Ahlen
Es nervt beim Tankstopp: „Darf auch ich E 1O“?

Samstag, 12.03.2011, 10:03 Uhr

Ahlen - Ja, es nervt, sagt Gabriele Gressog , ohne es direkt zu sagen - und ist bei „E 10“, ihrem aktuellen Reizthema Nummer 1. Das gehe ihr mit Verlaub inzwischen links rein ins Ohr und rechts wieder raus.

Fünf Uhr in der Frühe: Dienstbeginn bei „BFT“ an der Südbrede - und der erste Unkundige steht auch schon direkt gegenüber, um zu zahlen und zu fragen. Jeder zweite will es von ihr wissen. Ob er dürfe oder nicht? Da kann die Schlange im Verkaufsraum noch so lang sein.

Am Anfang aller Diskussionen sei sie ja noch mit Leidenschaft dabei gewesen. „Aber das geht jetzt schon seit Wochen so, von morgens bis abends. Irgendwann schaltet man ab. Dann geht es einfach nicht mehr“, bittet Gabriele Gressog um Verständnis. Sie selbst kann nur zuhören, auf die Autowerkstatt oder das Internet verweisen - und ihre Meinung zum Besten geben. „Wir haben nicht mal eine Liste vorliegen“, sagt sie. Das wäre doch das Mindeste gewesen, zeige aber den ganzen Irrsinn und die Unorganisiertheit dieser Aktion. „Ohne an eine an mich adressierte schriftliche Freigabe würde ich das Zeug nicht mal selbst tanken,“ bezieht die „BFT“-Frau klar Position - und ist auch dann nicht um deutliche Worte verlegen, wenn sich am Tag zwei Kunden offen zu „E 10“ bekennen. Ob man denn Lebensmittel zum Auspuff rausschießen dürfe, wenn anderswo in der Welt Menschen verhungern, lässt die Tankstellen-Angestellte dann klipp und klar wissen. Hier gehe es doch nicht um Umweltschutz und Ressourcen, hier gehe es einzig und allein um Subventionen.

Wie andere hat auch „BFT“ den neuen Sprit längst auf der Karte stehen. Doch wer nach dem Zapfhahn greift, stößt schnell auf Widerstand. Die Pistole ist noch eine Woche hinter Schloss und Riegel, „E 10“ derweil unterwegs und für den „Benzin“-Tank vorgesehen. Das normale „Super bleifrei“ gebe es dann auf unbestimmte Zeit weiter, sagt Gabriele Gressog. Vielleicht sogar noch in zwei Jahren. Wer wisse das schon?

Ihre Kunden haben bereits wissen lassen, am Tag X auf „Plus“ umzustellen. Den Biss in den sauren Apfel würden sie besser verdauen als alles noch undenkbar andere.

Aber auch in den Autohäusern endet kaum ein Gespräch ohne „E 10“. „Die letzten zwei Wochen waren ex­trem“, meldet Funke-Filialleiter Holger Tadick . Täglich 20 bis 30 Anrufe nur deswegen: Mit der Frage des Dürfens klinge immer große Unsicherheit heraus, die nach dem Gespräch aber ausgeräumt sei. „Bei Opel ist es ganz einfach. Wir haben nur einen Motor, der nicht darf“, sagt Tadick. Das sei der 2,2 Liter Direkteinspritzer, der auch nur in wenigen „Zafira“ stecke. Diese Kunden - keine 25 - seien bereits angeschrieben worden. Alle anderen dürften bedenkenlos zum Zapfhahn greifen.

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