Gestaltungssatzung
Heilmittel für die „zerrissenen Gebäude“

Donnerstag, 22.09.2011, 09:09 Uhr

Ahlen - Er ist eher der nüchterne Betrachter und formuliert bedacht. Beim Blick in die Einkaufsstraßen kann Mattias Bartmann den Planer aber nicht zügeln: „Es gibt sehr viele zerrissene Gebäude in der Innenstadt“, bescheinigte er Ahlens Zentrum. Um auf Dauer, wahrscheinlich auf eine beträchtliche Zeit gesehen, jene „Scheußlichkeiten“ aus dem Bild zu verdrängen, wie SPD-Sprecher Gerd Willamowski sie nannte, stellten Stadtplaner Bartmann und seine Kollegin Dorothea Sachs am Dienstag dem Fachausschuss einen Leitfaden-Entwurf vor. „ Gestaltungssatzung mit -fibel“ steht drauf. Und drin, wie Ahlens Innenstadt sich schöner machen kann.

Passieren soll das ab Geltung des - Dienstag insgesamt sehr gut angekommenen - Papiers immer bei An-, Um- und Neubauten von Häusern, vor allem geschäftlich genutzten. Dorothea Sachs projezierte eine Reihe von Positiv- und Negativbeispielen an die Leinwand. Mit Fenstern gegliederte Obergeschosse von Wohn- und Geschäftshäusern sind im Erdgeschoss teilweise nicht mehr wiederzuerkennen, weil achsenlose Glasfronten den Blick auf die Auslage öffnen sollen. Kragplatten reichen so weit in den Gehweg- oder Straßenbereich hinein, dass vorm Schaufenster stehende Bürger vom drüber aufragenden Haus nichts mehr sehen. Tonnenmarkisen beeinträchtigen das Bild das Fassade, in die dann oft noch unverhältnismäßig große Werbetafeln oder Leuchtreklamen gedübelt sind.

Ganz wichtig finden die Stadtplaner auch die Farbpaletten, in denen die City künftig noch gestrichen werden darf. Das vor allem in Richtung „hell“ definierte Wunschdenken im Konzept ging BMA-Frau Martina Maury allerdings etwas zu weit. Gerade ein sattdunkler Ton könne doch den Charakter eines Gebäudes besonders betonen, fand sie, worin sie Petra Pähler-Paul (Bündnisgrüne) unterstützte. Mattias Bartmann sagte ihnen zu, drüber zu schlafen: „Das mit der Farbe gucken wir uns nochmal an.“

Martina Maury war nicht ganz klar, welche Bedeutung denn nun Satzung und Fibel haben sollen. Das verdeutlichte Bartmann der BMAlerin: „Es gibt beratungsresistente Hauseigentümer.“ Denen könne man dann genau sagen, was künftig zu machen sei und was nicht.

Apropos Information: Alle Bürger im Geltungsbereich sollen nun angeschrieben und zu einer Versammlung eingeladen werden, in deren Verlauf haarklein vorgestellt wird, wie Ahlens Stadtkern schöner werden soll.

Außer einem Extralob Reiner Jenkels (Linke) für den Vortrag von Planerin Sachs verteilte auch Dr. Gerd Willamowski noch eine kurze Streicheleinheit an die Planungsabteilung: „Es ist richtig und wichtig, dass die Satzung endlich kommt.“ Er wünsche sich aber, dass man auch „mit denen redet, die schon Scheußlichkeiten errichtet haben.“

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