Nach über 40 Jahren in der „Westfalen-Kaserne“
Kantine Seiler schließt

Ahlen -

Immer weniger Soldaten und ein verschärfter Wettbewerb sind zwei zentrale Gründe dafür, dass sich die Kantine Seiler in Kürze aus der „Westfalen-Kaserne“ zurückzieht. Zum 31. März wird die Einrichtung nach über 40 Jahren am Bundeswehrstandort Ahlen geschlossen. Das bestätigte Betreiber An­dreas Seiler im Gespräch mit der „AZ“.

Freitag, 18.01.2013, 11:01 Uhr

Andreas Seiler vor seiner Kantine: Wenn er am 31. März die Türen schließt, verliert die „Westfalen-Kaserne“ eine Einrichtung, die den Standort seit über 40 Jahren geprägt hat.
Andreas Seiler vor seiner Kantine: Wenn er am 31. März die Türen schließt, verliert die „Westfalen-Kaserne“ eine Einrichtung, die den Standort seit über 40 Jahren geprägt hat. Foto: Christian Wolff

Ein Zurück gibt es für Andreas Seiler nicht. „Am 31. März ist definitiv Schluss“, sagt er entschlossen. Und dennoch ist ihm deutlich anzumerken, dass er gerne weitergemacht hätte, wenn die Rahmenbedingungen gepasst hätten. Immer wieder hört er in diesen Tagen, dass die Kantine Seiler einfach zum Standort gehört, sich hier verdient gemacht hat – seit über 40 Jahren. „Da schließt man nicht einfach hinter sich zu“, gibt der Betreiber zu.

Und doch verschwindet in gut zwei Monaten eine der dienstältesten Einrichtungen am Bundeswehr-Standort Ahlen . Im Dezember 1972 erfolgte die Eröffnung – kurz vor Weihnachten 2012 hat das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in Münster die Kündigung erhalten. „Ich kann zu den aktuellen Konditionen nicht weitermachen. Da muss ich zubuttern“, erklärt Andreas Seiler. Zwar seien offiziell rund 540 Soldaten in der „Westfalen-Kaserne“, doch effektiv blieben derzeit nur 300, für die eine Verpflegung infrage komme. Und gegen den immer schärfer werdenden Konkurrenzkampf mit der Truppenküche sei kaum anzukommen. „Das ist nicht mehr rentabel“, hält der Pächter fest.

Zu Zeiten, als sein Vater Egon Seiler noch die „Jäger-Kantine“ betrieb, standen die Uniformträger täglich in Viererreihen vor der Theke. Andreas Seiler – er übernahm 1999 das Zepter und wechselte im März 2000 in die zuvor von Wilhelm Hugendieck betriebenen Räume – erinnert sich noch gut daran, als Seilers Currywurst als „Beste von Ahlen“ und die Einrichtung mit dem „Kantinen-Oscar“ gekürt wurde. Allein deswegen zog es immer viele Außenstehende gerne in die Kaserne. Wappen und Urkunden an den Wänden spiegeln nebenbei einen Großteil der Kasernengeschichte wider.

Inzwischen geht es zwischen Küche und Theke deutlich ruhiger zu, wenngleich das Stammpublikum unverändert die Treue hält. Jeder, der an der Hammer Straße seinen Wehrdienst geleistet hat oder auch nur Gast bei Veranstaltungen und „Tagen der offenen Tür“ war, kennt die Kantine Seiler. Soldaten-Freundeskreis und Ehemaligen-Treffs kommen noch hinzu. „Wir haben uns auch in den Ahlener Vereinen stark engagiert“, so Seiler.

Derzeit stellt die Kantine die Verpflegung all derer sicher, die nicht im Offiziers- oder Unteroffiziersheim speisen können. Darüber hinaus hält das Gebäude Räume für Pausen- und Freizeitaktivitäten vor. Wo die Rekruten ab April Platz nehmen dürfen, ist völlig unklar. Schließlich ist das geplante „Trio-Gebäude“, das in Zukunft die gesamte Truppenküche unter ein Dach holen soll, noch lange nicht fertig. Ein Nachfolger wird gesucht.

Aufhören ist bei Andreas Seiler jedoch nicht angesagt. Immerhin betreibt er noch eine weitere Kantine in der „Glückauf-Kaserne“ in Unna-Königsborn. „Dort sind etwa 800 Soldaten stationiert. Die Relationen stimmen da noch“, sagt er.

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