Landwirtschaft im Nebenerwerb
Boden lässt Bioanbau kaum zu

Tönnishäuschen -

A ckerbau und Tierhaltung – im Münsterland seit Generationen eng miteinander verbunden. Auch auf dem Hof Volking zwischen Tönnishäuschen und Vorhelm tummelten sich noch vor gut zwei Jahrzehnten bis zu 1000 Mastschweine. Doch die Veränderung ließ sich nicht aufhalten: Wie die meisten Landwirte führt Martin Volking seinen Hof heute im Nebenerwerb, hat sich auf einen reinen Ackerbaubetrieb spezialisiert.

Dienstag, 12.11.2013, 12:11 Uhr

Das genaue Alter des Hofes kennen die heutigen Bewohner nicht. Der Vorhelmer Pastor Hermann Honermann hat zwar vor einiger Zeit eine uralte Besiedlung der Fläche anhand historischer Dokumente nachgewiesen, doch die ältesten Gebäude der heutigen Hofanlage müssen allesamt nach 1800 entstanden sein. „Leider ist unser altes Wohnhaus vor 18 Jahren abgebrannt“, berichtet Martin Volking , der den Betrieb 1993 von seinem Vater Hubert übernommen hat. Dabei ging unter anderem das zur Aufarbeitung bereitgelegte Hofkreuz verloren. Dennoch tat das dem weiteren Betrieb keinen Abbruch. Mais, Raps und Weizen wachsen hier auf einer Fläche von rund 50 Hektar.

„Unser Mais wird in der Regel für Futterzwecke verwendet oder zum Trocknen an die Raiffeisen-Genossenschaft gegeben“, erklärt der 45-jährige Agraringenieur. „Der Raps geht in die Ölindustrie – ob für Speiseöl oder Biodiesel kann ich allerdings nicht genau nachvollziehen.“

Die im Ahlener Raum mit Abstand am meisten angebaute Kultur ist der Weizen, auch Gerste und Triticale sind verbreitet. „Gemüseanbau gibt es hier nur relativ wenig, das liegt an den Bodenverhältnissen“, weiß Volking. „Gewächse wie Zuckerrüben spielen kaum eine Rolle. Die nächste Zuckerfabrik liegt 70 Kilometer entfernt – das lohnt sich einfach nicht.“ Die Kartoffelvermarktung sei angesichts des schweren und schlecht siebfähigen Bodens ebenso problematisch. Der Humusgehalt beträgt hier etwa fünf Prozent.

Gleich mehrere Faktoren sieht der Tönnishäuschener dafür, dass auch Biolandwirtschaft rund um die Wersestadt auf unglückliche Bedingungen stößt. So lassen die im Vergleich eher hohen Pachtpreise – 600 bis 800 Euro pro Hektar im Jahr – nur einen teuren Weiterverkauf zu, so dass viele Bioprodukte nur per Direktvermarktung an die Kunden weitergegeben werden können. Und: „Wir haben hier ein relativ hohes Aufkommen von Schädlingen in Raps und Mais, was auch mit der Bodenart zusammenhängt.“ Da gehe es nicht ohne Schädlingsbekämpfung, die im reinen Bioanbau nur ganz eingeschränkt erlaubt ist.

Der Maiszünsler gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schädlingen. Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen werden von den Raupen des Maiszünslers weltweit etwa vier Prozent der jährlichen Maisernte vernichtet. Die Schmetterlingsart knabbert die Maiskolben an und beeinträchtigt die Standfestigkeit des Stengels. Nicht weniger gefräßig ist der Rapsstengelrüssler. Auf leichten Böden können die Ertragseinbußen in trockenen Jahren beträchtlich sein. Ertragsreduktionen in Höhe von 25 bis 30 Prozent sind möglich. Zu den Problemverursachern auf den heimischen Ackerflächen gehört auch die Genetzte Ackerschnecke. Sie frisst sowohl das Korn als auch das Blatt auf.

Bei der Ernte verhält es sich am Hof Volking wie bei den meisten Bauern in Ahlen : Es wird auf die Leistungen von Lohnunternehmern zurückgegriffen. „Dadurch werden Maschinenkosten gespart. So einen Mähdrescher zu unterhalten, kann sich heute kaum noch jemand leisten“, beschreibt der Nebenerwerbslandwirt.

Volking beteiligt sich neben dem klassischen Ackerbau zudem am Blühstreifenprogramm, das seit etwa fünf Jahren von der Europäischen Union gefördert wird. Dabei wird ein Randabschnitt der sonst landwirtschaftlich genutzten Fläche weitgehend sich selbst überlassen, um der Natur – vor allem Kleintieren und Insekten – einen Rückzugsraum zu schaffen, den sie sonst immer seltener finden. Volking: „Es gibt kaum noch Brachland, deswegen wurden mehrere Agrarumweltprogramme auf den Weg gebracht.“ Nur einmal im Jahr werde der Wuchs im Blühstreifen gestutzt, um einer „Verbuschung“ vorzubeugen. „Viele wissen nicht, dass man diese Bereiche während der Blühzeit nicht betreten darf.“ Leider sorgen immer wieder „Gassigänger“ für Unmut. „Das ist keine schöne Sache, wenn Hunde durch die Anlagen streunen.“

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