Nach NRW-Prüfungs-Panne
Zweite Matheklausur: Rechner wieder raus - mit Restrisiko

Freitag, 20.05.2011, 22:05 Uhr

Ahlen - Endlich geschafft? Denkste. Genervt und geschafft! Kühl rechnende Abiturienten durchlaufen in diesen Stunden einen gefühlsmäßigen Spagat. Vorausgesetzt, sie haben gerade ihre Mathe-GK-Klausur hinter sich - und demzufolge wahlweise noch einmal vor sich. Kaum abgehakt, bittet das Schulministerium zu einem Nachschreibetermin eine Woche nach dem landesweiten Patzer mit Taschenrechnern in die Prüfungsräume - wegen unklarer Formulierungen aus ihrer Behörde. Und nun?

„Unsere Schüler waren relativ aufgeregt.“ Mechthild Frisch , Leiterin des Gymnasiums St. Michael, rechnet mit fünf Grundkurslern, die sich am kommenden Donnerstag freiwillig einer zweiten Matheklausur im Zentralabitur stellen. Drei haben sich bis Freitagmittag schriftlich festgelegt, eine Hand voll winkte zeitgleich ab. Viele Entscheidungen würden sicherlich erst kurzfristig fallen - nach ausgiebiger Internet-Kommunikation, vermutet die Pädagogin. Am Bischöflichen durchlaufen 26 Schüler nun die Qual ihrer Wahl.

Die Aufregung macht Mechthild Frisch an der fehlenden Selbsteinschätzung fest. Die Schüler hätten gemerkt, dass sie mit einem Aufgabenbaustein nicht so gut zurechtgekommen seien. Verschachtelt formuliert, eine Falle vermutend, in der Rechnung aber leicht zu lösen, schwirre jetzt durch viele Köpfe die bange Frage: „Habe ich alles berücksichtigt? Habe ich es gut oder schlecht gemacht?“ Eine Situation, die aus Sicht der Mathematik-Lehrer nicht hätte sein müssen. „Die Kollegen haben das Gefühl, dass solche Aufgaben von Leuten formuliert werden, die schon lange nicht mehr mit Schülern gearbeitet haben.“

Sprung vom Bischöflichen zum Städtischen: Schulleiter Siegfried Knepper steckte selbst mit 27 Schülern eines von zwei Mathe-Grundkursen im Abitur. Insgesamt betroffen: 37 Prüflinge. Eine zwingende Notwendigkeit des Nachschreibens sieht er allerdings nicht. Nachdem die Unklarheiten am selben Nachmittag vom Ministerium ausgeräumt worden seien, hätte alles gepasst. Die zentrale Steuerung verpflichte allerdings, den Nachholtermin auch am Städtischen anzubieten. Gerade, weil ohne diese Ungereimtheiten vorab vielleicht eine ganz andere Auswahl der Aufgaben - zwei aus acht - getroffen worden wäre. „Einige Schüler haben in dieser Woche vorbeigeschaut, andere durchgerufen“, erzählt Knepper. In persönlichen Gesprächen seien sie dann beraten worden. Auch wenn erst Montag Entscheidungstag ist, nach seinem Bauchgefühl sieht Siegfried Knepper momentan niemanden, der noch einmal freiwillig will. Schließlich werde die erste Klausur annulliert, setze der Schüler auf Risiko. Die Aufgabenpanne bewertet Knepper als „passiert“, ohne weitere Verstimmungen: „Überall passieren mal Fehler. Die können auch einem Professor passieren.“ Die Nachschreibe-Lösung sei eine vernünftige.

„Hälfte, Hälfte“ ist derweil die Gemütslage an der Fritz-Winter-Gesamtschule. Oberstufenleiterin Claudia Wilmer hat am Freitagmittag noch einmal eingehend mit den betroffenen sieben Schülern gesprochen. Die Stimmung bezeichnet sie als „irritiert“, weil niemand seine soeben erbrachte Leistung einschätzen könne. Die einen sehen eine neue Chance, die anderen das Risiko und wollen die Entscheidung nicht noch übers Wochenende mit sich herumschleppen. Sie winkten bereits ab.

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