Zehnte „Stolperstein“-Verlegung
Dem Vergessen entrissen

Ahlen -

Die zehnte Verlegung der sogenannten „Stolpersteine“ erinnert seit Donnerstag an drei weitere Opfer des Nazis-Terrors. Doch es werden nicht die letzten sein, wie Manfred Kehr ausführte, der die Aktion für die Stadtverwaltung betreut.

Freitag, 08.03.2013, 08:03 Uhr

Bei der „Stolperstein“-Verlegung auf dem Handkamp waren auch Schüler des Berufskollegs St. Michael mit von der Partie. Eine weitere Verlegung erfolgte am Donnerstag an der Karlstraße.
Bei der „Stolperstein“-Verlegung auf dem Handkamp waren auch Schüler des Berufskollegs St. Michael mit von der Partie. Eine weitere Verlegung erfolgte am Donnerstag an der Karlstraße. Foto: Reinhard Baldauf

Die „ Stolpersteine “ Nummer 83, 84 und 85 haben am Donnerstag ihren Platz gefunden. Mit dabei waren verschiedene Spender, zum Beispiel das Berufskolleg St. Michael . Bei der Verleihung der Plakette „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ im vergangenen November wurde bei einem Gottesdienst gesammelt. So war eine Abordnung der Schülervertretung an der Karlstraße dabei, wo der „Stolperstein“ für Erna Baumgarten verlegt wurde.

Aber auch Schüler des evangelischen Religionsunterrichts der Jahrgangsstufe 7 des Städtischen Gymnasiums und der 7er-Klassen der Overbergschule waren dabei. Als ein sichtbares Zeichen für die Bürger, die von den Nazis verfolgt und dann meist auch getötet wurden, bezeichnete Bürgermeister Benedikt Ruhmöller die „Stolpersteine“. Das Stadtoberhaupt verlangte, an die junge Generation gerichtet: „Das darf nicht wieder passieren.“ Er forderte alle auf, in Sachen Rassismus hinzuschauen. Die „Stolpersteine“, die der Künstler Gunther Demnig in ganz Europa initiiert hat und auch zum Teil selbst in Ahlen verlegte, seien da, „damit man sich daran stößt“. Der Bürgermeister machte klar: „Damit wollen wir diese Menschen dem Vergessen entreißen.“

Manfred Kehr von der Stadtverwaltung, der sich um die Aktion kümmert und Nachforschungen über die Opfer in den verschiedenen Archiven anstellt, zeigte auf, dass es über die drei Opfer, denen mit diesen „Stolpersteinen“ gedacht werde, wenig Informationen gebe.

Neben politischen und religiösen Gegner der Nationalsozialisten, wurden besonders Juden verfolgt. Dies galt auch für ausländische Bürger. Polnische Arbeitskräfte jüdischen Glaubens wurden im Ruhrgebiet verschleppt und an die polnische Grenze deportiert. Hier lebten sie nach Aussagen von Überlebenden in menschunwürdigen Verhältnissen. Diese „Ostjuden“ kamen später nicht alle in Vernichtungslager. Die „Polen­aktion“ war aber der eigentliche Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden“, verdeutlichte Kehr aber.

Über die Schwierigkeiten, den letzten Wohnort von Leon Wolf und Chana Obarzanski in Ahlen ausfindig zu machen, berichtete Kehr ausführlich. Die Hausnummer „Warendorfer Straße 136 b“ gibt es nämlich nicht mehr. Heute ist es „Auf dem Handkamp 4“. Ein ehemaliges Emaillelager sei damals in ein Wohnhaus umgewandelt worden, in dem das Paar untergebracht war. Hilfe hatte Kehr hier von Isabell Kund bekommen.Am Rande berichtete er, dass die „Stolpersteine“ vom Finanzamt nicht mehr als Kunst anerkanntwerden und damit jetzt dem vollen Mehrwertsteuersatz unterliegen. Damit kostet ein Stein statt 95 jetzt 120 Euro.

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