitten auf den Platz zu „wandern“ - an einen Ampelmasten. „Es soll deutlich sichtbar gemacht werden“, kündigt Bürgermeister Benedikt Ruhmöller an.

Weitere Hinweisschilder plant der Heimatförderkreis außerdem am „Dicken Stein“, an der Stadtbücherei und an der Alten Lateinschule.

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