Historiker und Pfarrer gegen Straßenumbenennung
Leidinger: Agnes Miegel war keine NS-Poetin

Ahlen -

Der Schul- und Kulturausschuss berät am Dienstag, 10. November, über die geplante Umbenennung von vier Straßen – darunter die Agnes-Miegel-Straße. Bereits im Februar hat Pastor Hermann Honermann dem Bürgermeister eine eigene Stellungnahme sowie die Bewertung des Historikers Professor Dr. Paul Leidinger zukommen lassen. Beide sind der Ansicht: Miegel war keine NS-Ideologin.

Freitag, 06.12.2013, 16:12 Uhr

Kaum ist beim Dauerthema R athaus eine Entscheidung getroffen, nimmt die Diskussion um die Umbenennung von Straßennamen wieder Fahrt auf. Wie berichtet, plant die Stadtverwaltung die Umbenennung von Agnes-Miegel-Straße , Pfitznerweg, Karl-Wagenfeld-Platz und Friedrich-Castelle-Weg aufgrund der Nähe der Namensgeber zum Nationalsozialismus .

Viele Anwohner sind mit den Plänen nicht einverstanden. Aber auch von fachlicher wie historisch versierter Seite gibt es Gegenwind. Bereits im Februar hatte sich beispielsweise der emeritierte Vorhelmer Pfarrer Hermann Honermann in die Diskussion eingeschaltet und Bürgermeister Benedikt Ruhmöller eigene Ausführungen sowie eine Stellungnahme von Professor Dr. Paul Leidinger , Vorsitzender des Kreisgeschichtsvereins und Historiker, zukommen lassen. Die Beiträge, die sich in erster Linie mit Agnes Miegel befassen, wurden bislang nur den Fraktionsvorsitzenden zugestellt und nicht öffentlich gemacht. Der „AZ“ liegen die Ausführungen vor.

Leidinger bringt seine Erkenntnisse gleich zu Beginn auf den Punkt: „Agnes Miegel war eine deutsche Dichterin und keine NS-Poetin. Vorhaltungen, sie sei eine glühende Verehrerin Hitlers gewesen, halten einer kritischen Prüfung nicht stand“, schreibt er. Nach 1945 sei Agnes Miegel ihren ostpreußischen Landsleuten im erlittenen Schicksal von Flucht und Vertreibung verbunden geblieben, harrte dort aus, während sich Nazi-Größen aus dem Staub machten, so der Historiker. „Das von Agnes Miegel und 87 anderen Mitgliedern der Sektion Dichtkunst am 25. Oktober 1933 unterzeichnete ,Treuegelöbnis‘ ist kein individuelles Bekenntnis zu Hitler, sondern eine aufgezwungene Erklärung.“

Auch Pastor Hermann Honermann hält die Umbenennungspläne für einen falschen Weg: „Die Streichung eines Straßennamens wäre im Fall von Agnes Miegel eine Diffamierung, die sie nicht verdient hätte. Ich muss meine Antinazihaltung nicht durch eine solche Diffamierung zum Ausdruck bringen.“ Honermann macht diese Haltung anhand eigener Erfahrungen fest, als seine holländische Mutter 1943 mit ihren Kindern nach Holland emigrierte. 1948 wurde die Familie als angebliche Nazis ausgewiesen.

Mehr Hintergründe in der „Ahlener Zeitung“ von Samstag, 7. Dezember.

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