Schließung des Haworth-Standortes Ahlen
IGM-Szenario: Insolvenzantrag im Dezember

Ahlen -

Sollten die Verhandlungen am Haworth-Standort Ahlen bis Ende November nicht unter Dach und Fach sein, sagt Beate Kautzmann, dann drehe Amerika kurzerhand den Geldhahn zu. Naheliegender nächster Schritt für die IG-Metall-Bevollmächtigte: Insolvenzantrag im Dezember. Denn: ohne Geld keine Löhne.

Dienstag, 08.10.2013, 09:10 Uhr

Das erste Informationsgespräch, zu dem Betriebsrat , Gewerkschaft, Unternehmensberater und Anwälte in der Vorwoche zusammengekommen waren, liegt Kautzmann auch am Montag noch quer. In ihrer Bewertung spricht sie von „offensichtlicher Drohung“. Man solle jetzt alles möglichst schnell über die Bühne bringen, sonst würden die Zahlungen eingestellt. „Wir reden hier über fünf Wochen für eine komplette Werksschließung“, erregt sich die IGM-Vertreterin. Verhandlungspartner derart unter Druck zu setzen, sei unangebracht, unüblich und absolut unsozial.

Nicht nur der Standort Ahlen steht in Frage

„Was uns bei dem Informationsgespräch unter der Überschrift Zukunftskonzept vorgestellt wurde, war weder Zukunft noch Konzept“, so Kautzmann weiter. Was nicht nur für den Standort Ahlen gelte, sondern auf lange Sicht auch für Bad Münder und Deutschland insgesamt.

Verärgert zeigt sich die Gewerkschafterin auch über das Verhalten der Verantwortlichen bei Atika. „Wir schließen“ sei die einzige Nachricht, die bisher nach draußen transportiert worden sei. Es gebe nicht einmal eine ordentliche Ankündigung mit Zahlen, Daten und Fakten, die dem Wirtschaftsausschuss normalerweise vorgelegt würden. Am kommenden Donnerstag werde die IG Metall mit dem Atika-Betriebsrat und Sachverständigen in Klausur gehen. Für Freitag habe sie einen „Runden Tisch“ einberufen, an dem die Betriebsräte beider Unternehmen mit Vertretern von Arbeitsagentur, Stadt, Wirtschaftsförderung und Gewerkschaft zusammentreffen sollen, um gemeinsam einen Blick auf die aktuelle Situation zu werfen.

Meine Erfahrungen zeigen: Wenn große Betriebe stillgelegt werden, ziehen andere nach.

Beate Kautzmann

Die IG-Metall-Bevollmächtigte sorgt sich unterdessen auch um Arbeitsplätze bei Zulieferfirmen: „Meine Erfahrungen zeigen: Wenn große Betriebe stillgelegt werden, ziehen andere nach.“ Insofern sei die Negativrechnung über derzeit betroffene Arbeitsplätze nach oben völlig offen.

Unsere Muttergesellschaft wird diese Situation nicht unbegrenzt hinnehmen.

Henning Figge

Haworth-Europachef Henning Figge bezog am Nachmittag schriftlich Stellung: „Wir sind nicht profitabel und müssen das dringend ändern. Unsere Muttergesellschaft wird diese Situation nicht unbegrenzt hinnehmen. Wenn wir es aber schaffen, ein nachhaltig profitables Fundament für unsere Zukunft zu legen, dann wird sie auch in unsere Zukunft investieren, allein bis zu 6 Millionen Euro für optimierte Prozesse und neue Technologien sowie die weiteren Kosten, die mit der Restrukturierung verbunden wären. Wir wollen jetzt zügig gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern eine Lösung finden und hoffen, dass wir sobald wie möglich die Verhandlungen aufnehmen können.“

„Runder Tisch“ tagt am Freitag

Unterdessen reagierte Bürgermeister Benedikt Ruhmöller über seinen Pressesprecher Merschhaus auf den Vorwurf von Haworth-Betriebsrat Raimund Meller, entgegen erster Bekundungen noch keinen Kontakt zu Betriebsrat und Belegschaft aufgenommen zu haben. Mit der IGM-Geschäftsführerin Kautzmann sei vereinbart, sich über die aktuellen Entwicklungen bei Haworth und Atika gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Kontakte mit den Betriebsräten werde es am „Runden Tisch“ geben.

Erneute „AZ“-Anfragen bei Atika und Altrad Lescha um eine Stellungnahme von Seiten der Geschäftsführung blieben auch am Montag ohne Resonanz.

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