Ärger über den Dächern
Schatten auf der Solarstromszene: Kürzung bei der Einspeisevergütung sorgt für Wirbel

Ahlen -

Lange Schatten auf der Sonnenseite: Durch den Schnitt bei der Einspeisungsvergütung für Solarstromanlagen sorgt die Bundesregierung für mächtigen Wirbel unter Anlagenbetreibern, Handel und Herstellern.

Montag, 27.02.2012, 05:02 Uhr

Ärger über den Dächern : Schatten auf der Solarstromszene: Kürzung bei der Einspeisevergütung sorgt für Wirbel
Die Kürzung der Einspeisungsvergütung für Solarstrom wird den Anbietermarkt durch eine Umstellung des Betreiberverhaltens verändern, erwartet Markus Hagedorn von „Heitkamm Solarkonzepte“. Foto: Jörg Pastoor
Die Einschnitte bei der Solarförderung

KÜRZUNGEN:  Strom aus kleinen Dachanlagen bis 10 Kilowatt erhält statt 24,43 nur noch 19,5 Cent je Kilowattstunde an Förderung. - Anlagen bis 1000 Kilowatt bekommen 16,5 Cent. Große Freiflächenanlagen bis 10 Megawatt erhalten 13,5 Cent. Darüber hinaus soll es keine Förderung geben. - Dachanlagen auf neu errichteten „Nichtwohngebäuden“ erhalten den Tarif wie bei Freiflächen, um hier eine Fehlsteuerung zu vermeiden, etwa das Errichten von Scheunen, nur um sie mit Modulen zu bestücken und so die hohen Hausdach-Vergütung zu bekommen.REGELMÄßIGE ANPASSUNGEN: Angesichts der massiv fallenden Modulpreise und zur Vermeidung von „Schlussverkäufen“ vor Kürzungsstichtagen wird es ab Mai monatliche Kürzungen von 0,15 Cent je Kilowattstunde geben.MENGENBESCHRÄNKUNG: Bei kleinen Dachanlagen wird nur noch 85 Prozent des erzeugten Stroms vergütet; der Rest kann zum Eigenverbrauch genutzt werden. Der bisherige Eigenverbrauchsbonus entfällt aber. - Solarparks bekommen nur 90 Prozent des Stroms vergütet, den Rest müssen sie am Markt verkaufen. Damit soll der Solarstrom stärker an den Markt heran und vom Subventionsmodell weggeführt werden.NEUE AUSBAUZIELE: Es gibt zwar keine feste Deckelung der jährlichen Ausbaumenge, aber die Regierung will den Ausbau durch die Kürzungen auf 2500 bis 3500 Megawatt in diesem und im kommenden Jahr begrenzen. - Ab 2014 soll der Ausbaukorridor um jährlich 400 Megawatt abgesenkt werden, also auf 2100 bis 3100 Megawatt. Bis 2017 liegt er bei 900 bis 1900 Megawatt. Werden mehr Anlagen gebaut, als im Zielkorridor festgelegt, kann bei der Förderung per Verordnung kurzfristig weiter gekürzt werden.

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Ludger Schweck , der Stromabteilungsleiter der Stadtwerke, hat schon rote Ohren. Am laufenden Band rufen beim Ansprechpartner des Netzbetreibers an, der auch für die Vergütung der Stromeinspeisung zuständig ist. „Die große Problematik ist die, dass die Kürzung in den März vorgezogen worden ist“, sagt Schweck im „AZ“-Gespräch. Denn die meisten Kunden hätte mit der Kürzung für Juni gerechnet. Dass alles jetzt satte zwei Monate eher passiert, bedeutet „das absolute Chaos“: Es gebe Betreiber, die auf den Cent genau gerechnet haben – mit der alten Einspeisevergütung . „Und jetzt gibt es Betreiber, deren Kalkulation einfach nicht mehr passt. Die Planungssicherheit ist weg.“

Es geht für einige um Tage. Denn entscheidend für die dann greifende Regelung ist der Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Solaranlage. Die häufigsten Fragen an Schweck: „Wann ist den nun der Zeitpunkt der Inbetriebnahme?“ Muss die komplette Installation schon fertig sein, der fließende Strom einen Zähler drehen?

Markus Hagedorn kennt den Effekt an Ludger Schwecks Ohren. Auch er hat viele besorgte Kunden am Telefon – Dachdecker oder Elektriker, aber auch Entkunden, die von dem bei „ Heitkamm Solarkonzepte“ Zuständigen Auskunft suchen.

Seine Firma plant komplette Anlagen, liefert die Komponenten. Und Hagedorn weiß, dass es für manchen potenziellen Sonnenstromsammler eng wird: „Das Datum 9. März ist schon wirklich drastisch für viele, die frisch Anlagen bestellt haben.“ Denn die Bestandteile haben ihre Herstellungszeit. Bisher, das gibt der Fachmann zu Protokoll, haben die Hersteller ja auf Kürzungen in der Vergütung für den subventionierten Saft aus der Sonne stets mit Preisanpassungen reagiert. Doch er könne noch nicht abschätzen, wie groß die Spannen da noch seien – das müssten die nächsten Tage bringen. Dazu kommen noch Billigimporte aus Asien. „Das ist teilweise gute Qualität, teils aber auch Schrott.“ Der Gelackmeierte sei der Kunde. Der könne so nur „Äpfel mit Birnen vergleichen“.

Markus Hagedorn erwartet nun eine Veränderung des Marktes. Die Zeit der Großanlagen, mit denen es vor allem ums Geldverdienen gegangen sei, die ende nun.  „Der Trend wird zu kleineren Anlagen zur Deckung des Eigenbedarfs gehen.“ Je nach Fortschritt bei den Speichermöglichkeiten mit Akkusystemen sieht er da noch einen wachsenden, aber insgesamt kleineren Absatzmarkt. Denn damit nehme natürlich die Fläche, also die Zahl benötigter Kollektoren, ab. Sprich: Bei den Herstellern werde dann nicht mehr soviel nachgefragt. Konsequenz: „Es wird einen enormen Arbeitsplatzabbau bei den Herstellern geben.“

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Deler Saber ist Kurde und Deutscher Staatsbürger und hat früher in Bagdad gelebt und studiert. Vor über 20 Jahren kam er nach Deutschland, seit 2000 lebt er in Münster. Die Stadt, sagt er, sei zu seiner Heimat geworden, die er nicht mehr verlassen will.
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