Ahlen
Geschichten aus dem „Nachtjackenviertel“

Mittwoch, 01.09.2010, 16:09 Uhr

Ahlen - Wer heute durch die Hellstraße geht, mag kaum glauben, wie lebendig es hier in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten einmal zuging. Schuster, Metzger oder Wirte - wer hier wohnte, brauchte sein Quartier gar nicht verlassen, um sich mit Waren des täglichen Gebrauchs zu versorgen. Inzwischen führt die Verbindung, die um 1300 als Ausweichstrecke parallel zur vielbefahrenen Oststraße angelegt wurde, eher ein Schattendasein neben der heutigen Fußgängerzone. Der „ Tag des offenen Denkmals “ will deshalb den Blick schärfen für das, was die Hellstraße einst so besonders machte und das, was dort noch immer an Schönheiten und Kuriositäten zu entdecken ist. Am Sonntag, 12. September, bieten Stadthistorikerin Dr. Silke Eilers und Denkmalfachfrau Nicole Wittkemper durchgängig Führungen an.

„Ich finde es besonders beachtlich, dass ausschließlich Privathäuser ihre Türen öffnen“, sagt Matthias Bartmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Stadtplanung. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Karl-Heinz und Edith Schulte gehören dazu. Ihnen gehört das Haus Nummer 26 - ein kleinbürgerliches Wohnhaus, das sie von 1989 an mit viel Liebe zum Detail saniert haben. Ein Türbalken lässt zwar das Jahr 1849 als Erbauungszeit vermuten, doch die Recherchen der heutigen Eigentümer haben ergeben, dass es bereits im Brandkataster von 1770 erwähnt ist.

Andreas Blechmann und Familie Meierhenrich haben ihre Fachwerkhäuser erst in jüngerer Zeit aufwendig restauriert. „Zum Teil sind noch immer hier und da kosmetische Korrekturen nötig“, sagt Blechmann. Das vierte zu besichtigende Objekt ist das heutige „Gourmet-Lädchen“ von Mario Wesselmann, an dem auch die Führungen starten.

Zur Hellstraße hat Edith Schulte eine lange familiäre Beziehung. Schon ihre Oma habe dort gewohnt. „Früher sah das alles ganz anders aus. Es ist vieles abgerissen worden“, erinnert sie sich und nennt das Alte Gasthaus Deter als Beispiel. Sie spricht auch von den schmucken Kutschen, die immer sonntags nach der Messe durch die Straße fuhren. Beachtlich findet ihr Mann Karl-Heinz, dass in den kleinen Häuschen an der Hellstraße oft sieben Personen - oder auch mehr - gleichzeitig gewohnt haben.

Denkmalexpertin Nicole Wittkemper freut sich über solche Anekdoten, die über das hinausgehen, was Bauakten und Stadtpläne „erzählen“ können. „Wir hatten einen Aufruf an die Bürger gestartet, uns Fotos und Geschichten rund um die Hellstraße zur Verfügung zu stellen. Dabei ist so einiges zusammengekommen“, verrät sie. Zum Beispiel die „Geschichte vom Nachtjackenviertel “. Tatsächlich wurde ein Teil der Hellstraße zwischen Markt, Im Kühl und Südstraße so genannt, weil es dort einmal recht viele Gaststätten gab. „Da ist es wohl häufiger vorgekommen, dass die Frauen frühmorgens in ihrer ,Nachtjacke auf die Straße gingen, um ihre Kerle zu suchen . . .“

DIE OBJEKTE:

Hellstraße 6: Das Gebäude wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als zweigeschossiges Fachwerkhaus errichtet. Später wurde eine Fassade mit verputzter Mauerwerksfront in Neurnaissance-Zier vorgeblendet. Diese konnte jedoch bei der Sanierung nach 2002 nicht erhalten werden, da das dahinterliegende Holz stark beschädigt war

Hellstraße 29: Das Ackerbürgerhaus entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Vierständer-Hallenhaus. Es diente als Wohn- und Wirtschaftsgebäude für die Landwirtschaft. In der Traufgasse zum Nachbarn ist ein Brunnen erhalten. Nach langem Leerstand wurde es ab 2005 saniert. Es ist das letzte Gebäude dieser Straße, das noch über die ursprüngliche Toreinfahrt verfügt.

Hellstraße 26: Das Fachwerk-Wohnhaus ist bereits vor 1770 erwähnt und damit das älteste, das zu besichtigen ist. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Fachwerk-Fassade verputzt.

Hellstraße 40: Das restaurierte zweigeschossige Fachwerkhaus mit giebelständigem Krüppelwalmdach wurde nach 1840 errichtet. Die Fassade steht unter Denkmalschutz, im Inneren wird es seit Jahren gastronomisch genutzt.

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